Alfred Brehm

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alfred Brehm (Gartenlaube 1869)

Alfred Edmund Brehm (* 2. Februar 1829 in Unterrenthendorf, heute Renthendorf bei Neustadt an der Orla; † 11. November 1884 in Renthendorf) war ein deutscher Zoologe und Schriftsteller. Sein Name wurde durch den Buchtitel "Brehms Tierleben" zu einem Synonym für populärwissenschaftliche zoologische Literatur.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Alfred Brehm wuchs in dem thüringischen Dörfchen Unterrenthendorf als Sohn des Pfarrers Christian Ludwig Brehm und dessen zweiter Ehefrau Bertha auf. Christian Ludwig Brehm machte sich als Ornithologe mit Veröffentlichungen und einer umfangreichen Sammlung präparierter Vögel in der Fachwelt einen Namen. Über 9.000 Exemplare boten im Pfarrhaus einen Einblick in die europäische Vogelwelt. Die Forschungen des Vaters weckten zwar früh das Interesse Alfreds für die Zoologie, aber sein Berufswunsch war zunächst, Architekt zu werden.

Im Frühjahr 1844 kam Alfred Brehm zu einem Baumeister in Altenburg in die Lehre. Er erlernte bis September 1846 das Maurerhandwerk und absolvierte die Altenburger Kunst- und Handwerksschule. Ende 1846 ging er nach Dresden, um Architektur zu studieren, brach das Studium aber nach zwei Semestern ab, weil der zu seiner Zeit bekannte Vogelkundler Johann Wilhelm von Müller einen Begleiter für eine Afrika-Expedition suchte. Als Sekretär und Gehilfe des Barons von Müller brach Alfred Brehm, den die Araber "Chalihl [enger Freund] Effendi" nannten, am 31. Mai 1847 zu einer fünfjährigen Expedition auf, die ihn nach Ägypten, in den Sudan und auf die Sinai-Halbinsel führte; die wissenschaftliche Ausbeute war so bedeutsam, dass er im Alter von nur 20 Jahren mit der Mitgliedschaft in der Akademie der Naturforscher (Leopoldina) ausgezeichnet wurde.

Nach seiner Rückkehr begann er 1853 mit dem Studium der Naturwissenschaften an der Universität in Jena. Wie sein Bruder Reinhold wurde er bei dem Corps Saxonia Jena, einer Studentenverbindung, aktiv; wegen seiner Forschungsreisen durch Nordafrika erhielt er von seinen Corpsbrüdern den respektvollen Spitznamen "Pharao". Nach nur vier Semestern schloss er sein Studium 1855 mit der Promotion ab. Mit seinem Bruder Reinhold begab er sich 1856 auf eine zweijährige Spanien-Reise. Danach ließ er sich in Leipzig als freier Schriftsteller nieder und schrieb zahlreiche populärwissenschaftliche Beiträge für die berühmte Zeitschrift "Die Gartenlaube" und andere. Zwischendurch unternahm er 1860 eine Expedition nach Norwegen und Lappland.

Im Mai 1861 heiratete Alfred Brehm seine Cousine Mathilde Reiz, mit der er fünf Kinder zeugte. Seine Reiselust hielt ihn nicht lange zu Hause. So nahm er 1862 eine Einladung des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha an, ihn auf eine Reise nach Abessinien zu begleiten. Danach ging es noch mehrfach nach Afrika sowie nach Skandinavien und Sibirien. In den Jahren 1878 und 1879 unternahm er zwei Reisen nach Ungarn und Spanien auf Einladung von Kronprinz Rudolf von Österreich, der Hobby-Ornithologe war und Brehm bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb.

Seine Aufsätze und Reiseberichte aus der Tierwelt fanden großen Anklang in weiten Kreisen des Bildungsbürgertums, so dass der Verleger Herrmann Julius Meyer bei ihm ein großes vielbändiges Werk über das Tierreich für das Bibliographische Institut in Hildburghausen bestellte. Als "Brehms Tierleben" machte es ihn weltweit bekannt. Obwohl Brehm das Verhalten von Tieren aus heutiger Sicht teilweise fehlinterpretierte, ist sein Werk auch heute noch ein Begriff.

Sein Leben war mit der schriftstellerischen Arbeit und den Forschungs- und Vortragsreisen reichlich ausgefüllt. Trotzdem nahm er 1862 die Berufung zum ersten Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg an und behielt diese Position bis 1867. Danach zog er nach Berlin und richtete dort ein prachtvolles Aquarium ein. Diese Tätigkeit behielt er bis 1874 inne.

Im Winter 1883/84 unternahm Brehm eine Vortragsreise in die USA. Kurz vor seiner Abfahrt erkrankten seine vier bei ihm wohnenden Kinder an Diphtherie. Brehm, der seit 1878 Witwer war, entschloss sich trotzdem zur Reise, da er das Geld für die sonst fällige Vertragsstrafe nicht aufbringen konnte. Ende Januar erreichte ihn dann die Nachricht vom Tod seines jüngsten Sohnes. Zum seelischen Schmerz kam die Malaria, an der Alfred Brehm schon in jungen Jahren in Afrika gelitten hatte. Am 11. Mai 1884 kehrte er nach Berlin zurück. Um Ruhe zu finden, zog er im Juli wieder in seine Heimat nach Renthendorf, wo er im November 1884 starb. Dort befindet sich heute auch die Brehm-Gedenkstätte. Ein Denkmal für Brehm, geschaffen vom Tiroler Bildhauer Norbert Pfretzschner, wurde in Altenburg aufgestellt.

Alfred Brehm und Karl May[Bearbeiten]

Reiseskizzen

In den Jahren 1847 bis 1852 bereiste Brehm zusammen mit seinem Bruder Oskar und anderen Gefährten Nordostafrika. Eins der Ergebnisse dieser Reisen war eine aus­führ­liche Be­schreibung eines Treffens eines namenlosen Ich-Erzählers mit der schönen Warde, wie Brehm sie selbst drei Jahre später in der Zeitschrift "Die Garten­laube" (Heft 48/1858) unter dem Titel "Eine Rose des Morgenlandes" erzählt.

Diese "Rose des Morgenlandes" von Alfred Brehm war gemeinsam mit der Erzählung "Die Errettung Fatmes" von Wilhelm Hauff die Hauptquelle für Karl Mays erste Orienterzählung Leïlet, die 1876 unter dem Pseudonym M. Gisela in "Feierstunden am häuslichen Heerde" erschien.[1]

Aber Brehm bereitete die Reise nach Ägypten nicht nur belletristisch, sondern auch wissenschaftlich auf. So erschien 1855 im Verlag Friedrich Mauke in Jena unter seinem Namen ein dreibändiges Werk mit dem Titel "Reiseskizzen aus Nord-Ost-Afrika oder den unter egyptischer Herrschaft stehenden Ländern Egypten, Nubien, Sennahr, Rosseeres und Kordofahn: gesammelt auf seinen in den Jahren 1847 bis 1852 unter­nommenen Reisen".[2] Dass auch Details aus diesem Reisebericht intensiv von Karl May weiter­verarbeitet wurden, ist ebenfalls nachgewiesen. Wolfgang Hammer untersuchte beispiels­weise bereits 1996 Karl Mays Novelle ›Leilet‹ als Beispiel für seine Quellenverwendung.[3]

In seiner Bibliothek hatte Karl May allerdings nur "Brehms Thierleben".

May-Texte, in denen Brehm verwendet wurde:

In "Die Liebe des Ulanen" wird Brehm als Bekannter von Fritz Schneeberg erwähnt.

»Ich traf einst den berühmten Naturforscher Brehm,« antwortete er; »das heißt, ich hatte ihn zu rasiren, und wagte es, ihm den Zahn zu zeigen. Er erklärte ihn sofort für einen Reißzahn eines männlichen Löwen.«

Werke[Bearbeiten]

  • Reiseskizzen aus Nordost-Afrika (1853)
  • Reiseskizzen aus Nordamerika (1855)
  • Leben der Vögel (1861, 2. Auflage 1868)
  • Ergebnisse einer Reise nach Habesch (1863)
  • Die Thiere des Waldes, zweibändig (zusammen mit Emil Adolf Roßmäßler, 1863–67)
  • Illustrirtes Thierleben (186469), in späteren Ausgaben als "Brehms Tierleben" bekannt
  • Gefangene Vögel. Ein Hand- und Lehrbuch für Liebhaber und Pfleger einheimischer und fremdländischer Käfigvögel (1872, mit vielen Wissenschaftlern)
  • Reise zu den Kirgisen. Aus dem Sibirientagebuch 1876 (1882)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Bernhard Kosciuszko in M-KMG 63/1985.
  2. 2010 erschien im Verlag Fines Mundi, Saarbrücken, ein Reprint dieser Ausgabe.
  3. Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1996.

Literatur[Bearbeiten]