Hans Weber

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Hans Weber (* 1874; † ?) war Redakteur beim Berliner Vorwärts, dem Zentralorgan der SPD.

Hans Weber, Rudolf Lebius und Klara May

Am 8. November 1907 erschien im Vorwärts ein Artikel mit der Überschrift 100.000 Arbeiter – 641/2 Millionen Mark Reingewinn, den Rudolf Lebius am 23. November in seinem Blatt Der Bund als Beispiel bewußter Fälschung [...] des roten Hetzblattes darstellte. Die Antwort darauf erschien im Vorwärts vom 27. November unter dem Titel Ein gelber Volkswirtschaftler. Darin heißt es,

Lebius verstehe von der Nationalökonomie so viel wie der Ochse vom Sonntag.

Daraufhin reichte Lebius gegen Hans Weber als verantwortlichen Redakteur Privatklage wegen Beleidigung ein.[1]

Die Klage wurde am 4. November 1908 vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verhandelt. Ein Wahrheitsbeweis der Verteidigung für die Unehrenhaftigkeit Lebius' wurde vom Gericht abgelehnt und der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 80 Mark verurteilt. Hans Weber legte dagegen Berufung ein.[2]

Die Berufungsverhandlung fand am 12. Januar 1909 vor der 8. Strafkammer des Berliner Landgerichts I statt. Das Gericht bestätigte grundsätzlich das erstinstanzliche Urteil, setzte aber die Geldstrafe auf 30 Mark herunter und erklärte die Beweisanträge für zulässig. Hans Webers Anwalt Kurt Rosenfeld legte dennoch erneut Berufung ein.[3]

Am 12. März legte Rosenfeld dem 2. Strafsenat des Berliner Kammergerichts als Wahrheitsbeweis für Rudolf Lebius' Unehrenhaftigkeit die Zeugenaussage von Karl Mays Ehefrau Klara May vor. Darin heißt es, Lebius Frau Marle habe sie zu einer Falschaussage überreden wollen. Das Urteil vom 12. Januar wurde vom Gericht aufgehoben und die Sache an das Landgericht zurückgewiesen. Rudolf Lebius zeigte danach Klara May – erfolglos – wegen Betrugs und Meineids bei der Staatsanwaltschaft an.[4]

In Lebius' Zeitschrift Der Bund erschien außerdem am 28. März 1909 der anonyme Artikel Ein spiritistisches Schreibmedium als Hauptzeuge der "Vorwärts"-Redaktion. Damit sollte Klara May als Zeugin in den Prozessen gegen Carl Wermuth und Hans Weber unglaubwürdig gemacht werden.[5] In der folgenden Zeit wurde dieser Artikel vielfach in deutschen Blättern zitiert oder nachgedruckt. Ein weiterer Bund-Artikel im Zusammenhang mit Lebius' Klage erschien am 29. August unter dem Titel Genosse Rosenfeld und zielte auf Kurt Rosenfeld, den Rechtsvertreter Wermuths und Webers.[6]

Am Sonntag, 24. Oktober 1909 erklärte Rudolf Lebius in seinem im Bund erschienenen Artikel Dahsel, Rosenfeld und Co., dass er alle von ihm eingereichten Klagen gegen den Vorwärts zurückzieht, darunter auch die Beleidigungsklage gegen Hans Weber. In seinem Buch Die Zeugen Karl May und Klara May schrieb Lebius dazu:

Ueber ein Dutzend Beleidigungsklagen führte ich gegen soz[ial]dem[okratische] Zeitungen. Und alle diese Prozesse wurden systematisch unter dem Vorwande verschleppt, daß man wegen des Strafmaßes ermitteln müsse, ob ich (der Kläger) ein Ehrenmann sei. Stets marschierten dann als Belastungszeugen Karl May, Klara May und Dittrich auf. Jeder Termin brachte spaltenlange beleidigende Prozeßberichte in den soz[ial]dem[okratischen] Blättern. Man wird es verstehen, daß ich unter solchen Umständen die Klagen zurückzog.[7]

Anmerkungen

  1. Seul: Old Shatterhand vor Gericht, S. 435.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 452.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 488.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 504 f., 567.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 510 f.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 556.
  7. Lebius: Die Zeugen, S. 276.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.