Die Gartenlaube

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Titelkopf der Gartenlaube 1865
Verlagsgebäude in der Königsstraße

Die Gartenlaube Illustrirtes Familienblatt (später Illustriertes Familienblatt) war ein Vorläufer moderner Illustrierten und das erste große, erfolgreiche deutsche Massenblatt. Es erschien in Leipzig von 1853 bis 1944 und erreichte 1876 unter ihrem Verleger Ernst Keil eine Auflagenhöhe von 382.000 Exemplaren. (Zum Vergleich: Der Deutsche Hausschatz hat eine Auflage von 40.000.) Da die Gartenlaube sowohl in der gemeinsamen Familienlektüre konsumiert wurde, als auch in zahlreichen Leihbibliotheken und Cafés als Auslage zur Verfügung stand, erstreckt sich die Schätzung der eigentlichen Leserschaft auf zwei bis fünf Millionen zu ihren Hochzeiten. Die letzte Ausgabe erschien am 30. September 1944.

Ursprünglich durchaus politisch durch die radikal-liberale Position des Verlegers Ernst Keil geprägt, entwickelte sich Die Gartenlaube nach dessen Tod 1878 zunehmend zu einem konservativen Unterhaltungsblatt. Politische oder religiöse Themen waren nach dieser Neupositionierung tabu, ebenso Ehescheidung oder Selbstmord. Die Gartenlaube veröffentlichte auch Fortsetzungsromane.

Die Gartenlaube stellt eine ebenso umfassende wie für viele historische Untersuchungsfelder unverzichtbare Quelle zur deutschen Kulturgeschichte dar.

Das Verlagsgebäude befand sich in der Leipziger Königsstraße (heute Goldschmidtstraße) (Nr. 33, Ecke Talstraße).

Zielsetzung der Gartenlaube

Keils Anspruch, mit seinem Druckerzeugnis breite Volksschichten zu erreichen und bildend auf sie einzuwirken, war durchaus nicht neu. Bereits um 1800 entstand mit der Pädagogik ein neues Wissensgebiet, das Reformen in Fragen der Erziehung und Familie für notwendig hielt. Auch die Neuhumanisten entsprachen den neuen Erfordernissen nach besserer Bildung mit ihrem Eintreten für Reformen im Schul- und Universitätssystem. Damit an die Stelle der unmündigen Masse das reflektierende Individuum treten könne, wurden auch Änderungen der Familienstruktur gefordert: Die Großfamilie ersetzte die Kernfamilie; das Aufgabenfeld der Mutter bestimmten die durchweg männlichen Pädagogen vollkommen neu, indem man ihr die psychische und physische Erziehung der Kinder und deren Alphabetisierung übertrug.

Die Literatur brachte den Bildungsroman hervor, der an Fallbeispielen demonstrierte, wie ein junger Mensch seine Individualität (er)findet. Kurzum, Bildung wurde zur zentralen Forderung des 19. Jahrhunderts, und dem entsprachen eine stetig ansteigende Leserschaft sowie ein explodierender Bücher-, Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt. In diesem Umfeld, das nachträglich mit Namen wie Romantik, Biedermeier oder Realismus versehen und mit Idealen wie Schwärmerei, Häuslichkeit und Gemütlichkeit gleichgesetzt worden ist, entstand Ernst Keils Gartenlaube. So nimmt es denn heute auch wenig Wunder, wenn die Zeitschrift in der Familie den idealen Adressaten sah. Auch der Name der Zeitschrift wies darauf hin: Die Gartenlaube als Schauplatz unbeschwerter Geselligkeit, die Unterhaltung und Entspannung bot, aber gleichzeitig der Wissensvermittlung diente.

Federführend in der belehrenden Unterhaltung der Gartenlaube waren Autoren wie Eugenie Marlitt, Theodor Storm, Paul Heyse, Friedrich Spielhagen, Leopold von Sacher-Masoch, Wilhelm Raabe und Otto Ludwig, die dort mit zumeist belletristischen Themen aufwarteten. Für viele Romane, Erzählungen und Gedichte war dieses Blatt der Ort der Erstveröffentlichung. Und doch wollte Keil sie keineswegs als Literaturzeitschrift missverstanden wissen. Der Allgemeinbildung und immer wichtiger werdenden Wissenschaft zuliebe hatten auch technische und naturwissenschaftliche Artikel ihren festen Platz.

Außer den erfolgreichen Autoren und der Themenvielfalt hatte Keil eine Neuerung auf Lager, mit der der Leipziger Verleger bereits bei früheren publizistischen Schöpfungen wie dem Leuchtturm reüssieren konnte: das Layout. Keil legte großen Wert auf die optische Gestaltung der Zeitschrift, insbesondere auf die Illustrationen – erst Holzschnitte und Zeichnungen, später Photographien. Allerdings, so seine Maxime, mussten Bild und Text in engster Beziehung zueinander stehen, damit nicht etwa der Eindruck einer willkürlichen Aneinanderreihung von Wort und Bild entstünde. Diese Verknüpfungen, die großen Anklang beim Lesepublikum fanden, führten auch dazu, dass die Gartenlaube der einzig ernstzunehmenden Konkurrenz auf dem Gebiet der gebildeten Volksblätter den Rang ablaufen konnte: Karl Gutzkows Unterhaltungen am häuslichen Herd, die nur ein Jahr vor der Gartenlaube gegründet worden waren.

Mit dem Tod Ernst Keils am 23. März 1878 in Leipzig und der Übernahme der Gartenlaube durch den Kröner-Verlag änderte sich so manches. Nicht nur, dass die Auflagenzahlen sanken, auch die politische Einstellung des Blattes wandelte sich. Anfangs eine nationale und liberale Gesinnung vertretend, setzte sie sich während des Kulturkampfes für Bismarcks Politik ein.

Am 30. September 1944 musste die Gartenlaube, die im letzten Jahrzehnt ihres Bestehens den Namen Neue Gartenlaube trug, aufgrund kriegswirtschaftlicher Maßnahmen ihr Erscheinen einstellen.

1955 wurden die Verlagsrechte an den Martin Kelter Verlag, Hamburg, verkauft, der 1982 bis 1984 eine Neuauflage des aus dem Fundus der erworbenen Rechte versuchte.

Karl May und die Gartenlaube

Karl May schmollte nach einer frühen Abfuhr (etwa 1858) zeitlebens mit dem Unterhaltungsblatt.

Hierzu kam der angeborene, unwiderstehliche Drang nach geistiger Betätigung. Ich lernte sehr leicht und hatte demzufolge viel Zeit übrig. So dichtete ich im Stillen; ja, ich komponierte. Die paar Pfennige, die ich erübrigte, wurden in Schreibpapier angelegt. Aber was ich schrieb, das sollte keine Schülerarbeit werden, sondern etwas Brauchbares, etwas wirklich Gutes. Und was schrieb ich da? Ganz selbstverständlich eine Indianergeschichte! Wozu? Ganz selbstverständlich, um gedruckt zu werden! Von wem? Ganz selbstverständlich von der "Gartenlaube", die vor einigen Jahren gegründet worden war, aber schon von Jedermann gelesen wurde. Da war ich sechzehn Jahre alt. Ich schickte das Manuskript ein. Als sich eine ganze Woche lang nichts hierauf ereignete, bat ich um Antwort. Es kam keine. Darum schrieb ich nach weiteren vierzehn Tagen in einem strengeren Tone, und nach weiteren zwei Wochen verlangte ich mein Manuskript zurück, um es an eine andere Redaktion zu senden. Es kam. Dazu ein Brief von Ernst Keil selbst geschrieben, vier große Quartseiten lang. Ich war fern davon, dies so zu schätzen, wie es zu schätzen war. Er kanzelte mich zunächst ganz tüchtig herunter, so daß ich mich wirklich aufrichtig schämte, denn er zählte mir höchst gewissenhaft alle Missetaten auf, die ich, natürlich ohne es zu ahnen, in der Erzählung begangen hatte. Gegen den Schluß hin milderten sich die Vorwürfe, und am Ende reichte er mir, dem dummen Jungen, vergnügt die Hand und sagte mir, daß er nicht übermäßig entsetzt sein werde, wenn sich nach vier oder fünf Jahren wieder eine Indianergeschichte von mir bei ihm einstellen sollte. Er hat keine bekommen; aber daran trage nicht ich die Schuld, sondern die Verhältnisse gestatteten es nicht. Das war der erste literarische Erfolg, den ich zu verzeichnen habe. Damals freilich hielt ich es für einen absoluten Mißerfolg und fühlte mich sehr unglücklich darüber.[1]

Allerdings hat er sie gelesen und sich häufig durch Berichte oder Illustrationen inspirieren lassen.

Briefkastenantwort an "K. M. in Hohenstein"

1880 wandte sich May offenbar mit einem Leserbrief an die Gartenlaube und bat vermutlich um Auskunft über die Urheberrechtssituation in den USA.[2] Die Antwort im "Kleinen Briefkasten" (auf S. 862) lautete: K.M. in Hohenstein. Sie sind leider wehrlos, und wir Alle mit Ihnen - weil ein diesbezüglicher gesetzlicher Schutz in Amerika nicht existirt.

Autoren und Illustratoren (Auswahl)

Anmerkungen

  1. Karl May: Mein Leben und Streben.
  2. Christian Heermann, Winnetous Blutsbruder, 2001, S. 237.

Literatur

Weblinks