Dschamikun

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dschamikun
Elbsandsteingebirge.jpg

Im Reiche des silbernen Löwen III
Im Reiche des silbernen Löwen IV

Die Dschamikun (Einzahl Dschamiki) sind ein fiktiver Kurden-Stamm in Persien. Die hier beschriebenen Dschamikun sind eine Unterabteilung (tir) dieses Stammes; sie leben in einem schwer zugänglichen und verborgenen Tal. Eine uralte sakrale Ruine und ein "Alabasterzelt" hoch über dem Duar sind die Wahrzeichen dieses Tales.

Im Reiche des silbernen Löwen

Kara Ben Nemsi hört zum ersten Mal bei den falschen Dinarun, die eigentlich Ausgestoßene (Massaban) sind, von den Dschamikun. Sie werden ihm von Nafar Ben Schuri als Räuber und Mörder dargestellt, die auch seine und Halefs Waffen und Pferde geraubt hätten. Damit versucht Nafar, die beiden als Helfer bei einem Kriegszug gegen die Dinarun zu bekommen. Erst das Auftauchen des Fakirs Sallah, der eigentlich der Pedehr der Dschamikun ist, bringt die Wahrheit zutage. Kara und Halef, die beide typhuskrank sind und dringend Hilfe brauchen, retten sich mit einem Sprung über die Schlucht im Tal des Sackes (Daraeh-y-Dschib) in das Tal der Dschamikun. Sie werden beide in letzter Minute geheilt. Kara erforscht das Tal, entdeckt einige Geheimnisse (die in symbolischer Weise seine Probleme und Gegner im wirklichen Leben spiegeln) und hilft den Gastgebern gegen einen Usurpationsversuch des Scheik ul Islam und Ahriman Mirzas. In langen Gesprächen mit dem Ustad wendet er sich von seinen bisherigen Abenteuererzählungen ab. Ein ebenfalls symbolisch zu verstehendes Pferderennen gewinnt Kara Ben Halef (eine positive Spiegelung Karl Mays) auf der Mähre Kiss-y-Darr (von Karl May sehr frei mit "Schundroman" übersetzt).

Die geistige Haltung

"Nämlich der Tir unseres Stammes, zu welchem ich gehöre, hat sich von den andern Dschamikun abgesondert, weil wir Muhammed zwar für einen Propheten, seine Lehre aber nicht für seligmachend halten. Wir sind nicht mehr Nomaden, sondern wohnen in Häusern, welche wir nur im Sommer mit Zelten vertauschen. Wir haben Gärten und Felder, welche wir bebauen, und Herden, deren Ertrag wir auf den Markt von Isfahan liefern. Unsere Ernten sind reich an Galläpfel [Galläpfeln], Mastix, Mannah, Sesam und Tabak. Mit dem letzteren versorgen wir fast ganz Chusistan. In Beziehung auf den Ruf, in dem wir stehen, füge ich hinzu, daß sich unausgesetzt hundert unserer jungen Leute bei der Leibgarde des Schah-in-Schah befinden, obgleich der Beherrscher sehr wohl weiß, daß sie ihre Waffen niemals verwenden würden, unschuldiges Blut zu vergießen. Ich bin der Scheik und werde nicht bei meinem Namen, sondern Peder genannt. Hoch über mir und allen andern aber steht der Ustad, vor dessen Ehrwürdigkeit wir uns in Liebe und Gehorsam beugen. [...] Wir leben in steter Eintracht unter uns und halten Frieden mit allen andern Menschen. Als wir uns um unseres Glaubens willen von den andern Dschamikun trennten, wurden wir eine Zeitlang von ihnen heftig angefochten und sehr hart bedrängt. Nun aber haben sie eingesehen, daß dieser Glaube auch für sie nur Güte und nur Vorteil hat. Sie sind uns wieder Freund geworden..." (der Pedehr bei seinem ersten Gespräch mit Kara Ben Nemsi)[1]

Mitglieder und ihre Symbolik

  • Ustad – der geistige Lenker der Dschamikun (Spiegelung des "neuen besseren Menschen" in Karl May)
  • Pedehr – der weltliche Leiter der Dschamikun (Spiegelung des Verlegers Friedrich Ernst Fehsenfeld)
  • Chodj-y-Dschuna – der weise Gesangslehrer und "Waffenmeister" der Dschamikun
  • SchakaraDschanneh (die "Seele"), das weibliche Pendant zum Ustad (Spiegelung von Mays zweiter Gattin Klara Plöhn)
  • Pekala – (die "Köstliche"), geschwätzige und unzuverlässige Köchin (Spiegelung von Mays erster Gattin Emma Pollmer)
  • Tifl – (das "Kind"), der leicht vom rechten Weg abzubringende in den Kinderschuhen steckengebliebene Mensch
  • Amineh – Dschamiki, die zur Rettung ihres Gatten Hafis Aram einen Mord begeht, ein schwerer Verstoß gegen die Gesetze der Dschamikun
  • Kara Ben Nemsi – wird durch die Gespräche mit dem Ustad zum Dschamiki (Spiegelung des "Weltenbummlers und Abenteurers")

Ein kleiner Irrtum Karl Mays

Als der in der Maske des Fakirs auftretende Pedehr von Kara Ben Nemsi und Halef verfolgt wird, ruft er erschrocken: "Die Dschamikun!" Hier hat May das falsche Wissen Karas und Halefs irrtümlich auch dem Pedehr angelastet – denn der ist ja der Scheik der Dschamikun![2]

Anmerkungen

  1. Karl May: Im Reiche des silbernen Löwen. Band 28 der Gesammelten Reiseerzählungen. Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld Freiburg 1902, S. 228 f.
  2. Walther Ilmer: ...mit allen Fehlern und Schwächen... Karl May beim Wort genommen. Kurioses und Absurdes in seinen Texten. in: Der geschliffene Diamant. Karl-May-Verlag BambergRadebeul 2003, ISBN 3-7802-0160-7, S. 278.

siehe auch