Familie Vitali

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Lieschen und Julie Vitali
Bildunterschrift von Julie Vitali:
Beim Geburtstag unsers Doctor May
Bin ich und mein Lischen auch dabei

Julie Vitali und ihre Tochter Elisabeth "Elise/Li(e)schen" Vitali waren Leserinnen Karl Mays aus Warschau.

Karl May und die Vitalis

Nachdem Karl Mays erste Frau Emma einen Monat lang an einer schweren Erkältung gelitten hatte, erhielt sie im September 1896 eine vierwöchige Kur in Friedrich Eduard Bilz' Naturheilanstalt "Schloss Lößnitz" in Oberlößnitz (heute zu Radebeul). Dort lernte sie die hochgebildete Russin Julie Vitali kennen. In der folgenden Zeit besuchte Frau Vitali in Begleitung ihrer Tochter "Lieschen" die Mays in der Villa "Shatterhand" einige Male mehrere Wochen lang.[1]

Am 17. August 1897 schrieb Karl May auf Seidenpapier das Gedicht In Warschau sind die Leute edel, / Am alleredelsten Herr Wedel, mit dem er sie zu sich einlud. In der Karl-May-Chronik II schrieben Dieter Sudhoff und Hans-Dieter Steinmetz dazu:

Die Beziehung Julie Vitalis zur Familie Wedel [...] ist ebenso unklar wie die zu einer Frau Krusche. Gruppenfotos dokumentieren einen Besuch der Warschauerinnen Frau Wedel und Frau Krusche (mit Schwester und Tochter) in Radebeul [...][2]

Als Karl Mays Ehe mit Emma in die Brüche gegangen war und er die Scheidung eingereicht hatte, schrieb Julie Vitali am 8. Januar 1903 an die mit beiden befreundete Witwe Klara Plöhn, die bald darauf Mays zweite Frau werden sollte, einen langen Brief:

Nach allem dem was ich erfahren konnte der Doctor nicht anders handeln, und wenn sie, nämlich Emmy, nur dies eine verbrochen hätte, indem sie dem Manne, der sie zu sich emporheben wollte, den Tod wünschte, so wäre dies schon genug um unwürdig zu sein in Gemeinschaft mit ihm weiter zu leben, wenn er sie abschüttelt, so kann ich nicht anders als ihm Recht geben. – Jeder, der den Doctor und seine Frau kennen lernte frug sich: Wie kommt solch ein Mann wie dieser zu solch einer Frau, die nie an sein Verständniss herankommt! Auch ich legte mir seiner Zeit diese Frage vor, machte mir aber dann Gewissensbisse darüber, denn ich glaubte Frau Emmy doch zu wenig zu kennen um mir ein derartiges Urtheil zu erlauben, und dann dachte ich auch in meinem Herzen, wenn ich der Frau Emma nur eins zu danken hätte, nämlich dass ich durch sie, meine einzig dastehende Frau Plöhn kennen gelernt, und dadurch meinem, an Genüssen so armem Leben, eine köstliche Erinnerung und ein Bewusstsein der uneigennützigsten Freundschaft gegeben zu haben, so wäre schon dieses der Dankbarkeit werth. Und so kann ich nicht anders, so sehr ich das Treiben und die Gesinnung dieser Frau verabscheue, so sehr eben so sehr thut es mir leid um sie, wie um eine Gefallene. Eins an ihrer Stelle würde ich nur thun, zu dem Manne gehen, dessen Güte ich so schnöde gelohnt, und ihn um die Huld anflehen seine Kniee umfassen zu dürfen, und seine Verzeihung anzuflehen, selbst mich für unwürdig erklären ihm ferner anzugehören, und es als die allergerechteste Strafe annehmen, daß ich von ihm gerichtlich geschieden würde, alles was ihm gehört abgeben, mir meinen ferneren Unterhalt mit meiner Hände Arbeit verdienen, und an die Zeit des Glückes als Unwürdige zurückdenken! – Kann sie dies thun, dann ist der Anfang zur Sühne gemacht und ihr ferneres Leben müsste dann überhaupt nur Sühne sein. Sie meine arme gefolterte Frau, Sie können nicht anders als auf Seite der gerechten Sache sein sogar wenn es möglich wäre dass man Sie verläumden sollte so könnten Sie den Doctor nicht verlassen, denn sonst wird er erliegen.[3]

Der letzte bekannte Kontakt der Vitalis zu Karl May ist die Sendung eines Porträtfotos von Elisabeth am 12. April 1904 als Dank für die Blumen aus dem heiligen Lande.[4]

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 535.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 78 f.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 172 f.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 331.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.