Richard Klagemann

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Christian Albert Richard Klagemann (* 1860; † ?) war Redakteur in Radebeul sowie ein Bekannter Karl Mays.

Richard Klagemann war mit Martha Johanne Auguste geb. Boeder (* 1862; † ?) verheiratet und hatte mit ihr eine Tochter.

Richard Klagemann und Karl May

erster Kontakt

Am 22. Juli 1898 schrieb Klagemann als Redakteur des Radebeuler Wochenblatts seinen frühesten bekannten Brief an Karl May, bei dem er sich nach einem Hausierer oder Kolporteur erkundigt, der May aufgesucht haben soll. Vermutlich reagierte Karl May darauf nicht.[1]

Klagemann als Unterstützer

Wohl im September 1904 schickt Karl May Richard Klagemann, der inzwischen Redakteur des Radebeuler Tageblatts ist, ein Exemplar von Max Dittrichs Broschüre Karl May und seine Schriften. Am 24. September dankte Klagemann dafür und versprach für Montag Abend[2] eine Rezension des Werks.[3]

Kurz darauf lud Karl May Richard Klagemann für den Abend des 27. September in die Villa "Shatterhand" ein. Der Redakteur bedankte sich an diesem Tag brieflich für die Einladung und bat May darum, ihn bereits am Nachmittag gegen 5 Uhr aufsuchen zu dürfen.[4]

In einem Brief vom 14. November bot Klagemann dem Schriftsteller seine Hilfe und die des Tageblatts im Streit mit Paul Schumann und dem Dresdner Anzeiger an:

Ich bin gern bereit, einen Artikel für Sie aufzunehmen, sobald Sie ihn mir zustellen, eventuell decke ich ihn mit meinem Namen.[5]

Genau eine Woche später kündigte Richard Klagemann Karl May eine Briefkasten-Notiz gegen Rudolf Lebius im Radebeuler Tageblatt an, die unter dem 22. November erschien und wohl auch an Lebius gesandt wurde.[6]

Am 24. November kündigte Klagemann May schriftlich seinen Besuch ausnahmsweise heute Abend 5 Uhr an.[7]

Karl May ließ am 30. November durch Richard Klagemann dem Schulvorstand von Radebeul eine Spende von 300 Mark zu Lehrmitteln für die Kinder armer Leute übergeben.[8]

Anfang Dezember schrieb May einen Brief an Klagemann und begann mit dem Verfassen einer Karl-May-Broschüre, die unter dem Namen des Redakteurs erscheinen sollte. Am 2. Dezember erklärte sich Richard Klagemann schriftlich bereit, die Herausgabe der Broschüre zu übernehmen. May sandte ihm daraufhin die Vorrede, die gleich gesetzt werden soll. Klagemann antwortete darauf am 3. Dezember und versprach, den Druck bis spätestens 15. XII. abgeschlossen zu haben. Am 5. bat er Karl May um weiteres Manuskript. Einen Tag später benachrichtigte er May über sein Konzept, das er den Leipziger Verlagen Friedrich Ludwig Herbig und Friedrich Wilhelm Grunow zusenden will, und kündigte an, ihm die Korrekturen zu senden. Karl Mays Frau Klara informierte Klagemann daraufhin im Auftrag ihres Mannes, dass das Werk nicht oder viel später erscheinen wird, da bereits ein Freund eine Artikelserie über das vorliegende Thema angekündigt hat. Außerdem bat Klara May um die Rechnung für die gemachten Ausgaben. Klagemann erklärte sich in seinem Brief vom 7. Dezember damit einverstanden und sandte zwei Tage später das Manuskript zurück.[9]

Am 21. Dezember 1904 fragte Richard Klagemann brieflich bei Karl May an, ob er ihn morgen Donnerstag Nachmittag nach 4 Uhr zu einer kurzen Aussprache aufsuchen dürfe. Vermutlich kam dieses Gespräch tatsächlich am 22. zustande, über dessen Inhalt nichts bekannt ist.[10]

Für ein am Heiligabend zugesandtes Präsent bedankte sich Klagemann am 27. Dezember schriftlich bei May.[11]

Einen weiteren Brief verfasste Richard Klagemann am 27. Januar 1905 als Antwort auf einen nicht bekanntes Schreiben Karl May. Er entschuldigte sich darin dafür, dass ohne sein Zutun mehrere Artikel des Radebeuler Schriftstellers E. Eiben unter dem Pseudonym "Ernst Roland" in das Radebeuler Tageblatt aufgenommen wurden. Einer dieser Artikel rief die Entgegnung Friedrich Bruno Weis' hervor, in der es heißt:

Empfiehlst du mir etwa für die letzte Schulzeit E. Eibens "Lebenswunder" oder "Karl May's kühne Streifzüge durch den Erdball und umliegende Ortschaften"?[12]

Am 15. Februar kündigte Klagemann May in einem Brief eine Rezension der Reiseerzählung Und Friede auf Erden! an, die im Radebeuler Tageblatt unter dem 16. Februar erschien. Der mit e. bezeichnete Verfasser war Richard Klagemann selbst. In der durchweg positiven Besprechung heißt es:

Die kürzlich von einer Seite aufgestellte Vermutung, Karl May hätte die Grundideen zu diesem Buche Tolstoi entlehnt, ist vollständig erfunden. Der Verfasser hat, wie Schreiber dieses erfuhr, Tolstoi noch nie gelesen.[13]

Wohl auf diese Rezension hin wendete sich E. Eiben an Klagemann, er wolle ihm eine Kritik nach theosophischer Auffassung schreiben. Der Redakteur lehnte das ab, wie er Karl May am 20. Februar in einem Brief berichtete.[14]

Für eine Einladung in die Villa "Shatterhand" dankte Richard Klagemann am 21. Februar und kündigte an, Karl May am Freitag Abend[15] zu besuchen, was vermutlich auch geschah.[16]

als Geschäftspartner

Im Frühjahr 1905 plante Richard Klagemann, das Radebeuler Tageblatt und die Druckerei Max Brummer in Radebeul zu kaufen. Er hatte dazu bereits den Kaufmann Johannes Flügel, Mitinhaber der Radebeuler Toilettenseifenfabrik Vier & Co., als Teilhaber mit 35.000 Mark gefunden. Am 11. Juni wendete er sich in einem Brief, dem er die Geschäftsübersicht und die letzte Bilanz beilegte, an Karl May, in dem er sich einen weiteren Teilhaber erhoffte:

Als ich Ihnen vor einigen Monaten von dem event[uellen] Geschäftskauf Kenntnis gab, schrieben Sie mir dankenswerter Weise sofort, daß Sie sich mit 10,000 M[ar]k an dem Unternehmen beteiligen würden. [...] Die Sache wird jetzt insofern eilig, als Herr Brummer auf jeden Fall zum 1. Juli d[ieses] J[ahres] verkaufen will [...][17]

Als von May darauf keine Antwort kam, erinnerte ihn Klagemann am 19. Juni daran und erhielt eine (nicht erhaltene) Einladung in die Villa "Shatterhand", die er am 23. Juni bestätigte. Die Besprechung fand am 24. Juni um 1/2 8 Uhr statt, eine weitere folgte am 3. Juli am gleichen Ort.[18]

Am 11. Juli kündigte Richard Klagemann Karl May eine Erholungstour an, auf die er sich nach Anordnung des Arztes vom 15. bis 25. Juli unternehmen will:

Ich möchte Sie höflichst bitten, mir mitzuteilen, ob Sie geneigt wären, mir zur Erholung einige hundert Mark (event[uell]) gegen Wechsel oder dergleichen zu leihen.

May war wohl "geneigt" und erhielt eine auf den 20. Juli datierte Ansichtskarte aus Zell am See.[19]

Nach seiner Reise meldete sich Klagemann am 5. August zurück, und bat darum, Karl May (eventuell mit Johannes Flügel) besuchen zu dürfen. Bald darauf verzichtete der Redakteur auf den oben beschriebenen Kauf zugunsten anderer Pläne und teilte dies May in einem nicht erhaltenen Brief mit. Klara May antwortete am 8. August darauf:

[...] hatte mein Mann die Absicht, heute zu Herrn F[lügel] zu gehen, um mit ihm Ihre Sache zu besprechen. Da kommt Ihr Brief, in dem Sie uns mittheilen, daß Sie vom Ankauf des Radeb[euler] T[ageblatts] absehen. [...] Wir hätten uns Ihnen zu Liebe an ein Aktienunternehmen in bezug auf das Tageblatt eingelassen, werden aber unter keiner Bedingung uns in andere Geschäftssachen verwickeln. Sie sind uns vor wie nach jederzeit lieb und angenehm [...][20]

May als Unterstützer

Am Sonntag, den 13. August 1905 wendete sich Richard Klagemann wiederum mit einer pekuniären Bitte an Karl May:

Ich will Ihnen gern alles wieder zurückgeben, sobald ich kann; aber helfen Sie mir, bitte, noch einmal. Sie hatten mir s[einer] Z[ei]t für die unterlassene Ausgabe der Broschüre volle Entschädigung versprochen, hoffe daher noch auf Erfüllung meiner bezw. unserer Bitte.

Zwei Tage später schrieb Klara May an Klagemann einen langen Brief, der teilweise von Karl May verfasst worden war. Darin heißt es:

Wir würden auch noch einmal bereit sein, Ihnen zu helfen, wenn wir könnten und wenn nicht ein Passus in Ihrem Brief uns – sagen wir gelinde – verletzt hätte. Glauben Sie, Herr Redakteur, daß wir Ihnen etwas schuldig sind? [...] Er [nämlich Karl May] hat nie Dank gehabt. Es war nie genug, was er gab. Wir haben das Beispiel hier auch bei Ihnen. Ihre Gattin sagte mir, es handle sich um mehrere 100 Mark. Ja mein Gott, Herr Redakteur, was denken Sie denn, wo wirs hernehmen sollen? [...] Nun noch der Vorwurf, mein Mann hätte Sie entschädigen wollen für die Brochure, die Sie nicht geschrieben haben. [...] Ein Mann von Ihrer Vielseitigkeit geht nicht unter, wenn er nicht will. Leute wie Sie, sind überall zu gebrauchen, wenn es auch nicht hier in Radebeul ist. [...] Wir wollen Sie nicht drücken, wollen aber auch nicht als Brunnen betrachtet werden, der immerwährend zu fließen hat. [...] Wissen Sie, was Sie über die Andern gesagt haben, die nichts als Geld von uns verlangen? Es giebt besseres als Geld, und das war es, was mein Mann für Sie bestimmt hatte. Nun machen Sie es grad so, wie die Andern.[21]

Im Herbst 1905 war Richard Klagemann ohne Festanstellung in Leipzig, von wo aus er Klara May am 29. September um die Verlängerung seines Wechsels bat.[22]

Am 8. Oktober war Klagemann wieder in Radebeul und meldete sich bei Klara May für eine Aussprache in der Villa "Shatterhand" an, die vermutlich am dienstag Vormittag 11 Uhr statt fand.[23]

Im Dezember war Richard Klagemann Vertreter der Dresdner Zeitung und Redakteur der Lößnitz-Beilage. Klara May abonnierte diese Zeitung, wofür sich Klagemann am 19. Dezember bedankte und schrieb:

Ich bin froh, wieder festen Fuß gefaßt zu haben, und hoffe ich, daß es mir allmählich wieder etwas besser gehen wird.[24]

Am ersten Weihnachtsfeiertag dankte Richard Klagemann brieflich Karl und Klara May für ein Paket mit Briefchen bei der Christbescherung:

Die Ueberraschung für mich war umso größer dadurch, daß ich glaubte, bei Ihnen in gewissem Sinne längst in Vergessenheit geraten zu sein.[25]

Eine Bitte um Hilfe enthält das letzte bekannte Schreiben Richard Klagemanns an Karl May vom 7. März 1906:

Infolge erheblicher technischer Umständlichkeiten etc. hat die Geschäftsführung der "Dresdner Zeitung" unerwartet schnell die von mir redigierte Lößnitzbeilage wieder eingehen lassen, womit leider auch ich meine Tätigkeit einstellen mußte und nun zum zweiten Male innerhalb eines Jahres stellungslos bin [...] Es muß mir daran liegen, so schnell wie möglich eine [...] Tätigkeit, gleich welcher Art, zu erlangen, und bitte daher auch Sie höfl[ichst], falls Ihnen irgend eine Stellung oder Beschäftigung für mich bekannt werden sollte, mir hiervon gef[ä]l[ligst] Kenntnis zu geben [...][26]

Eine Antwort Mays darauf ist nicht bekannt.

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 155.
  2. Gemeint ist der 26. September.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 388.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 390.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 420.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 425.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 426.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 429 f.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 429-435.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 439.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 443.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 455 f.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 461 f.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 462 f.
  15. Gemeint ist der 24. Februar.
  16. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 464 f.
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 509.
  18. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 511 f.
  19. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 517 f.
  20. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 524 f.
  21. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 525-528.
  22. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 546.
  23. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 550.
  24. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 570.
  25. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 573.
  26. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 20.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.