Verlag Josef Vilímek

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Der Verlag Josef Vilímek war ein Prager Verlagshaus, das sich auf Jugendschriften spezialisiert hatte.

Josef R. Vilímek jun.

Allgemeines

Der Verlag wurde im Jahr 1858 von Josef Richard Vilímek sen. (* 1835; † 1911) gegründet. Zunächst war er nur Herausgeber und Verleger, eine eigene Druckerei wurde erst 1871/72 erworben. Zu seinem Programm gehörte die Herausgabe der Humoristicke listy (Humoristische Blätter).

1885/86 übernahm dann Vilímeks Sohn Josef Richard Vilímek jun. (* 1860; † 1938), der vorher bereits im Verlag tätig war, das Unternehmen.

Er verlegte viele Übersetzungen und entdeckte eine Reihe von Schriftstellern, die später als die "modernen" anerkannt wurden. Unter dem Titel Dobrodružné cesty veröffentlichte Vilímek ab 1892 auch eine autorisierte tschechische Jules-Verne-Edition.

Karl May und der Verlag

Im Verlag Josef Vilímek erschienen ab 1890 26 hervorragend ausgestattete Bände mit May-Texten in tschechischer Sprache.

Im Februar 1898 war Karl May in Prag und verhandelte direkt mit Vilímek über eine tschechische Buchausgabe. Vilímek bietet 200 Mark pro Band, wenn die Auflagenhöhe unbegrenzt ist. May ist mit 200 Mark zwar einverstanden, aber nur bei einer festgesetzten Auflagenhöhe von 5000. Vilímek lässt in späteren Briefen anklingen, dass er die Texte auch ohne Autorisierung veröffentlichen könnte.[1]

Erklärung Mays vom 18. Oktober 1898 in der Prager Bohemia, in der er sich gegen die Bearbeitung verwehrt.

Da sie sich nicht über die Vertragskonditionen einigen konnten, begann Vilímek im September 1898 mit einer unautorisierten Veröffentlichung des Orientzyklus in einer Bearbeitung durch Jiří Stanislav Guth-Jarkovský. Dabei wurde u. a. aus Kara Ben Nemsi ein Franzose namens Ben Han. Karl May war darüber sehr erbost und gab eine öffentliche Erklärung dazu ab (Abbildung links). Diese erschien zunächst am 14. Oktober in der Bohemia, eine weitere Veröffentlichung erschien bereits am 15. Oktober in der Wiener Tageszeitung Das Vaterland mit dem Titel Eine Verwahrung des Dr. Carl May.[2] Aber auch tschechische Zeitungen nahmen den Vorfall zum Anlass breiter Erörterungen, so beispielsweise Katolicke listy am 16. Oktober in ihrer Nr. 284 und Nasinec am 30. Oktober in der Beilage zu Nr. 123.[3]

Unmittelbar auf das Inserat folgend wurden die Gespräche wieder aufgenommen und beide wurden sich handelseinig (May erhielt 300, später 500 Mark pro Band; die Auflage wurde auf 5000 begrenzt). Vilímek erhielt dafür das alleinige tschechische Übersetzungsrecht für die bei Fehsenfeld erschienenen Werke. Die bereits erschienenen Bände wurden zurückgezogen und durch eine Neuübersetzung ersetzt. Noch im Jahre 1898 erschien die vereinbarungsgemäß überarbeitete Ausgabe Durch die Wüste als erster Band des Zyklus Auf der Spur einer bösen Tat (mit dem Hinweis Autorisierte, ungekürzte Ausgabe), und 1900 war mit Der Schut der sechsbändige Orientzyklus abgeschlossen.

Die Mitteilung von der gütlichen Einigung zwischen May und Vilímek in der Bohemia am 19. Oktober 1898.

May inserierte noch während seines Prag-Aufenthalts die Einigung (Abbildung rechts).

Im Herbst 1900 unternahm Vilímek den einzigen Versuch, nach Radebeul zu reisen, um mit May über die Herausgabe des Winnetou persönlich zu sprechen. Das Treffen kam aber leider nicht zustande, da Vilímek sich nicht rechtzeitig angemeldet hatte und Karl May sich gerade an diesem Tag in Weimar aufhielt.

Ende 1903 erfuhr May durch Vilímek, dass der tschechische Verleger Alois Hynek ebenfalls an einer Karl-May-Ausgabe arbeite. Diese Ausgabe war nicht autorisiert, allerdings vermutete Vilímek Absprachen zwischen Hynek und May[4] – und da May diesen offen ausgesprochenen Verdacht nicht ausräumte, betrachtete Vilímek dies als Bruch des Vertrags und erfüllte den Vertrag auch seinerseits nicht mehr, d. h. die Honorarzahlungen wurden weitestgehend eingestellt.

Am 2. Juni 1908 erhob May im Handelsgericht der Stadt Prag Klage gegen die Firma Jos. R. Vilimek wegen Gestattung der jederzeitigen Büchereinsicht. Bei der Verhandlung schlossen beide Seiten einen Vergleich (Vilímek wurde durch Dr. Leopold Katz vertreten, May durch Dr. Arthur Freund) und May erhielt Unterlagen zu Honorarzahlungen und Auflagenhöhen.

1909 stellte der Verlag Josef R. Vilimek das Erscheinen seiner May-Ausgaben ein.

Karl-May-Texte im Verlag

  • Syn lovce medvědův (1888; Fortsetzungen in der Zeitschrift Nasi Mladezi [Unserer Jugend])
  • Duch Llana estakada (1889; Fortsetzungen in der Zeitschrift Nasi Mladezi)
  • Syn lovce medvědův (1892; Buchausgabe)
  • Duch prérie (1895)
  • Po stopě zlého činu
    • Pouští (1898)
    • Divokým Kurdistánem (1899)
    • Z Bagdadu do Stambulu (1899)
    • V roklinách balkánských (1899)
    • V zemi Škipetarů (1900)
    • Šut (1900)
  • Vinnetou, rudý gentleman (1901)
  • Old Surehand (1902)
  • Ve stínu palem (1903)
  • Po stopě zlého činu (1904)
  • V říši stříbrného lva
    • Vězeň bagdadský (1905)
    • Tajemství věže babylonské (1905)
    • Kníže temnot (1905)
    • Vítězství světla (1906)
  • Na Tichém oceánu (1906)
  • Na Rio de la Plata (1906)
  • V Kordillerách (1907)
  • Syn lovce medvědů (1907)
  • Duch prérie (1907)
  • Vinnetou, Rudý gentleman (1908)
  • Old Surehand (1908)
  • Syn lovce medvědů (1908)
  • Duch prérie (1908)
  • Po stopě zlého činu
    • Pouští (1908)
    • Divokým Kurdistánem (1908)
    • Z Bagdadu do Stambulu (1908)
    • V roklinách balkánských (1908)
    • V zemi Škipetarů (1908)
    • Šut (1908)

Vilímek zog die bedeutendsten Illustratoren jener Zeit für die Bebilderung seiner Karl-May-Ausgaben heran, so beispielsweise Karel Thuma, Josef Ulrich und Věnceslav Černý.

Sonstiges

1904 lehnte Vilímek die Herausgabe der Broschüre von Max Dittrich, Karl May und seine Schriften, ab.

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, Eintrag vom 9. Juli 1898, S. 154.
  2. Hecker/Steinmetz: Karl May in Böhmen, S. 222.
  3. Hecker/Steinmetz: Karl May in Böhmen, S. 222.
  4. May protestierte durchaus gegen die nicht autorisierten Übersetzungen, doch fand er wohl aufgrund der damaligen unsicheren Urheberrechtslage im Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und der k. und k. Monarchie keine rechtliche Handhabe, um gegen Hynek vorzugehen.

Literatur

Weblinks