Hermann Klencke-Mannhart

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Hermann Klencke-Mannhart (r.)

Dr. med. Julius Hermann Klencke-Mannhart, auch Klencke oder Klenke (* 1852; † 29. November 1904 in Dresden), war ein Naturarzt und Philosoph sowie der Leiter der Naturheilanstalt Kurberg in Wachwitz bei (heute Stadtteil von) Dresden.

Leben und Werk

1880 gründete Hermann Klencke eine Praxis in Dresden mit dem Namen "Klinik für reformierte Medizin".

1896 erwarb er in Wachwitz ein Areal von ca. 100.000 m², wo er ein Heilbad mit etwa 30 Betten, Lufthütten und Wasserbecken aufbaute. Dort behandelte er u. a. den bekannten Bildhauer und Zeichner Ernst Barlach, dessen väterlicher Freund er wurde.

Nach Dr. Klencke-Mannharts Tod wurde die Anstalt noch im Jahre 1904 verkauft.

Hermann Klencke-Mannhart und Karl May

Am 10. Juni 1904 sandte Max Dittrich seinem Freund Karl May eine Postkarte von seiner Kur in Dr. Klenckes Anstalt, der er sich auf Grund seines Nervenleidens unterzog. Später lieferte Hermann Klencke-Mannhart ein Motto für Dittrichs Broschüre Karl May und seine Schriften, die im September 1904 erschien:

Wir gleichen bleiernen Soldaten,
Genau gerichtet nach der Schnur,
Wagt einer es mit Worten, Taten
Sich aus dem Glied: "O seht den Narren nur!"
Und Haß und Hohn wird ihm geboten,
Bis einst vielleicht wird aufgestellt
Ein Standbild "dem verehrten Toten":
Zum Vorbild der gesamten Welt!

Dieses Gedicht stammt eigentlich von Pierre Jean de Béranger (* 1780; † 1857) in der deutschen Fassung von Adelbert von Chamisso.[1]

Karl May und seine zweite Frau Klara begleiteten die leidende Lilly Schneider am 3. Juli zu Hermann Klencke-Mannhart auf den Kurberg, wo sie sich von Ischias, Nervenzerrüttung und Hysterieanfällen erholen wollte. Wahrscheinlich trafen sie dort neben dem Anstaltsleiter auch Max Dittrich.[2]

Am 8. August erschien in Rudolf Lebius' Dresdner Zeitschrift Sachsenstimme Max Dittrichs Aufsatz General August Portius sowie eine Annonce Dr. Klenckes.[3] In einem Brief gleichen Datums schrieb Lebius an May:

Ueber den Kurberg Dr. Klenkes bringe ich in nächster Nummer einen Artikel.[4]

Dieser erschien tatsächlich am 14. August unter dem Titel Eine Heilstätte vor den Toren Dresdens ohne Verfasserangabe. Darin wird Wachwitz – im Gegensatz zum Weißen Hirsch (heute auch zu Dresden) – ein Kurort für die Mittelklasse genannt.[5]

Hermann Klencke-Mannhart veranstaltete in seinem Sanatorium verschiedene Konzerte. Karl Mays Freund und Deckelbildzeichner Sascha Schneider, der Bruder Lillys, schrieb am 24. August an Klara May, die ihn vermutlich zu einem solchen Konzert eingeladen hatte:

Ihre freundl[iche] Aufforderung zum Klenke-Concert fand ich erst gestern spät in der Nacht [...] So ex abrupto[6] war es mir ganz unmöglich zu kommen [...][7]

Am 27. August kündigte Lebius Max Dittrich, dem er Honorar schuldig war, brieflich an:

Meine Frau kommt am 1. September zu Herrn Dr. Klenke, einen kleinen Betrag[8] zu kassieren. Bei dieser Gelegenheit gibt sie Ihnen Ihr Honorar.[9]

In einem Brief vom 27./28. August berichtete Max Dittrich Klara May über Lilly Schneider:

[...] mit Dr. K[lencke] wird nichts werden. Er sagt, sie sei hochgradig hysterisch.[10]

Da Rudolf Lebius Dittrich das Honorar weiterhin schuldig geblieben war, mahnte dieser, worauf Lebius am 3. September antwortete:

Ich habe Herrn Dr. med. Klenke ersucht, Ihnen 40 M[ar]k zu meinen Lasten gutzuschreiben.

In seiner Autobiographie Mein Leben und Streben kommentierte Karl May diese Bemerkung, wie folgt:

Diesem Dr. Klenke fiel es aber auch nicht ein, die Schulden des Herrn Lebius zu bezahlen.[11]

Sascha Schneider schrieb am 6. September an May:

Eben höre ich von meiner Schwester, daß morgen Dr. Klenke und M. Dittrich zu Ihnen hinkommen würden. Da ich heute mit "Kurdistan" fertig werde, benütze ich die Gelegenheit, mich ebenfalls für morgen anzumelden [...][12]

Vermutlich fand der Besuch der drei Herren in Mays Radebeuler Villa "Shatterhand" tatsächlich statt.[13]

Weitere Begegnungen oder Kontakte Karl Mays zu Hermann Klencke-Mannhart sind nicht bekannt. Am 29. November 1904 verstarb der Arzt und Philosoph in Dresden. Sein Grabmal auf dem Dresden-Tolkewitzer Johannisfriedhof wurde später von Selmar Werner entworfen.[14]

Am 5. Dezember schrieb Sascha Schneider an Karl May:

Der Tod unseres guten Dr. Klenke ist mir nahe gegangen, ich wollte ihm noch in diesen Tagen einige anerkennende Worte über sein Werk schreiben, es hätte ihm vielleicht Freude gemacht.[15]

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 348.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 357.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 368.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 369.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 370.
  6. Lateinisch: unvermutet.
  7. Steinmetz/Vollmer (Hrsg.): Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 107.
  8. Vermutlich für die oben genannte Annonce.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 372.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 373.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 375.
  12. Steinmetz/Vollmer (Hrsg.): Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 110.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 376.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 429.
  15. Steinmetz/Vollmer (Hrsg.): Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 124.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks