Wurzelsepp

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Wurzelsepp
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Der Weg zum Glück

Der Wurzelsepp (auch Wurz'nsepp)[1] heißt eigentlich Joseph Brendel und ist ein alter Bayer, der klischeeentsprechend Lederhosen trägt und gern jodelt.

Joseph Brendel ist königlich-bayerischer Hauptmann a.D., Geheimpolizist und Kräuterhändler. Er ist Pate der Muhrenleni, deren Mutter ihn einst verlassen hat, und Vertrauter König Luwigs II.. Er wandert zwischen Bayern und Österreich herum und ist ein Freund von Finkenheiner, Fex, Kronenbauer und Ludwig Held.

Der Wurzelsepp ist starker Pfeifenraucher. Er jodelt gern und trägt stets seine Zither bei sich. Er war »früher Soldat und zwar Cavallerist gewesen, das Einzige, worauf er sich Etwas einbildete. Er hatte eine Wunde aufzuweisen und war stolz darauf, sein Blut für das Vaterland vergossen zu haben. Darum trug er an Sonn- und Feiertagen das Bändchen im Knopfloche, welches sein Kriegsherr ihm als Ehren- und Erinnerungszeichen geschenkt hatte.« Er wird als Analphabet bezeichnet (behauptet es auch selbst), kann aber im Laufe des Romans dann fließend lesen: Er pflegte sich gewöhnlich so zu stellen, als ob er nicht lesen könne, aber er verstand das Lesen doch sehr gut.

Als er vom Militär heimkehrte, hatte seine Geliebte, da er verleumdet worden war, einen anderen geheiratet. Der Wurzelsepp wurde später der Pate ihres Kindes. Als deren Eltern starben, wurde er ihr Pflegevater und Vormund. Er kommt als Kräuterhändler viel im Land herum und hört den Leuten genau zu. So kann er als Geheimpolizist die Spuren der Verbrechen des Silberbauern, des Thalmüllers, des Samiel (Kronenbäuerin), des Barons Friedrich von Alberg und seiner Gehilfen, Hermann Arthur Willibold Keilberg und Gottfried Hollaniz, sowie den Mädchenhändlerring Saleks und Baruch Abrahams aufdecken (dabei befreit er Paula Kellermann und Anita Ventevaglio und rettet Ludwig II. das Leben) und die Verbrecher stellen. Er klärt die Identität verschleppter und ausgesetzter Kinder (Fex, Max Walther, Fritz Hiller) und führt sie mit ihren Eltern zusammen; dem Fex hilft er, seinen Anspruch auf die Baronie durchzusetzen. Er stiftet Ehen, indem er Liebespaare, die durch Missverständnisse oder die Verhältnisse auseinandergerieten, zusammenführt: so Paula Kellermann und den Fex, Martha Claus und Max Walther sowie Milda von Alberg und Rudolf von Sandau, dessen Familienehre auch durch die Recherchen des Wurzelsepp wiederhergestellt wird.

Der Wurzelsepp –
Titelbild des KMV

Seine Aktivitäten beschränken sich nicht auf Bayern, er ist auch in Wien und Triest tätig. Als Helfer stehen ihm Max Walther, Johannes Weise, der Fex, Ludwig Held und Fritz Hiller zur Seite.

Auch zu drastischen Streichen greift er, um seinen Schützlingen gegen Widersacher beizustehen oder den Bösewichten eins auszuwischen: in einem aberwitzigen Geisterschabernack um einen Schatz düpiert er den Thalmüller und dessen Großmagd Käthe; den Fingerlfranz legt er mit einem Zauber herein, der ein verlorengegangenes Schwein wiederbeschaffen soll, und den lüsternen Stargeiger Antonio Rialti setzt er auf einem Baum fest, so dass der Fex sein Debüt als Geigenvirtuose geben kann.

Die Nachricht, dass man Ludwig II. als Geistesgestörten nach Schloss Berg brachte, lässt den Wurzelsepp so sehr verzweifeln, dass er eine Lungenentzündung trotz seiner derben Natur nicht überlebt. Am 13. Juni 1886, dem Todestag des Königs, stirbt er in der Villa des Krikelanton.

»Kein Denkmal steht auf seinem schlichten Grabe. In der Kirche aber hängt ein einfaches Gedenkbret mit seinem Namen, Geburts- und Todestag. Daneben sieht man die alte Zither, mit Trauerschleifen und dem von ihm angeordneten Veilchenkranze geschmückt. Sein Leben war dem Glücke seiner Mitmenschen gewidmet. Sein Wirken dauert fort. Sein Erbe ruht in der Hand der Gräfin von Senftenberg, welche es genau in seiner Weise und seinem Geiste verwendet. Es ist eine verborgene Quelle der Wohlthaten. Gar Manchem, der nicht weiß, woher die Hilfe aus schwerer Noth kommt, zeigt Sepp noch nach seinem Tode durch die Hand der mild- und wohlthätigen Leni den »WEG ZUM GLÜCK«.«

zum Namen

Dieser Alte hieß eigentlich Joseph Brendel. Weil er aber allerlei Wurzelwerk in den Bergen sammelte, von dessen Verkauf er lebte, und die Abkürzung von Joseph Sepp lautet, so wurde er allüberall nur der Wurzelsepp genannt. Er war beliebt nah und fern. Er kam sogar zuweilen hinein in die schöne Hauptstadt München, wo die Apotheker ihn seiner seltsamen Wurzeln und seines ehrlichen, gespaßigen Wesens wegen gern willkommen hießen.

In der ursprünglichen Münchmeyer-Heftausgabe heißt es durchgehend "Wurzelsepp", und erst der Bearbeiter der Ausgabe von 1904 hat daraus den "Wurz'nsepp" gemacht.

Anmerkungen

  1. Elisabeth Berger: Der Weg zum Glück: Eine ausgelöschte Fährte. In: Wiener Karl-May-Brief Heft 1/2012, S. 7.

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.