Prag

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Prag, tschechisch Praha, ist heute die Hauptstadt und zugleich bevölkerungsreichste Stadt der Tschechischen Republik.

19. Jahrhundert

Prag war die Hauptstadt Böhmens auf beiden Seiten der Moldau und der Knotenpunkt der böhmischen Bahnlinien (7 Bahnhöfe). Im Jahre 1900 hatte Prag 222.833 Einwohner, darunter 7120 Militärpersonen. Prag bestand aus 7 Stadtteilen und 4 Vorstädten, war Sitz des Statthalters, Fürsterbischofs; hatte Oberlandes-, Landes-, Handelsgericht, Post-und Telegraphendirektion für Böhmen, Berghauptmannschaft, Kommando des 8. Korps. Prag ist Hauptsitz der Industrie und des Handels in Böhmen.

Auf dem Hradschin steht der gotische Dom St. Veit (14. Jahrhundert); ferner die gotische St. Georgskirche (12. Jahrhundert), Loretokirche (17. Jahrhundert), Prämonstratenserstift Strahow mit Kirche und Bibliothek, königliche Burg (von Karl IV. begonnen, von Maria Theresia vollendet). Zahlreiche Palais namentlich auf dem Hradschin und auf der Kleinseite; in der Altstadt das Rudolfinum, Clementinum, Carolinum, Rathaus, Pulverturm (Tor; 15. Jahrhundert), deutsches Landestheater, Zentralmarkthalle; in der Neustadt die Maria-Schnee-Kirche (14. Jahrhundert), böhmisches Nationaltheater und Nationalmuseum u.a.

An Bildungseinrichtungen gab es: Karl-Ferdinands-Universität, Akademie der Wissenschaften, deutsche und böhmische Technische Hochschule, 10 Gymnasien, 1 Realgymnasium, 4 Oberrealschulen, je 2 Lehrer- und Lehreninnenseminare, Staatsgewerbe-, Kunstgewerbe-, Kadettenschule, deutsche und böhmische Handelsakademie, Malerakademie, Konservatorium.

Um 1900 war das nach außen weltoffene Prag Sitz der ersten im Gebiet des mittelalterlichen Deutschen Reiches gegründeten Universität, einem Treibhaus für Künstler und nachwachsende Literaten. Allein drei Dichterkreise wetteiferten miteinander: Den engeren Prager Kreis bildeten Max Brod und seine Freunde Franz Kafka, Felix Weltsch und Otto Baum. Der Verein "Wefa" umfasste viele Autoren, die heute kaum noch bekannt sind, wie z. B. Friedrich Adler. Einem anderen Verein, der neuromantische Kreis Jung-Prag gehörten zum Beispiel Rilke, Gustav Meyrink, der beruflich in Prag zu tun hatte, und der junge Franz Werfel an. In dieser Zeit war Prag als Stadt des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn durch einen regen Austausch zwischen den Nationalitäten geprägt.

Um 1860 verlor Prag seine seit dem Mittelalter bestehende deutsche bzw. deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit. Bei der tschechoslowakischen Volkszählung von 1930 gaben noch 42.000 Prager Deutsch als Muttersprache an, sie lebten vor allem im Stadtzentrum (Stadtteile Altstadt und Kleinseite).

Karl May und Prag

Vignette des Hotels

Bereits 1888, kurz nach der Erstveröffentlichung im Guten Kameraden, erschien im 14. Jahrgang der von Josef Vilímek in Prag für jugendliche Leser herausgegebenen Zeitschrift Nasi Mladezi (Unserer Jugend) die erste ausländische Übersetzung von Karl Mays Der Sohn des Bärenjägers (tschechischer Titel Syn lovce medveduv). Es handelte sich um eine von Jaroslav Pekar angefertigte Nacherzählung mit Illustrationen von Karel Thuma und Josef Mukarovsky. Im nachfolgenden 15. Jahrgang erschien dann die Fortsetzung Duch Llana estakada (Der Geist des Llano estakado), und zwar ebenfalls frei nacherzählt von Jaroslav Pekar mit Illustrationen von Karel Thuma und mit dem Hinweis nach K. May, Verfasser der Geschichte "Syn lovce medvedu".

1898 reiste May über Prag nach Wien. Sein Aufenthalt in Prag vom 13. bis 20. Februar wurde in der Presse mitgeteilt.

Im selben Jahr reiste May erneut nach Prag und blieb vom 12. bis zum 19. Oktober. Er logierte wieder im "Hotel de Saxe" und erhielt dort u. a. Besuch von dem damals 13-jährigen Egon Erwin Kisch. Von Prag aus fuhr May nach Wien weiter.

In Prag lebten auch seine tschechischen Verleger Josef Vilímek und Alois Hynek.

Rezeption

Am 13. März 1943 wurde in Prag am Städtischen Theater Königl. Weinberge Winnetou uraufgeführt. Dabei handelt es sich um die tschechischsprachige Version der Bühnenbearbeitung von Hermann Dimmler und Ludwig Körner. Die Übersetzung stammte von Jiri Havel. Regie führte Frantisek Filipovsky.

Literatur

Weblinks