Old Death

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Old Death
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Der Scout/Winnetou II

Old Death (indianisch: Koscha-pehve) heißt eigentlich Henry Harton[1] und ist ein berühmter Scout und Westmann. Seine Mutter war eine Deutsche und er hat einen Bruder namens Fred Harton.

im Roman[Bearbeiten]

Er, Old Death nämlich, war sehr, sehr lang, und seine weit nach vorn gebeugte Gestalt schien wirklich nur aus Haut und Knochen zu bestehen. Die ledernen Hosen schwappten ihm nur so um die Beine. Das ebenfalls lederne Jagdhemde war mit der Zeit so zusammen- und eingeschrumpft, daß ihm die Aermel nicht viel über den halben Vorderarm reichten. An diesem Letzteren konnte man die beiden Knochen, Elle und Speiche, so deutlich wie bei einem Gerippe unterscheiden. Auch die Hände waren ganz diejenigen eines Skelettes.
Aus dem Jagdhemde ragte ein langer, langer Todtenhals hervor, in dessen Haut der Kehlkopf wie in einem Ledersäckchen herniederhing. Und nun erst der Kopf! Er schien nicht fünf Loth Fleisch zu enthalten. Die Augen lagen tief in ihren Höhlen, und auf dem Schädel gab es nicht ein einziges Haar. Die schrecklich eingefallenen Wangen, die scharfen Kinnladen, die weit hervortretenden Backenknochen, die zurückgefallene Stumpfnase mit den weiten, aufgerichteten Löchern - wahrhaftig, es war ein Todtenkopf, über den man sich entsetzen konnte, wenn man ihn unerwartet zu Gesicht bekam. Der Anblick dieses Kopfes wirkte wahrhaftig auch auf meine Nase: ich glaubte, die Dünste der Verwesung, den Odeur von Schwefelwasserstoff und Ammoniak zu riechen. Es konnte Einem dabei der Appetit zum Essen und Trinken vollständig abhanden kommen.
Seine langen, dürren Füße steckten in stiefelartigen Futteralen, welche je aus einem einzigen Stücke Pferdeleders geschnitten waren. Ueber dieselben hatte er wahrhaft riesige Sporen geschnallt, deren Räder aus mexikanischen silbernen Pesostücken geschnitten waren.
Neben ihm an der Erde lag ein Sattel mit vollständigem Zaumzeuge, und dabei lehnte eine jener ellenlangen Kentuckybüchsen, welche jetzt nur noch äußerst selten zu sehen sind, weil sie den Hinterladern weichen mußten. Seine sonstige Bewaffnung bestand aus einem Bowiemesser und zwei großen Revolvern, deren Griffe aus seinem Gürtel ragten. Dieser Letztere bestand aus einem Lederschlauche von der Form einer sogenannten »Geldkatze«, welcher rundum mit handtellergroßen Scalphäuten besetzt war.[2]

Auf dem Kopf trägt er einen breitkrempigen Sombrero. Old Death "hatte sich ein ganzes Menschenalter lang im Westen umhergetrieben und war trotz der Gefahren, denen er sich ausgesetzt hatte, niemals verwundet worden. Darum wurde er von denen, die abergläubisch waren, für kugelfest gehalten."

Er ist ein "Muster von Scharfsinnigkeit" und voller Energie; seine ständige Redensart ist "Ich kalkuliere ..." Er trifft in New Orleans auf Old Shatterhand, der als Detektiv auf der Suche nach William Ohlert ist. Old Death hält Old Shatterhand zunächst für ein Greenhorn (in Der Scout ist der Ich-Erzähler anonym und auf ihn trifft das auch zu) und behandelt ihn abweisend. Dann schließen sie doch Freundschaft und verfolgen gemeinsam Ohlert und dessen Entführer Gibson, wobei Old Death fast immer der Wortführer ist und die Initiative ergreift. So weist er die Rowdies in Matagorda in ihre Schranken. Auf seine Anweisung hin kleidet sich Charley neu ein und erwirbt auch bereits einen Sattel ohne Pferd. In La Grange erlangt er die Unterstützung Cortesios. Als Kukluxer die Langes überfallen wollen, vereitelt er das, dabei stellt sich heraus, dass er vor Jahren dem Sohn, Will Lange, das Leben rettete. Sein bestimmtes Auftreten beeindruckt die Comanchen, deren Häuptling Oyo-koltsa sein Freund ist. Durch den von den Tschimarra überfallenen Gambusino erfährt er zum ersten Male etwas über den Verbleib seines Bruders, den er seit langen Jahren sucht.

Bevor er mit Old Shatterhand und den anderen Gefährten zu Uhlmanns Bonanza kommt, erzählt er Old Shatterhand sein Leben: Er war in seiner Jugend "leichtsinnig, bodenlos leichtsinnig" gewesen. "Meine sterbende Mutter zeigte mir den Weg der Tugend, ich aber wandelte den des Leichtsinnes." Er hatte studiert, verlor aber durch unüberlegte Spekulationen sein Erbe, wurde Goldsucher, war als solcher erfolgreich, verlor aber regelmäßig alles wieder beim Glücksspiel. Er wurde opiumsüchtig, was zum Verfall seines ehemals starken, muskulösen Körpers führte. Sein Bruder gab ihm trotz allem eine Anstellung in seinem Geschäft in San Francisco. Die Spielleidenschaft packte ihn jedoch wieder, und er fälschte Wechsel, die sein Bruder einlösen musste. Dadurch ging dessen Vermögen verloren, und seine Frau starb "aus Schreck und Herzeleid". Als Old Death davon erfuhr, gab er das Glücksspiel auf, nicht aber das Opium (das er in seinen Kautabak mischt), und machte sich auf die Suche nach seinem Bruder, "um Schadenersatz zu leisten". Nach dieser Beichte überkommt ihn eine Todesahnung: er weist Old Shatterhand auf in einem Geheimfach seiner Satteltasche eingenähte, vertrauliche Papiere hin, die für seinen Bruder bestimmt sind. Als er Uhlmann vor Gibson und dessen Komplizen warnen will, wird er irrtümlich erschossen. Er hinterlässt seinem Bruder hohe Bankanweisungen und den Lageplan einer Bonanza.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In der Bearbeitung im KMV lautet der Vorname "Edward"; das hat es auch in einige Hörspielversionen geschafft.
  2. Karl May: Der Scout. In: Deutscher Hausschatz, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1888, 15. Jg., Nr. 12, S. 186.

auf der Bühne[Bearbeiten]

im Hörspiel[Bearbeiten]

In den Umsetzungen von Winnetou II, die sich der Scout-Episode annahmen, wurde Old Death gesprochen von:

  • Rolf Jülich
  • Gottfried Kramer
  • Helmut Müller-Lankow
  • Richard Münch
  • Andreas Obering ("Ja uff erstmal")
  • Egon Zehlen

Übersicht über alle Sprecher des Old Death in einem Hörspiel.

Literatur[Bearbeiten]

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.