GLIBBER bis GRÄZIST

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GLIBBER bis GRÄZIST ist ein 2011 erschienener allegorischer Roman von Siegfried Frieseke, in dem Karl Mays Werke als Subtext eine tragende Rolle spielen.[1]

Inhalt

Erzählt wird auf der wörtlichen Ebene lediglich vom Wiedersehen dreier Schulfreunde fünfzehn Jahre nach dem Abitur. Ihre Gespräche über Literatur, Musik und Religion, die eigentlich der Beschwörung alter Gemeinsamkeiten dienen sollen, lassen immer stärker die Frustrationen und Profilierungsbedürfnisse der Einzelnen erkennen. Aus dem bürgerlichen Eigenheim des erfolgreichen Dirigenten Florestan Schuldheiß verlagert sich die Runde in einen bizarren Nachtclub, wo die narzisstische Identitätskrise des Ich-Erzählers Dr. Franz-Xaver Schnepperling durch die Begegnung mit abweichenden Lebensentwürfen und Gespenstern der Vergangenheit ihren Höhepunkt erreicht. Auf der Schulsternwarte findet das Beisammensein im Morgengrauen ein abruptes Ende.

Die dreiteilige Anlage, die Szenenfolge und die seelischen Vorgänge übertragen die Struktur der Divina Commedia von Dante Alighieri ins 21. Jahrhundert. Stilistisch ist das Buch von großer sprachlicher Variation (Archaismen, Dialekt, Parodien), Wortspielen und Zitaten geprägt.

Bezüge zu Karl May

  • zahlreiche Zitate und Anspielungen auf Texte von und über Karl May (vom "Chodem" auf S. 11 bis zum "Freund der Haddedihn" auf S. 599)
  • Pseudonyme der in Fußnoten zu Wort kommenden "Redaktionsmitglieder" (Ramon Diaz de la Escosura, Richard Sonnenschein, Ernst von Linden, Dr. med. Heilig usw.)
  • ausführliche Diskussion über Karl Mays Lebensleistung und sein Verhältnis zur Körperlichkeit mit Bezugnahme auf Arno Schmidts Sitara und der Weg dorthin (S. 270-311),[2] darin
    • Parodie einer Wildwest-Szene mit Winnetou, Old Shatterhand und Hobble-Frank (S. 292-297)
  • "Sprung über den eigenen Schatten" (S. 428-430), gestaltet nach den Sprungszenen in Der Schut und Im Reiche des silbernen Löwen III
  • Vertonung des May-Gedichtes Im Alter (S. 527-532)
  • psychologische Motive: Narzissmus, Hochstapelei, Rollenspiel, Identitätskrise (ähnlich der Krise während Karl Mays Orientreise)
  • übergreifende Symbolik des moralischen Aufstiegs von Ardistan (hier: geistloser Wohlstand) nach Dschinnistan (hier: Blick zum Himmel), getrennt durch die demütigenden Erfahrungen einer "Geisterschmiede" (hier: Venusberg)

Anmerkungen

  1. Helmut Schmiedt: Literaturbericht I. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 2012, S. 336 f.
  2. Rechtswidrige Sauereien. In: Bargfelder Bote Nr. 359/2012, S. 14 f.

Weblinks