Hermann Alexander Pistorius

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Hermann Alexander Pistorius (* 1811; † April 1877) war Feldprediger im Deutsch-Französischen Krieg und Pfarrer in Basedow. Er ist der Verfasser des "Kutschkeliedes".

Das Kutschkelied

Das bekannte Soldatenlied aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 beginnt mit dem Reim eines Jenaer Studentenliedes von 1814: "Was kraucht dort in dem Busch herum? Ich glaub', es ist Napolium!"

Das Lied erschien zuerst in den "Mecklenburgischen Nachrichten" vom 22. August 1870 in vier Strophen. Die "Kölnische Zeitung" veröffentlichte den Text am 6. September 1870.

Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich die von einem Kriegsberichterstatter erfundene Figur quasi zum Volkshelden.

Keilschriftvariante – angeblich aus dem Britischen Museum

Später wurden dem Lied weitere Strophen hinzugefügt und verschiedene Personen meldeten sich als angebliche Urheber. Nach dem Tod des angeblichen Kutschke (er war an einer Verwundung gestorben) wurde weiter öffentlich über den Ursprung des Liedes gerätselt. In der bereits 1871 erschienenen Schrift "Das Kutschkelied auf der Seelenwanderung. Forschungen über die Quellen des Kutschkeliedes im grauen Alterthume nebst alten Texten und Uebersetzungen in neuere Sprachen" wurden Belege für die Verbreitung des Liedes aus alten lateinischen Codices, aber auch arabischen Quellen zusammengetragen. Der tatsächliche Urheber blieb lange unbekannt. Ein August Gotthilf Hoffmann vertrat seine vorgeblichen Ansprüche so vehement, dass er sich ab 1899 sogar Hoffmann-Kutschke nennen durfte.

Kutschkelied bei Karl May

Sowohl in einem Kolportageroman als auch in einer klassischen Reiseerzählung treffen die Protagonisten in Nordafrika auf Sänger des Kutschkeliedes, beide Male in der arabischen Fassung.

Im Briefkasten der Frohen Stunden[1] heißt es:

Herrn F. M. in Danzig. Sie fragen uns nach dem richtigen Verfasser des Kutschke-Liedes. Es ist der Superintendent Pistorius zu Basedow in Mecklenburg, welcher die vier ersten Strophen schrieb, während die fünfte auf der Redaction des "Rheinischen Courir" in Wiesbaden hinzugefügt wurde.

Karl May als seinerzeit verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift ist vermutlich der Verfasser dieser Zeilen.

Erwähnungen in Karl Mays Werk

Kutschkelied
Man hörte eine weibliche Stimme, welche folgende Strophe sang und zwar in hoher Fistelstimme:
"Fid-daghle ma tera jekun?
Ehammin hu Nabuliun
Ma balu-hu jedubb hena?
Kussu-hu, ja fitjanena."
Die Sängerin hörte auf. Der Lord brummte:
"Diese Melodie ist mir bekannt."
"Mir auch. Es ist die Melodie zu dem deutschen Liede: Was kraucht nur dort im Busch herum."
"Ja, richtig!"
"Der Name Nabuliun kam auch vor. Ich glaube gar, hier singt eine Haremsdame das Kutschkelied in arabischer Sprache!"
Es war auch wirklich das Kutschkelied. Die Sängerin ließ jetzt auch die anderen Strophen hören. ("Deutsche Herzen - Deutsche Helden", 17. Lieferung)

Wenig später merkt Lord Eagle-nest noch an: "[Sie] kann aber das Kutschkelied singen. Dazu gehört politische und kriegerische Bildung."


Der andere blieb unter dem Eingange stehen und pfiff; dann begann er leise vor sich hin zu brummen und zu summen; nachher kam eine Pause, und darauf fiel er mit halblauter Stimme in ein Lied.
Ich wäre vor freudiger Ueberraschung beinahe aufgesprungen, denn der Text der beiden Strophen, welche er sang, lautete in dem Arabisch, dessen er sich bediente:
"Fid-dagle ma tera jekun?
Chammin hu Nabuliun.
Ma balu-hu jedubb hena?
Kussu-hu, ja fitjanena!
Gema'a homr el-elbise
Wast el-chala muntasibe.
Ma bal hadolik wakifin?
Hallu-na nenzor musri' in!"
Und diese arabischen Verse, welche sich sogar ganz prächtig reimten, klingen in unserm guten Deutsch nicht anders als:
"Was kraucht nur dort im Busch herum?
Ich glaub', es ist Napolium.
Was hat er nur zu krauchen dort?
Frisch auf, Kam'raden, jagt ihn fort!
Wer hat nur dort im off'nen Feld
Die roten Hosen hingestellt?
Was haben sie zu stehen dort?
Frisch auf, Kam'raden, jagt sie fort!"
Auch die Melodie war ganz und gar dieselbe, Note für Note und Ton für Ton. Ich sprang, als er die zweite Strophe beendet hatte, zur Tür, öffnete dieselbe und sah mir den Menschen an. Er trug weite, blaue Pumphosen, eine eben solche Jacke, Lederstiefeletten und einen Fez auf dem Kopfe, war also eine ganz gewöhnliche Erscheinung.
Als er mich sah, stemmte er die Fäuste in die Hüften, stellte sich, als ob er sich aus mir nicht das mindeste mache, vor mich hin und fragte:
"Gefällt es dir, Effendi?"
"Sehr! Woher hast du das Lied?"
"Selbst gemacht."
"Sage das einem andern, aber nicht mir! Und die Melodien?"
"Selbst gemacht, erst recht!"
"Lügner!"
"Effendi, ich bin Hamsad al Dscherbaja und lasse mich nicht schimpfen!"
"Du bist Hamsad al Dscherbaja und dennoch ein großer Schlingel! Diese Melodie kenne ich."
"So hat sie einer gesungen oder gepfiffen, der sie von mir gehört hat."
"Und von wem hast du sie gehört?"
"Von niemand."
"Du bist unverbesserlich, wie es scheint. Diese Melodie gehört zu einem deutschen Liede."
"Oh, Effendi, was weißt du von Deutschland!"
"Das Lied heißt:
'Was kraucht nur dort im Busch herum?
Ich glaub', es ist – – –'"
"Hurrjes, wat is mich denn dat!" unterbrach er mich mit jubelndem Tone, da ich diese Worte in deutscher Sprache gesprochen hatte. "Sind Sie man vielleicht een Deutscher?"
"Versteht sich!" ("Durch die Wüste")

Quellen Mays

Die arabische Übersetzung enstammt Wilhelm Ehrenthal: Das Kutschkelied auf der Seelenwanderung. Forschungen über die Quellen des Kutschkeliedes im grauen Alterthume nebst alten Texten und Uebersetzungen in neuere Sprachen, Leipzig 1871. (Download als PDF von den Seiten der Karl-May-Gesellschaft)

Anmerkungen

  1. Frohe Stunden, II. Jg., No. 29, S. 464. (Onlinefassung)

Literatur

Weblinks