Magdalena Berghuber

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Werke mit
Magdalena Berghuber
KBN2.jpg Bild2.jpg OS19.jpg

Der Weg zum Glück

Magdalena Berghuber (anfangs Muhrenleni) ist eine bayerische Sennerin, die später als Protegée Ludwig II. eine berühmte Sängerin wird. Sie ist eine Waise und das Patenkind des Wurzelsepp. "Muhrenleni" heißt sie, weil die Alm, auf der sie für den Kapellenbauern arbeitet, an einer Muhre (Erdhügel) liegt.

Sie mochte kaum achtzehn Jahre zählen, war aber körperlich und vielleicht auch geistig bereits weit über dieses Alter hinaus entwickelt. Das in niedrigen Schuhen steckende Füßchen war im Vergleiche zu ihrer hohen, vollen Gestalt klein und niedlich zu nennen. Das kurze, aus roth und blau gestreiftem Zeuge gefertigte und unten mit einer breiten Kante versehene Röckchen reichte nur Wenig über das Knie herab und gab die drallen, von schneeweißen Zwickelstrümpfen umschlossenen Waden frei. Die Taille war ungewöhnlich eng und von einem glanzledernen Gürtel umschlossen, an welchem die Schlüssel hingen. Das dunkelgrüne Sammetmieder war tief ausgeschnitten, so daß über den drei silbernen Spangen, welche es zusammen hielten, die ganze Fülle des Busens zu sehen war, welcher, wenn sie während des Gesanges tief Athem holte, die feinen Fälteleien des weißen Hemdes zu sprengen drohte. Die runden, üppigen Schultern trugen einen kräftigen Hals, um welchen sich eine feine Schaumperlenkette legte, an der ein glasgoldenes Kreuzchen hing. Das Gesicht war gebräunt, energisch ausgeprägt und doch von einem weichen Ton überhaucht, der den Ausdruck innerer Selbständigkeit bedeutend milderte. Das dunkle Haar war in zwei lange, schwere Zöpfe geflochten. Man sah deutlich, daß sich die vollen Locken nur schwer der Strenge des Kammes gefügt hatten, und um die Stirn und an den beiden Schläfen hatten sich einige rebellische Kräusel befreit und krönten nun wie ein Diadem das frische Angesicht. Die silbernen Spangen waren von sehr alter Arbeit, wohl ein Erbstück von der Ahne her, Kette und Kreuz von ganz geringem Werthe. Das Mädchen war arm, aber von der Natur mit dem größten Reichthum: Schönheit und Gesundheit, begabt, welcher wohl manche reiche, hoch stehende Dame neidisch gemacht hätte. Dieser Vorzug erhielt einen ganz besonderen Werth durch die ausgesprochene Sauberkeit, welche aus jedem Fältchen glänzte. Man sah es deutlich – das Mädchen hielt Etwas auf sich. Auch die Hütte und die ganze Umgebung derselben war ein Bild der größten Ordnung und Reinlichkeit.

Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt; ihr Vater, ein armer Botenmann, hungerte sich zu Tode, um seiner Tochter etwas Geld zu hinterlassen. Nach dem Tod der Eltern kümmerte sich ihr Pate, der Wurzelsepp, um sie.

König Ludwig II., der auf einer seiner anonymen Wanderungen durchs Land auf ihre Alm kommt, ist von ihrer Stimme – Leni ist die beste Jodlerin der Gegend – derartig beeindruckt, dass er sie zur Sängerin ausbilden lassen will. Sie weigert sich zunächst, willigt jedoch ein, als der König ihr als Gegenleistung die Begnadigung des Krikelanton, eines gesuchten Wilderers, den Leni liebt, verspricht. Der Krikelanton ist mit dem Entschluss Lenis, Sängerin zu werden, nicht einverstanden, da er moralische Bedenken gegen ein Auftreten auf der Bühne hat, und bricht mit ihr.

Leni wird in München von der ehemaligen Sängerin Madame Qualèche ausgebildet. Ihren ersten Auftritt hat sie in Scheibenbad unter dem Künstlernamen Mureni in einem Konzert, auf dem auch Franz Liszt spielt und dem der König und Richard Wagner, der ein Lied für Leni komponierte, beiwohnen:

Ihre Stimme hatte ein ganz eigenartiges, männliches Timbro, und doch, als die Melodie dann emporstieg, klang es, wie wenn im [sic!] Organist die Vox humana mit der Flauto amabile und dem Posaunenbasse registrirt [...] Diese Stimme füllte den weiten Raum. [...] Es war, als ob sie nicht mit dem Munde singe, sondern als ob diese süßen, herzinnigen, verlockenden Zaubertöne aus ihrer tiefsten Seele emporklängen. Man hörte [...] , daß diese Stimme aller Register, der zartesten und auch der stärksten fähig sei, aber Das, was man jetzt hörte, war weder zart noch stark, oder vielmehr, man hörte gar nicht auf die verschiedenen Stärkegrade. Das Forte und Piano, das An- und Abschwellen, es konnte ja keine Beachtung finden vor dem himmlischen Wohllaute dieser Töne. Es war Liebe, Liebe, Liebe und abermals nichts als Liebe, was man hörte, nicht in Worten, denn die verschwanden, sondern in Tönen. Es war als ob eine hingebende Seele sich auflöse und nun dahinschwinde in Klängen, welche man wohl hören, nicht aber begreifen konnte.

Leni erhält für das Konzert vom König ein goldenes Lorbeerblatt als Geschenk. Sie versucht, sich mit dem Krikelanton, der dem Konzert beiwohnte, zu versöhnen, was jedoch an dessen Starrköpfigkeit scheitert. Nach dem großen Erfolg von Scheibenbad zieht sie sich zu Studien zurück, erregt dann unter dem Namen Lena Ubertinka in Mailand, Venedig, Rom und Neapel großes Aufsehen:

Sie soll die Vorzüge der Henriette Sonntag, Schröder-Devrient, Nielson und Patti in sich vereinigen.

Von reichen Verehrern erbt sie ein Vermögen und erhält wertvollen Schmuck geschenkt. In Wien, wo sie ihre Studien weitertreiben will, tritt sie auf einer Soirée des Barons Hesekiel von Hamberger auf:

Sie trug ein einfaches, schwarzseidenes Kleid, und eine rothe Rose in dem prachtvollen, dunklen Haar war ihr einziger Schmuck. Während alle anwesenden Damen tief ausgeschnitten gingen und auch die Arme ganz entblößt trugen, schloß ihr Kleid sich eng um den Hals und die Aermel desselben reichten bis über den Ellbogen. Der Vorderarm stak in Handschuhen. So stach sie außerordentlich gegen die strahlende Umgebung ab. Aber Jeder und Jede sagte sich sofort beim ersten Blicke, daß dieses Mädchen eine seltene, ausgezeichnete Schönheit sei.

Auf dieser Soirée verliebt sich Graf Horst Arnim von Senftenberg, der sie zuvor vor Zudringlichkeiten des angeblichen Barons Egon von Stubbenau und des als "Guiseppe Criquolini" als Sänger in Wien weilenden Krikelanton beschützt hatte. Sie erwidert die Liebe.

In Scheibenbad spielt sie in der Uraufführung der Oper "Götterliebe" die Göttin Freya. Sie trifft dort wieder auf den Krikelanton, dem sie ins Gewissen redet, da er seine im Elend lebenden Eltern vergessen hatte, so dass sie sich um sie kümmern musste.

Nach der Heirat mit von Senftenberg singt sie nur noch in Kirchen und auf Konzerten, nicht mehr auf der Bühne. Am Starnberger See gelingt es ihr, Marga Siebers und den Krikelanton als Paar zusammenzubringen. Als der Wurzelsepp stirbt, übernimmt sie sein "Erbe": Sie soll in seiner Weise und in seinem Geiste Bedürftigen Hilfe aus schwerer Not bringen.

siehe auch

Frauen bei Karl May

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.