Llano estakado

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Karte des Llano estakado

Der Llano estakado (auch Llano estacado) oder die Staked Plains ist/sind eine Landschaftsformation in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er befindet sich im südöstlichen Teil von New Mexico und im nordwestlichen Teil von Texas.

Allgemeines

Nördlicher Steilhang des Llano estakado in New Mexico

Die übliche US-amerikanische Übersetzung Staked Plains ist falsch, richtig wäre Palisaded Plains. Denn "Estacado" hat nur indirekten Zusammenhang mit stake (= "Pflock" oder "Pfahl"), sondern heißt "mit einer Palisade versehen". Der Name kommt daher, dass die ersten spanischen Eroberer, als sie 1541 auf die Gegend stießen, den Eindruck hatten, diese Hochebene sei durch das Caprock Escarpment im Norden und Westen eingegrenzt wie durch eine Palisade. Flach sei diese Gegend, kein Stein, kein Baum, kein Strauch – nichts, woran man sich orientieren könne. Diese Beschreibung Francisco Coronados wurde noch 1852 von dem Offizier der US-Armee Randolph B. Marcy – möglicherweise ein Namensvorbild für Karl Mays Surveyor Marcy[1] – bestätigt: Fast keine Wasserstellen, Tiere wie Indianer scheuten sich, die Hochebene zu betreten, außer an ganz wenigen Stellen.

Aufgrund der falschen Übersetzung ließ sich May zu der Erklärung verleiten, dass, um den Weg durch diese Wüste zu finden, Pfähle gesetzt worden seien, denen die Reisenden zu folgen hätten. Weiter erzählt May, als "Stakemen" bezeichnete Verbrecher setzten die Pfähle so um, dass Reisende ins Zentrum der Wüste geleitet und dort, vor Durst fast wehrlos, ausgeraubt würden. Für die Authentizität dieser Schilderung gibt es jedoch keine Anhaltspunkte, zumal die natürliche Vegetation der Ebene eine Hochgrassteppe und keinesfalls eine Wüste ist.

bei Karl May

Llano estakado
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Auf der See gefangen
Waldröschen
Der Geist des Llano estakado
Old Surehand I
Deadly dust
Satan und Ischariot II (nur erwähnt)

Benennung

Die Schreibweise des Namens ist bei Karl May durchaus unterschiedlich: als May-konform gelten heute der "Llano estakado" und der "Llano estacado" (Buchausgabe von Der Geist des Llano estacado 18901910), aber auch der "Llano estaccata" (Auf der See gefangen), der "Llano estakato" (Satan und Ischariot) und die "Llano estakata" (Der Geist der Llano estakata in "Der gute Kamerad" 1888) wurden verwendet. Ob diese verschiedenen Varianten auf May selbst zurückgehen oder durch Fehler des Setzers, "Korrekturen" der Redaktion oder des Herausgebers entstanden, ist im Einzelfall nicht zweifelsfrei nachzuvollziehen.

"Pfähle"-Legende

Aber auch noch in anderer Beziehung ist diese Wüste gefährlich. Da nämlich weder Baum noch Strauch als Wegweiser dienen kann, so hat man den Weg, welcher durch sie führt, mit langen, kahlen Stangen bezeichnet; daher sie den Namen Llano estacado, das ist die abgesteckte Wüste, führt. Nun giebt es dort allerlei Gesindel, deren Anführer diese Pfähle herausreißen und in falscher Richtung stecken lassen. Wer ihnen dann folgt, geräth immer tiefer in die Oede hinein, muß elend verhungern und verdursten, und ist er dann todt, so wird sein Leichnam von den feigen Räubern beraubt. (K. May: Waldröschen)

May bezeichnet die Llano-Geier als Stakemen ("Pfahlmänner") und den Llano (in Auf der See gefangen) auch als "Post-oak-flats", d. h. Eichenpfahlflächen.

Landschaftsbeschreibung

im Waldröschen

Im Osten von Neu-Mexico liegt eine weite Ebene, welche am Besten mit der Sahara zu vergleichen ist. Viele Tagereisen weit ist kein Baum, kein Strauch zu finden; kein Quell dringt aus dem Boden, um eine grüne Vegetation zu erzeugen. Nur der Cactus fristet ein einsames, farbloses trockenes Leben; er bildet Felder von ungeheurem Umfange; aber er wird ebenso vom Menschen, wie vom Thiere gemieden, denn seine Stachel sind gefährlich. Tritt sich ein Pferd einen solchen Stachel in den Huf, so ist es unrettbar verloren. Es beginnt zu hinken; der Huf schwillt; es tritt Brand dazu, und der einsame Reiter, seines treuen, schnellen Thieres beraubt, kann zu Fuße das Ende der Wüste nicht erreichen und muß elend verschmachten. Er fällt den Geiern zur Beute, welche hoch oben in der glühenden Luft ihre weiten Kreise ziehen, um mit scharfem Auge ihren Fraß zu suchen. [...]
Diese Wüste geht mit ihrem Westrande fast bis zum Rio Puercos, der ein Nebenfluß des Rio grande del Norte ist. (K. May: Waldröschen)

in den Jugend- und Reiseerzählungen

Zwischen Texas, Arizona, Neu-Mexiko und dem Indianer-Territorium, oder noch anders ausgedrückt, zwischen den Ausläufern des Ozarkgebirges, der untern und der obern Sierra Guadelupe und den Gualpabergen, rings eingefaßt von den Höhen, welche den obern Lauf des Rio Pecos und die Quellen des Red River, Sabine, Trinidad, Brazos und Colorado umgrenzen, liegt eine weite, furchtbare Strecke Landes, welche die 'Sahara der Vereinigten Staaten' genannt werden könnte. (K. May: Old Surehand I, 2. Kapitel; siehe auch 'Karte des Llano estakado')

Im Llano liegt die geheim gehaltene Oase von Bloody-Fox. Am Rande des Llano befindet sich "Helmers Home": Seine [Helmers] Besitzung lag am nördlichen Rande des Llano estacado [...].

Vorlage

Als Vorlage diente May möglicherweise das Buch The Lone Ranch: A Tale of the »Staked Plain« des Iren Captain Thomas Mayne Reid, veröffentlicht 1871 in London (siehe bei Literatur: Meredith McClain), das in einem Kapitel zudem die Beschreibung eines jungen Indianerhäuptlings enthält, die der späteren Winnetou-Figur Mays stark ähnelt.

Literatur

Anmerkungen

  1. Hartmut Kühne: Riggs, Marcy und Wheeler, die drei Surveyors. Karl May und der Gebrauch des 'Gatschet' in Winnetou I. In: M-KMG 164/2010, S. 15 f.

Weblinks