William Ohlert

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William Ohlert
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Der Scout/Winnetou II

Handschrift des Gedichtes Die fürchterlichste Nacht

Karl May schildert William Ohlert als den einzigen Sohn eines deutschstämmigen Bankiers. Seine Mutter ist bereits verstorben.

im Buch

[Er ist] fünfundzwanzig Jahre alt und unverheiratet [...] mehr träumerisch als thatkräftig angelegt, hatte sich mehr mit wissenschaftlichen, schöngeistigen und Büchern metaphysischen Inhaltes als mit dem Hauptbuch beschäftigt und sich nicht nur für einen bedeutenden Gelehrten, sondern sogar für einen Dichter gehalten.[1]

Mehr künstlerisch als praktisch veranlagt, lässt William einige Gedichte herausgeben. Sie erschienen in deutschsprachigen Zeitschriften in New York. Um ein Theaterstück zu schreiben, das einen seelisch kranken Dichter als Hauptfigur hat, fängt William an, Bücher über Wahnsinn zu lesen. Es entwickelt sich eine Veränderung in Williams Persönlichkeit. Er beginnt zu denken und zu handeln wie ein verrückter Dichter. William verfasst das Gedicht Die fürchterlichste Nacht:

[...] den Entsetzensschrei eines begabten Menschen, welcher vergebens gegen die finstern Gewalten des Wahnsinns ankämpft und fühlt, daß er ihnen rettungslos verfallen müsse.[2]

Zu diesem Zeitpunkt hat William sein Zuhause verlassen, begleitet von Gibson, einem vorgeblichen Irrenarzt, dessen Absicht es ist, in den Besitz seines Geldes zu gelangen.

Am Anfang seiner Reise war William Ohlert in der Lage, sein Gedicht Die fürchterlichste Nacht zur Redaktion einer Zeitung zu bringen und für seine Veröffentlichung zu bezahlen. Er holte unterwegs auch Geld bei einer Bank. Später ist er völlig willenlos.

Der Ich-Erzähler (in der späteren Winnetou II-Buchausgabe Old Shatterhand) ist angestellter Detektiv und folgt der Spur bis nach New Orleans. Er holt William Ohlert in Mexiko ein. William erhält einen Schlag auf den Kopf, der Ich-Erzähler bringt ihn zu Pater Benito in Chihuahua, der ihn völlig von seinem Wahnsinn heilt. Jedoch leidet William an Amnesie. Er kann sich nicht mehr an die Zeit der Flucht bis zu dem Schlag auf seinen Kopf erinnern. Am Ende kommt Williams Vater nach Mexiko, um seinen Sohn nach Hause zu holen.

Beschreibungen

Es gibt mehrere Beschreibungen von William Ohlert in der Geschichte durch verschiedene Beobachter: Die Besitzerin einer Pension, der Ohlert in Erinnerung blieb:

"[...] Dieser Herr hat den Eindruck eines fein gebildeten Mannes, eines wahrhaften Gentleman auf mich gemacht. Leider sprach er nicht viel und verkehrte mit Niemanden. Er ist nur ein einziges Mal ausgegangen, jedenfalls als er Ihnen das Gedicht brachte."[3]

Old Death:

"[...] Schade um den Gefährten (Ohlert), mit welchem er reiste! Schien ein veritabler Gentleman zu sein, nur immer traurig und düster; starrte stets wie ein geistig Gestörter vor sich hin."[4]

Gespräch zwischen Old Death und dem Ich-Erzähler:

"[...] Ist dieser William Ohlert denn vollständig wahnsinnig?"
"Nein. Ich verstehe mich zwar nicht auf Geisteskrankheiten, möchte hier aber doch nur von einer Monomanie reden, weil er, abgesehen von einem Punkte, vollständig Herr seiner geistigen Tätigkeiten ist."
"Um so unbegreiflicher ist es mir, daß er diesem Gibson einen so unbeschränkten Einfluß auf sich einräumt. Er scheint diesem Menschen in allem zu folgen und zu gehorchen. Jedenfalls geht dieser schlau auf die Monomanie des Kranken ein und bedient sich derselben zu seinen Zwecken. [...]"
[...]
"[...] Ohlert weiß vielleicht gar nicht, daß er verfolgt wird, daß er sich auf Irrwegen befindet. Er ist wohl in dem guten Glauben, ganz recht zu handeln, lebt nur für seine Idee, und das andere ist Gibsons Sache. Der Irre hat es nicht für unklug gehalten, Austin als Ziel seiner Reise anzugeben. [...]"[5]

Später erzählt ein deutscher Schmied (Mr. Lange) seine Begegnung mit Ohlert:

"[...] der andere ist Master Ohlert, welcher mich in eine nicht geringe Verlegenheit brachte. Er fragte mich immerfort nach Gentlemen, die ich in meinem Leben noch nicht gesehen hatte, so z.B. nach einem Nigger, Namens Othello, nach einer jungen Miß aus Orleans, Johanna mit Namen, welche erst Schafe weidete und dann mit dem König in den Krieg zog, nach einem gewissen Master Fridolin, welcher einen Gang nach dem Eisenhammer gemacht haben soll, nach einer unglücklichen Lady Maria Stuart, der sie in England den Kopf abgeschlagen haben, nach einer Glocke, die ein Lied von Schiller gesungen haben soll, auch nach einem sehr poetischen Sir, Namens Ludwig Uhland, welcher zwei Sänger verflucht hat, wofür ihm irgend eine Königin die Rose von ihrer Brust herunterwarf. Er freute sich, einen Deutschen in mir zu finden, und brachte eine Menge Namen, Gedichte und Theaterhistorien zum Vorscheine, von denen ich mir nur das gemerkt habe, was ich soeben sagte. Das ging mir alles wie ein Mühlenrad im Kopf herum. Dieser Master Ohlert schien ein ganz braver und ungefährlicher Mensch zu sein, aber ich möchte wetten, daß er einen kleinen Klapps hatte. Und endlich zog er ein Blatt mit einer Reimerei hervor, welche er mir vorlas. Es war da die Rede von einer schrecklichen Nacht, welche zweimal hintereinander einen Morgen, aber das drittemal keinen Morgen hatte. Es kamen da vor das Regenwetter, die Sterne, der Nebel, die Ewigkeit, das Blut in den Adern, ein Geist, der nach Erlösung brüllt, ein Teufel im Gehirn und einige Dutzend Schlangen in der Seele, kurz, lauter konfuses Zeug, was gar nicht möglich ist und auch gar nicht zusammenpaßt. Ich wußte wirklich nicht, ob ich lachen oder ob ich weinen sollte."[6]

Der Ich-Erzähler will herausfinden, welchen Vorwand der Verbrecher Gibson verwendete, um William Ohlert mitzunehmen:

Dieser Vorwand mußte für den Geisteskranken ein sehr verlockender sein und mit dessen fixer Idee, eine Tragödie über einen wahnsinnigen Dichter schreiben zu müssen, in naher Verbindung stehen. Vielleicht hatte Ohlert sich auch darüber gegen den Schmied ausgesprochen. Darum fragte ich den letzteren:
"Welcher Sprache bediente sich dieser junge Mann während des Gespräches mit Euch?"
"Er redete Deutsch und sprach sehr viel von einem Trauerspiel, das er schreiben wollte, es sei aber nötig, daß er alles das, was in jenem enthalten sein solle, auch selbst vorher erlebe."
"Das ist ja gar nicht zu glauben!"
"Nicht? Da bin ich ganz anderer Meinung, Sir! Die Verrücktheit besteht ja grad darin, Dinge zu unternehmen, die einem vernünftigen Menschen gar nicht in den Sinn kommen. Jedes dritte Wort war eine Sennorita Felisa Perilla, die er mit Hilfe seines Freundes entführen müsse."
"Das ist ja wirklich Wahnsinn, der reine Wahnsinn! Wenn dieser Mann die Gestalten und Begebenheiten seines Trauerspiels in die Wirklichkeit überträgt, so muß man das unbedingt zu verhindern suchen. [...]"[7]

Es gibt eine interessante Bemerkung über William Ohlert, die Old Death von Senor Cortesio hört:

"[...] Jetzt kehrt er [nämlich Gibson] mit einem Yankee zurück, welcher Mexico kennen lernen will und ihn gebeten hat, ihn in das Reich der Dichtkunst einzuführen. Sie wollen in der Hauptstadt ein Theater bauen."[8]

In seiner Autobiographie schreibt Karl May:

Nun da es so stand, handelte es sich für mich darum, nicht erst seitwärts abzuschweifen, sondern gleich jetzt und für immer in den Weg einzubiegen, an dessen anderm Ende die Ideale lagen, die ich seit meiner Knabenzeit im tiefsten Herzen trug. Schriftsteller werden, Dichter werden! Lernen, lernen, lernen! [...] Die Welt als Bühne kennen lernen, und die Menschheit, die sich auf ihr bewegt! Und am Schlusse dieses schweren, arbeitsreichen Lebens für die andere Bühne schreiben, für das Theater, [...] Für das Theater schreiben! Dramen schreiben![9]

William Ohlert wird während der Reise sehr verschlossen:

"Haben Gibson und William Ohlert von ihren Verhältnissen und Plänen gesprochen?"
"Kein Wort. Der Erstere war sehr lustig und der Letztere sehr schweigsam. [...]"[10]

Gegen Ende der Reise verfällt William Ohlert körperlich und geistig fast bis in einen katatonischen Zustand:

Gibson und William Ohlert saßen ebenfalls in der Runde. Der letztere sah außerordentlich leidend und verkommen aus. Seine Kleidung war zerrissen und sein Haar verwildert. Die Wangen waren eingefallen, und die Augen lagen tief in ihren Höhlen. Er schien weder zu sehen noch zu hören, was um ihn vorging, hatte einen Bleistift in der Hand und ein Blatt Papier auf dem Knie liegen und stierte in einem fort auf dasselbe nieder. Mit ihm hatte ich zunächst nichts zu tun. Er war willenlos.
[...]
Er [nämlich Gibson] deutete [...] auf William Ohlert.
"Der? Ein Zeuge gegen mich?" fragte Gibson. "Das ist wieder ein Beweis, daß ihr mich verkennt. Fragt ihn doch einmal!"
Ich legte William die Hand auf die Schulter und nannte seinen Namen. Er erhob langsam den Kopf, stierte mich verständnislos an und sagte nichts.
"Master Ohlert, Sir William, hört Ihr mich nicht?" wiederholte ich. "Euer Vater sendet mich zu Euch."
Sein leerer Blick blieb an meinem Gesichte haften, aber er sprach kein Wort. Da fuhr Gibson ihn in drohendem Tone an:
"Deinen Namen wollen wir hören. Nenne ihn sofort."
Der Gefragte wendete den Kopf nach dem Sprecher und antwortete halblaut in ängstlichem Tone wie ein eingeschüchtertes Kind:
"Ich heiße Guillelmo."
"Was bist du?"
"Dichter."
Ich fragte weiter:
"Heißest du Ohlert? Bist du aus New York? Hast du einen Vater?"
Aber alle Fragen verneinte er, ohne sich im mindesten zu besinnen.[11]

im Hörspiel

auf der Bühne

In der Frei-nach-May-Inszenierung Winnetou und der Scout (1996 in Bad Segeberg) ist William Ohlsen ein verträumter junger Mann, der sich ursprünglich aus Abenteuerlust und Naivität einer Verbrecherbande angeschlossen hat und nun von seiner Schwester gesucht wird. Er gerät dort in Gefahr und muss von den Helden gerettet werden. Die Rolle spielte Titus Fischer-Fels. Sehr ähnlich war die Interpretation 2011 in Dasing. In einer neuen Fassung 2012 in Bad Segeberg war William ein normaler junger Mann, der von Gibson mit Drogen verwirrt und gefügig gemacht wurde. Er machte ihn glaubend, seinen eigenen Vater im Streit erschossen zu haben. Bankier Ohlert billigte Williams Beziehung zur Ex-Sklavin Milly nicht.

Anmerkungen

  1. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51100 (vgl. KMW-IV.13, S. 18).
  2. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51127 (vgl. KMW-IV.13, S. 36).
  3. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51130 (vgl. KMW-IV.13, S. 37).
  4. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51149 (vgl. KMW-IV.13, S. 50).
  5. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51152 (vgl. KMW-IV.13, S. 52).
  6. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51222 f. (vgl. KMW-IV.13, S. 98 f.).
  7. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51224 f. (vgl. KMW-IV.13, S. 99 f.).
  8. Karl May: Der Scout. In: Karl Mays Werke, S. 62574 (vgl. KMW-IV.27-199:22, S. 346).
  9. Karl May: Mein Leben und Streben. In: Karl Mays Werke, S. 70766 und 70817 (vgl. KMW-VI.3, S. 110 f. und 150).
  10. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51392 (vgl. KMW-IV.13, S. 208).
  11. Karl May: Winnetou II. In: Karl Mays Werke, S. 51456 und 51458 f. (vgl. KMW-IV.13, S. 249 f. und 251 f.).

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.