John Ojijatekha Brant-Sero

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John Ojijatekha Brant-Sero in Tracht ...
... und in Zivil

John Ojijatekha Brant-Sero (Brennende Nelke; * 10. Juni 1867 im Six Nations Reservat bei Brantford, Kanada; † 7. Mai 1914 in London) war ein Mohawk-Indianer, der 1891 nach Europa (England) kam, 1899 Mitglied der Anthropologischen Gesellschaft wurde und sich 1900 wieder auf einer Vortragsreise durch die USA befand.

Leben[Bearbeiten]

Er besuchte die Reservatsschule und erlernte das Zimmererhandwerk am Mohawk-Institut[1]. Als er älter wurde, beantragte er beim Rat der „Six Nations“, die Kostenübernahme für einen Wirtschaftskurs, die ihm auch gewährt wurde.

Nach der Ausbildung ging er nach Toronto, wo er arbeitete, bis er Kontakt zur Theaterszene fand. Nach eigenen Angaben verbrachte er ein paar Jahre auf der Bühne. Im August 1889 sprach er auf dem Treffen der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Toronto im Namen der Regierung des Six Nations Reservats.

1891 ging er nach England, wo er – ebenfalls nach eigener Aussage – einige Zeit auf der Bühne verbrachte. Während seiner Zeit in England heiratete er 29-jährig die 48 Jahre alte Witwe eines Geistlichen. Da es ihm nicht möglich war, rechtzeitig einen Taufschein vorzuweisen, wurde er bei einem anglikanischen Gottesdienst umgetauft und „Brant“ als Teil seines Namens verwendet. Auf der Heiratsurkunde wurde seine Beschäftigung mit „Theologiestudent“ angegeben.

Gemeinsam kehrten beide später nach Kanada zurück und ließen sich in Hamilton, Ontario nieder, wo sie ein großes Haus am Rande der Stadt mieteten. Am 16. Oktober 1897 berichtete die Zeitschrift „Globe“ aus Toronto im Leitartikel über die große Feier, die das Paar anlässlich des diamantenen Thronjubiläums der Königin Victoria gab.

Mit seinen Kenntnissen der Mohawk-Sprache und der Mythen, Lieder und Traditionen seines Volkes zog Brant-Sero nach seiner Rückkehr die Aufmerksamkeit von Literaten auf sich. Er wurde von David Boyle, dem Kurator der Archäologie-Abteilung des Ontario Provincial Museum in Toronto, als Berater und Dolmetscher engagiert. In seinem Bericht von 1898 bewunderte Boyle Brant-Sero als „einen der hellsten und klügsten Irokesen, die jemals im Reservat geboren wurden“. 1899 wurde Brant-Sero zum zweiten Vizepräsident der Wentworth Historical Society und der Ontario Historical Society gewählt; seine Amtszeit war jedoch von kurzer Dauer.

Im Frühjahr 1900 verließ er seine Frau und ging nach Chicago. Von dort aus unternahm er eine erfolgreiche Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten. Er bereicherte seine Vorlesungen mit indianischen Liedern, die er in Originalsprache sang, um hinterher die Bedeutung der Worte und die Eigenheiten der indianischen Musik zu erklären. Später im Jahr 1900 reiste er zur Kapkolonie, um sich einem der Kontingente anzuschließen, die im südafrikanischen Krieg kämpften. Er wurde abgelehnt, weil er nichteuropäischer Herkunft war; es gelang ihm jedoch, sich als Zivilist in einem Versorgungsdepot zu verdingen, schließlich kündigte er jedoch den Dienst und ging nach England, wo er seine Vortragsreisen fortsetzte. Am 13. Februar 1902 sprach er beispielsweise in Liverpool vor 1.311 Menschen zum Thema „Kanada und die Indianer“. Wenig später beschrieb sich selbst als Anthropologen, der sich dem „Studium der Menschheit [...] hauptsächlich [...] dem Studium der rückständigen Rassen, im Besonderen der Indianer“ widmete und dafür die Anerkennung von bedeutenden Gesellschaften erhielt. Später führten ihn seine Vortragsreisen auch nach Deutschland.

Brant-Sero starb 1914 im West London Krankenhaus in England an einer „akuten Pneumokokken-Meningitis“. Auf seinem Totenschein wurde als Beruf Journalist angegeben. In einem Nachruf beschrieb die Zeitung "Hamilton Spectator" Brant-Sero als “den bekanntesten Mohawk-Indianer diesen Jahrhunderts.”

John Ojijatekha Brant-Sero und Karl May[Bearbeiten]

Im von Prof. Paul Schumann redigierten Dresdner Anzeiger wird am 28. Juni 1910 ein – von Rudolf Lebius initiierter – Protest gegen die blutrünstige Indianerliteratur publiziert. Der von Lebius engagierte Brant-Sero unterzeichnete diesen – ausgerechnet gegen Winnetou IV gerichteten – "Protest", obwohl er wegen mangelnder Deutschkenntnisse nur eine von Lebius besorgte Übersetzung kannte.

"Der Maysche Indianerroman ist ein lächerlicher Witz, aber die Sache hat auch ihre ernste Seite. Es kann uns Indianern nicht gleichgültig sein, ob wir in der ausländischen Literatur als skalpierende, blutdürstende Wilde geschildert werden..." [2]

Im Flugblatt Herr Rudolf Lebius, sein Syphilisblatt und sein Indianer deckt Karl May die Entstellungen Brant-Seros bzw. Lebius' bereits kurz darauf auf.

Soeben versendet Herr Rudolf Lebins ein neues Flugblatt gegen mich, welches angeblich aus der Feder eines »Vollblutindianers« stammen soll. Dieser Indianer ist ein Mohawk und nennt sich Brant Sero. Die Überschrift des Flugblattes lautet » E i n e s I n d i a n e r s P r o t e s t g e g e n d i e b l u t r ü n s t i g e I n d i a n e r l i t e r a t u r «. An der Spitze ist Brant Sero in indianischer Kleidung mit großem Federkopfschmuck abgebildet. Ganz selbstverständlich wendet sich der Inhalt trotz der Überschrift nicht etwa gegen die »blutrünstige Indianerliteratur« überhaupt, auch nicht etwa gegen die alleinschuldigen Verfasser der berüchtigten Zehn- und Zwanzigpfennighefte, sondern g e g e n m i c h a l l e i n , der ich mit diesen Verfassern und deren Heften nicht das geringste zu schaffen habe. Es handelt sich also nicht um den vorgespiegelten, allgemeinen, zornesedeln Protest, sondern einzig und allein um eine sehr unedle, »blutrünstige« Abschlachtung Karl Mays. Urheber des Machwerkes ist nicht Brant Sero, sondern Rudolf Lebius. [...] Da dieser Indianer aber leider weiter nichts als ein h e r u m z i e h e n d e r S c h a u b u d e n - r e s p . S c h a u t r u p p e n t ä n z e r ist und bei der Darstellung i n d i a n i s c h e r P f e r d e d i e b e und M o r d b r e n n e r mitzuwirken hatte, so wurde er schleunigst in einen großen » G e l e h r t e n « verwandelt und der Berliner Strafkammer, die in der Berufungssache May-Lebius zu entscheiden hat, als Sachverständiger benannt. [...] Das ist der »große indianische Gelehrte«! Der 2. Vizepräsident der historischen Gesellschaft von Ontario! Der die hervorragenden Männer aller Stämme des nordamerikanischen Kontinentes kennt! Ich aber weise ganz anderes nach. Nicht einmal die Federn gehörten ihm, die man auf seinem Bilde sieht; e r h a t t e s i e s i c h g e b o r g t ! Arme, historische Gesellschaft von Ontario! Dein Präsident tanzt für Geld auf deutschen Völker- und Vogelwiesen herum, spielt den Brandstifter, Räuber und Mörder und flüchtet sich dann, weil er seine Schulden nicht bezahlen kann, in die Arme des Herrn Lebius, der einst 250 Mark bezahlte, um einen fremden Namen für seine Schmähschrift gegen mich zu bekommen. Ich werde Mister Brant Sero vor Gericht zitieren und ihn fragen lassen, wer der eigentliche Verfasser seines Aufsatzes ist und welcher Lohn ihm für die Hergabe seines Namens wurde!

Da John Ojijatekha Brant-Sero ein wichtiger Zeuge ist, mietet sich Lu Fritsch – mit Mays Wissen – in der Berliner Pension Hoeltzl-Sheridan, in der auch Brant-Sero lebt, ein, sucht Kontakt zu ihm und informiert Karl und Klara May fortlaufend über ihre Erkenntnisse.

Er wird 1911 als Zeuge gehört.
Aus dem Protokoll der Zeugen-Beschreibung:

Brant-Sero, Ojijatekha John, Journalist, Berlin, Potsdamerstr. 27, verdient täglich 10 Mark – Indianer – Staatssteuer noch nicht veranlagt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Am 22. April 1910 hielt er im Verein für Erdkunde, Dresden, einen Vortrag über die Geschichte, Sprache, Eigenart und den Kulturzustand dieses Indianerstammes.[3] Über diesen Vortrag informierte unter anderem "The New York Times" am 6. Mai 1910.[4]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die „Mohawk Institute Residential School“ war eine 1831 gegründeten Ausbildungsstätte für Angehörige der „Six nations“.
  2. zitiert nach: Dresdner Anzeiger Nr. 176 vom 28. 6. 1910)
  3. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin Heft 5/1910. Darin: Berichte von anderen deutschen geographischen Gesellschaften: Verein für Erdkunde zu Dresden, S. 360.
  4. Faksimile in "Karl May in Leipzig Nr. 96", S. 13

Literatur[Bearbeiten]

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.


Weblinks[Bearbeiten]