Ardistan

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Ardistan
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Ardistan und Dschinnistan I
Ardistan und Dschinnistan II
Merhameh
Mein Leben und Streben

Ardistan und Dschinnistan

Ardistan ist ein fiktiver Staat auf Sitara.

in "Der 'Mir von Dschinnistan"[Bearbeiten]

In Karl Mays Spätwerk "Der 'Mir von Dschinnistan" (später "Ardistan und Dschinnistan I und II") ist Ardistan der wichtigste Handlungsort. Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar werden von Marah Durimeh dorthin entsandt, um einen drohenden Krieg mit Dschinnistan zu verhindern. Halef erzählt über die Reise und das Land, das sie erwartet.

"Wir werden über drei Tage lang auf dem Wasser sein, ehe wir die Küste von Ardistan zu sehen bekommen. [...] Ardistan und Dschinnistan liegen nebeneinander,[...] oder vielmehr übereinander. Denn Ardistan liegt an der See und wird nur von einigen, nicht sehr bedeutenden Höhen durchzogen [...] In Ardistan herrscht ein Mir [...] Dieses Wort ist die Abkürzung von Emir, was so viel wie Fürst bedeutet. Der Mir von Ardistan ist ein Teufel [...]. Übrigens erzähle ich nur das, was ich gehört habe, und ob Du es glaubst, das ist nicht meine Sache, sondern Deine. Ich aber glaube es!"[1]

Ardistan wird hier als ein Reich geschildert, das nördlich vom Land der Ussul zwischen Tschobanistan und Dschinnistan liegt. Dschunubistan, Gharbistan, Scharkistan und Schimalistan sind Vasallenstaaten des Mir von Ardistan. Die Hauptstadt ist Ard, der wichtigste Fluss Ssul ist ausgetrocknet, weil ihn der Mir von Dschinnistan abgesperrt hat. Deshalb ist die ursprüngliche Hauptstadt des Landes zur Stadt der Toten geworden. Als Botschafter des Dschirbani reiten die beiden Freunde zum Mir von Ardistan.

Unsere Eskorte hatte uns schon anderthalb Tage lang durch ein Land geführt, welches sich immer gesegneter und fruchtbarer zeigte, je mehr wir uns der Hauptstadt näherten. [...] Das Terrain stieg langsam, aber ununterbrochen an. Das Land war bergig geworden. Aber die Berge waren nicht kahl, sondern teils dicht bewaldet, teils mit Reben oder Fruchtbäumen besetzt. Wo es eine breitere Ebene gab, sahen wir Häuser, Gärten und Felder liegen, und aus der Tiefe der Bergesengen glänzte fließendes Wasser zu uns herauf. Das war gegenüber der Wüste der Tschoban, die wir glücklich überwunden hatten, ein erfreulicher Anblick für uns.[2]

in "Merhameh"[Bearbeiten]

In der Erzählung " ‚Marhameh‘ " (spätere Fassung "Merhameh") reisen Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar mit Merhameh, der Tochter des Fürsten von Halihm, durch das Gebiet von miteinander verfeindeten Beduinenstämmen.

Es war im östlichen Teil von Ardistan, also tief im orientalischen Hinterlande. Der Ritt, auf dem wir uns befanden, war für mich und meinen kleinen, treuen Hadschi Halef Omar ein sehr ehrenvoller. Nämlich mein Freund Abd el Fadl, dessen hohe Stellung meine Leser sehr wohl kennen, hatte uns seine Lieblingstochter anvertraut, sie sicher nach dem fernen Wadi Ahza zu bringen, wo liebende Verwandte sie erwarteten.[3]

in "Das Märchen von Sitara"[Bearbeiten]

Im "Märchen von Sitara" in Karl Mays Autobiographie "Mein Leben und Streben" liegt Ardistan auf dem Stern Sitara, dem Gegenstück unserer Erde, und wird allerdings anders beschrieben:

Das Tiefland ist eben, ungesund, an giftigen Pflanzen und reißenden Tieren reich und allen von Meer zu Meer dahinbrausenden Stürmen preisgegeben. Man nennt es Ardistan. Ard heißt Erde, Scholle, niedriger Stoff, und bildlich bedeutet es das Wohlbehagen im geistlosen Schmutz und Staub, das rücksichtslose Trachten nach der Materie, den grausamen Vernichtungskampf gegen Alles, was nicht zum eigenen Selbst gehört oder nicht gewillt ist, ihm zu dienen. Ardistan ist also die Heimat der niedrigen, selbstsüchtigen Daseinsformen und, was sich auf seine höheren Bewohner bezieht, das Land der Gewalt- und Egoismusmenschen.[4]

Von Ardistan aus gelangt man über Märdistan (mit der Geisterschmiede im Wald von Kulub) nach Dschinnistan.

Sonstiges[Bearbeiten]

Als Ardistan bezeichnet Karl May auch seine Heimatstadt Ernstthal:

Ich bin im niedrigsten, tiefsten Ardistan geboren, ein Lieblingskind der Not, der Sorge, des Kummers. Mein Vater war ein armer Weber. ...[5]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Karl May: Der 'Mir von Dschinnistan. Deutscher Hausschatz, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1908, 1. Kap., S. 11.
  2. Der 'Mir von Dschinnistan. 4. Kap., S. 185.
  3. Karl Maÿ: ‚Marhameh‘ . Eichsfelder Marien-Kalender, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 1909, S. 117.
  4. Karl May: Mein Leben und Streben. Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1910, 1. Kap., S. 2.
  5. Karl May: Mein Leben und Streben, 2. Kap.