Wenn um die Berge von Befour (Gedicht)

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Das Gedicht Wenn um die Berge von Befour taucht im Werk Karl Mays an verschiedenen Stellen auf und wurde verschiedenen Dichtern zugeschrieben, bevor es doch als May-Text geoutet wurde.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Fassungen sind (im Gegensatz zum Weihnachtsgedicht, das ja im Werk quasi erst nach und nach entsteht) unbedeutend und möglicherweise nicht May zuzuordnen.

Text

Wenn um die Berge von Befour
Des Abends erste Schatten wallen
Dann tritt die Mutter der Natur
Hervor aus unterird'schen Hallen
Und ihres Diadems Azur
Erglänzt von funkelnden Kristallen.


In ihren dunklen Locken blühn
Der Erde düftereiche Lieder;
Aus ungemess'nen Fernen glühn
Des Kreuzes Funken auf sie nieder,
Und traumbewegte Wogen sprühn
Der Sterne goldne Opfer wieder.


Doch bricht der junge Tag heran,
Die Tausendäugige zu finden,
Läßt sie ihr leuchtendes Gespann
Sich durch purpurne Thore winden,
Sein Angesicht zu schaun,
und dann Im fernen Westen zu verschwinden



Wenn um die Berge von Befour
Des Abends dunkle Schatten wallen,
Dann tritt die Mutter der Natur
Hervor aus unterird'schen Hallen,
Und lässt auf die versengte Flur
Des Taues stille Perlen fallen.


Des Himmels Seraph flieht, verhüllt
Von Wolken, die sich rastlos jagen;
Die Erde lässt, von Schmerz erfüllt,
Den Blumen bittre Tränen tragen,
Und um verborg'ne Klippen brüllt
Die Brandung ihre wilden Klagen.


Da bricht des Morgens glühend Herz:
Er lässt den jungen Tag erscheinen,
Der küsst den diamant'nen Schmerz
Von tropfenden Karfunkelsteinen
Und trägt ihn liebend himmelwärts,
Im Äther dort sich auszuweinen!

im Werk

Karl May lässt das Gedicht im Briefkasten der von ihm betreuten Zeitschrift Schacht und Hütte erscheinen, verwendet es in der 3. Abtheilung, bezeichnenderweise im Kapitel Im Dunkel der Vorzeit, des Buchs der Liebe und gibt sogar noch eine Deutung dazu, legt es in Scepter und Hammer Katombo, dem, wie dieser selbst, zitierend, sagt, besten Dichter seines Volkes, als geniale Improvisation auf vorgegebenes Material in den Mund, der Fürst von Befour im Verlorenen Sohn lobt die Verse, die diesmal aus der Feder eines Hadschi Omanah stammen, als unerreichbar (und der Verfasser, Robert Bertram, sei ein Genie), und schließlich, im lange unveröffentlichten Text In der Heimath, bekennt der Ich-Erzähler sich selbst als Verfasser, dem die Ehre der Vertonung seines Opus widerfährt.

Nur im Verlornen Sohn hat das Gedicht den Titel Die Nacht der Tropen.

1904 wurde dieses Gedicht von Adalbert Fischer in den Sammelband Sonnenstrahlen aus Karl Mays Volksromanen aufgenommen.

Sonstiges

In Allerlei von Karl May berichtet Marie Hannes:

... Und er rezitierte ein längeres formvollendetes Gedicht, was die Reize Indiens in glühenden Farben beschrieb und mir sehr gefiel - [...] - Onkel Karl fragte jetzt nun, 'wie gefällt Dir?' 'Es ist wunderschön', sagte ich mit Überzeugung. 'Nein', rief nun Onkel Karl mit starker Stimme aus, daß ich zusammenschrak - 'es ist nicht schön - schlecht ist es, ganz schlecht. Denn sieh - in diesem Gedichte habe ich - wenn auch halb unwillkürlich - zuviel Wert auf Sprache gelegt, auf die fremde exotische Form, es ist mit Indienismen gespickt, die imponieren sollen und den inneren Wert des Gedichts töten ...[1]

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Steinmetz/Sudhoff: Marie Hannes. Leben im Schatten des Lichts, S. 114.

Literatur