Anna Rothe

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Anna Rothe, geb. Johl, genannt das "sächsische Blumenmedium" (* 1850 in Altenburg; † 1907), war ein bekanntes spiritistisches Medium.

Leben

Sie stammte aus Altenburg, lebte viele Jahre in Chemnitz und war letztendlich in Berlin-Schöneberg sesshaft. Sie war mit einem Kesselschmied verheiratet und hatte mehrere Kinder, von denen einige jung gestorben sein müssen. Sie hielt bereits vor 1884 (erste Verurteilung wegen groben Unfugs in Zwickau) spiritistische Sitzungen ab, wurde aber erst ab 1900 berühmt.

Ab Herbst 1900 hielt sie mit der Unterstützung eines Max Jentsch in der eigenen Wohnung, aber auch anderenorts, ihre geheimnisvollen Sitzungen ab, für die sie Eintrittsgeld nahm. Im Trancezustand sollen ihr die Geister der Verstorbenen Paul Fleming (Dichter des 17. Jahrhunderts) und Ulrich Zwingli (Reformator des 16. Jahrhunderts) geantwortet haben, wobei alle Personen (laut Zeugenaussage) mit einem sächsischen Dialekt gesprochen haben sollen – wie Anna Rothe selbst auch. Ein weiterer Geist war ein Kind namens "Friedchen".

Das Spektakuläre an den Séancen war, dass, zum Erstaunen der Gäste, Frau Rothe beim trickreichen Apport unzählige Blumen und Apfelsinen aus der Luft holte sowie allerlei Kleinigkeiten wie Fingerhüte, Berloques und Bijouteriewaren zum Vorschein brachte, die sie aber in ihrem Unterrock versteckt hielt. Manchmal soll sich nach dem Verschwinden der Geister ein sonderbarer Phosphorgeruch verbreitet haben. Auch der berühmte und bekannte Zaubertrick "Die Befreiung aus einem verschnürten Sack", welcher später keinerlei Verletzungen bei den Nähten, Schnüren und Siegeln aufweisen sollte, wurde einmal von ihr vorgeführt. Als ein "vorzügliches" Medium habe die Anna Rothe auch Einladungen nach Paris, Brüssel, Zürich und an verschiedenen Orten Deutschlands wahrgenommen.

Doch der Schwindel flog auf und wurde im März 1903 beim Landgericht Berlin vor der Zweiten Berliner Strafkammer verhandelt. Die Zuschauerkarten für den Gerichtssaal waren schon Wochen zuvor ausverkauft.

Nach Abzug einer schon abgesessenen Untersuchungshaft von acht Monaten wurde sie am 23. März wegen Betrugs zu weiteren zehn Monaten Gefängnis verurteilt und trat die Strafe sofort an.

Anna Rothe und Karl May

Anna Rothe nahm 1897 ein- oder zweimal an spirititischen Sitzungen in der Villa "Shatterhand" teil. (Vermutlich im Anschluss an den 2. Kongress des Verbands deutscher Okkultisten im Dresdner Musenhaus am 7./8. Juni 1897, an dem sie teilnahm.)

Am 8. April 1902 wurde Klara Plöhn vor dem Landgericht Dresden in Sachen Rothe-Jentsch vernommen. Sie notierte in ihrem Tagebuch:

Die Rothe mag eine Schwindlerin sein, Jentsch ist aber ein viel größerer Spitzbube.[1]

Emma Pollmer, die nach der Scheidung in Weimar lebt und dort von Klara besucht wird, berichtete:

Auf meine Frage, woher sie käme, sagte sie, sie käme direkt aus Berlin, wo sie in dem Anna Rothe-Prozeß als Zeugin aufgetreten wäre.[2]

Sonstiges

Ihre Tochter war ebenfalls Spiritistin und Medium.

Anmerkungen

  1. Karl-May-Chronik III, S. 45.
  2. Zitiert nach dem Aufsatz von Gabriele Wolff im KMG-Jahrbuch 2001.

Literatur

  • Erich Bohn: Der Fall Rothe. Eine criminal-psychologische Untersuchung. Breslau 1901.
  • Erich Bohn: Geisterschriften und Drohbriefe : eine wissenschaftliche Untersuchung zum Fall Rothe, 1902.
  • Robert Nagel: Der Justizmord an dem Blumenmedium Anna Rothe. Winterthur, Firnlicht, 1923.
  • Hugo Friedländer: Das spiritistische Medium Anna Rothe. In: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung. 1911-1921, Band 2. (Onlinefassung)

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.


Weblinks