Und er ist dennoch Gottes Sohn

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Ölgemälde Und er ist dennoch Gottes Sohn! (1927)

Und er ist dennoch Gottes Sohn!, auch Christus und Satan oder Christus und Teufel genannt, ist ein Ölgemälde von Sascha Schneider in den Maßen 190 x 148 cm. Es handelt sich dabei um eine Neufassung von Schneiders frühem Karton Es ist vollbracht.

Entstehung

Karton Es ist vollbracht (um 1896)

Der Karton

Nach Felix Zimmermann[1] schuf Sascha Schneider die Zeichnung Es ist vollbracht im Jahre 1896.

Im gleichen Jahr erschienen in der Verlagsbuchhandlung J. J. Weber in Leipzig erstmals die Zwölf Zeichnungen von Sascha Schneider als Heft 3 in der Neuen Reihe der Meisterwerke der Holzschneidekunst. Die zweite und die dritte Auflage erschienen – um sechs Bilder erweitert – im Jahr darauf; die vierte und letzte Auflage wurde 1900 herausgegeben. In dieser Mappe war der Karton Es ist vollbracht enthalten.[2]

Schon 1924 – also drei Jahre vor Sascha Schneiders Tod – galt die Kartonzeichnung als verschollen.[3]

Das Ölgemälde

Mitte der 1920er Jahre beschäftigte sich Sascha Schneider erneut mit dem Motiv des Kartons Es ist vollbracht.

Vermutlich hatte Karl Mays Witwe Klara May Interesse an einem solchen geplanten Gemälde bekundet, denn am 20. September 1924 schrieb Schneider auf einer Postkarte an sie:

Christus u[nd] Satan ist in erster Linie für den Vatican bestimmt, ich könnte aber auch eine Wiederholung schaffen?! Darüber noch mündlich [...][4]

Am 7. November 1924 schrieb Schneider während seines Aufenthalts auf der italienischen Insel Ischia in einem Brief an Klara May:

Dafür habe ich mit meiner Skizze zu Satan u[nd] Christus Glück gehabt. Hier nach Capri kam der Bischof von Meissen, Dr. Schreiber[5], ihn begleitete sein Freund Dr. Steinmann, beratender Prälat an der deutschen Gesandtschaft am Vatican.[6] Beide Herren erklärten sofort und ohne mein Zutun, dass der Vatican dies Bild gross haben müsste, sie werden alles tun, was sie können.[7]

Dieses Vorhaben wurde allerdings nicht in die Tat umgesetzt.[8]

Eine Aquarellskizze mit dem Titel Christus und Satan ist im Katalog der großen Sascha-Schneider-Ausstellung (7. Februar bis 7. März 1926) bei Emil Richter in Dresden vermerkt. In einem Artikel der Sächsischen Volkszeitung vom 9. Februar 1926 wurde von Schneiders Plan berichtet, auf Grundlage der Skizze ein Kolossalgemälde zu schaffen.[9] Am gleichen Tag äußerte sich Sascha Schneider in einem Brief an Klara May zu seinen weiteren Plänen:

Den "Christus u[nd] Satan" fange ich nun bald in einem handlichen Format an, wir sprechen noch darüber.[10]

Acht Monate später, am 4. Oktober 1926, berichtete Schneider derselben Empfängerin brieflich:

Christus u[nd] Satan ist bald soweit, ich hoffe, dass Sie dann mal herkommen[,] das opus[11] zu besehen.[12]

Sascha Schneiders Arbeit an diesem Gemälde zog sich länger hin als erwartet, denn am 21. Juni 1927 schrieb er diesbezüglich wiederum an Klara May:

Christus u[nd] Satan beendige ich dieser Tage. Wollen Sie noch das Bild?[13]

Bald darauf besuchte Klara May Sascha Schneider tatsächlich und besichtigte das unvollendete Gemälde. In einem Schreiben an den Künstler bekundete sie Kritik daran und verzichtete auf den Kauf. Darauf antwortete Schneider in einem auf den 5. Juli datierten Brief:

Obschon ich die Klinik noch sehr in den Knochen habe, hatte ich mich gleich nach dem Besuche energisch an die Arbeit resp. an das Bild gemacht und gerade den Christus, Kopf, Körper u[nd] Gewandung vorgenommen, so dass ich da sehr vorwärts gekommen bin. Ich habe aber den Pinsel nach Erhalt Ihrer Zeilen sofort hingelegt und hebe mir die Vollendung für später auf, das kann dem opus nur gut tun.
Wie gerne hätte ich das Bild in Ihrem Besitz gesehen! Sie mussten das ja auch an dem niedrigen Preis merken. Aber wir wollen die ganze Angelegenheit nun ruhen lassen! Nichts soll zwischen die beiden Weggenossen kommen, die sich ja auch einmal ruhig aussprechen können.[14]

Noch vor Vollendung des Gemälde verstarb Sascha Schneider am 18. August 1927.

Der Titel Und er ist dennoch Gottes Sohn! geht auf Euchar Albrecht Schmid zurück.[15]

Klara May erhielt das Gemälde aus dem Nachlass des Malers. Es kam nach Klara Mays Tod in den Besitz des Karl-May-Verlags. 1960 siedelte es mit ihm nach Bamberg um und kehrte 1994 nach Radebeul zurück. Heute ist es Eigentum der Karl-May-Stiftung und im Radebeuler Karl-May-Museum in der Villa "Shatterhand" zu sehen.[16]

Motiv

"Es ist vollbracht!" waren nach dem Johannesevangelium die letzten Worte des Jesus von Nazareth am Kreuz:

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund. Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied.[17]

Schneiders Darstellung zeigt allerdings weniger den sterbenden als vielmehr den auferstandenen Christus.

Sonstiges

Im Radebeuler Karl-May-Museum sind außer dem Gemälde selbst auch Hand- und Fußstudien (Blei auf Papier, 28,5 x 35,5 cm) erhalten.[18]

Anmerkungen

  1. Dr. phil. Felix Zimmermann (* 1874; † 1946): Sascha Schneider. Kunstgabe 5. Verlag Die Schönheit Dresden o. J. [1924], S. 42.
  2. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 15.
  3. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 23, Anm. 74.
  4. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 457.
  5. Dr. Christian Schreiber (1872-1933), von 1921 bis 1929 erster Bischof des wiedererrichteten katholischen Bistums Meißen.
  6. Dr. Johannes Steinmann (1870-1940), ab 1921 geistlicher Konsultor der Deutschen Botschaft beim Hl. Stuhl.
  7. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 458 f; dort auch die beiden vorigen Anmerkungen.
  8. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 23 f., Anm. 77.
  9. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 23 f., Anm. 77.
  10. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 469.
  11. Lateinisch: Werk.
  12. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 476.
  13. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 485.
  14. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 486.
  15. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 23 f., Anm. 77.
  16. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 23 f., Anm. 77.
  17. Das Evangelium nach Johannes, Kapitel 19, Verse 28 bis 30. In: Die Lutherbibel 1984. (Onlinefassung).
  18. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 23 f., Anm. 77.

Literatur