Tex Harding

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Tex Harding, eigentlich Heinrich Peskoller oder Heinrich Pescoller (* 1898; † ?), war ein österreichischer Schriftsteller, der lange Zeit in Amerika lebte und unter diesem Pseudonym Abenteuerromane schrieb. Zeitweise nannte er sich auch Harry Brown.

Leben

Die ersten 33 Lebensjahre Heinrich Peskollers lassen sich anhand der Selbstzeugnisse in seinem Buch Menschen die gejagt werden wie folgt darstellen: Die Vorfahren Peskollers (es ist nicht klar, ob dies sein Geburtsname oder der Familienname seines Stiefvaters ist) stammen aus dem Passeiertal in Südtirol, nördlich von Meran und Bozen. Die dort vor dem Zweiten Weltkrieg herrschende Armut und der Kinderreichtum zwangen viele Tiroler zur Auswanderung, so auch einen Onkel Peskollers.

Peskollers Vater war Kapitän auf einem Dreimaster. Vor dem Kriegshafen von Pola in der Adria geriet sein Schiff am 16. Dezember 1898 in einen Sturm, bei dem er vom umstürzenden Hintermast erschlagen wurde. Seine Frau erlitt durch den Schock eine Frühgeburt und somit erblickte Heinrich Peskoller zwei Monate zu früh das Licht der Welt. Heinrichs Mutter heiratete nach dem Trauerjahr wieder einen Angehörigen der k. u. k. Marine. Die Wohnung der Familie befand sich in der Gassergasse (sic!) in Wien. Das Vorhandensein einer Köchin, eines Kindermädchens und einer Portiersfrau zeugen von gutbürgerlichen Verhältnissen in denen der Knabe Heinrich aufwuchs.

Die Erzählungen des Stiefvaters, der als Seemann in der ganzen Welt herumgekommen war, ließen in der frühen Jugend schon so etwas wie Fernweh und Lust auf Abenteuer aufkommen. Dazu passend, las er dann als Schüler die Abenteuerromane Karl Mays und die Lederstrumpf-Erzählungen James Fenimore Coopers. Als entscheidendes Schlüsselerlebnis, das ihn prägte, sah später Peskoller die Erfahrung am Weihnachtsabend 1905. Seine Elten waren in Monte Carlo; die Köchin und das Kindermädchen ließen den Siebenjährigen am Heiligen Abend allein zuhause. Dieser Schock des Verlassenseins führte angeblich zum inneren Bruch mit den Eltern. Mit acht Jahren unternahm Heinrich, noch etwas ungeschickt, seinen ersten Fluchtversuch aus Wien. Nach einer Straßenbahnfahrt fuhr er mit einem Kahn donauabwärts. Schon bald wurde er von der Polizei aufgegriffen, zuhause abgeliefert und vom Stiefvater mit dem Rohrstock verdroschen. Der Stiefvater glaubte durch körperliche Züchtigung den Willen des schwer erziehbaren Kindes brechen zu müssen und fertigte sich dann nach alter Seemannsart eine neunschwänzige Katze an. Dass Heinrich weiterhin ein Problemkind blieb, zeigte sich 1908 beim Sommerurlaub der Familie in der Steiermark, als der Zehnjährige einen einheimischen Buben beim Töten von jungen Schwalben überraschte und den Übeltäter daraufhin so zusammenschlug, dass dieser 14 Tage lang krank darniederlag. Wieder folgte eine Prügelstrafe des Stiefvaters. Im Spätsommer 1908 unternahm Heinrich seinen zweiten Fluchtversuch, diesmal als blinder Passagier auf einem Güterzug in südlicher Richtung. Der Hund eines Bahnbeamten spürte den Ausreißer auf. Nach einem Aufenthalt in einem Waisenhaus in der Wiener Neustadt kam er wieder nachhause in die Gassergasse. Heinrich erkannte, dass er ohne Geld nicht weit kommen konnte. Die beste Möglichkeit an Geld zu gelangen, sah er in der Arbeit als illegaler "Packerltrager" in Konkurrenz zu den offiziellen Dienstmännern an den Wiener Bahnhöfen. Schnell merkte er, dass er mit erfundenen mitleiderregenden Geschichten die Trinkgelder erhöhen konnte. Dabei geriet er versehentlich an eine Frau Hofrat ..... , die mit seiner Familie bekannt war und ihn bei den Eltern verpetzte. Diese Schande für die Familie hatte wieder Prügel zur Folge.

1910 unternahm der Zwölfjährige seinen dritten und letztlich erfolgreichen Fluchtversuch. Von Wien aus gelangte er, meist als Bahnreisender, über Passau und Leipzig nach Hamburg, mit 170 Reichsmark in der Tasche, die er als Paketträger verdient hatte. In Hamburg mietete er sich ein Zimmer in einer billigen Herberge und orientierte sich erst einmal einige Wochen in dieser Großstadt. Er gab bei einer Körpergrösse von 1,60m sein Alter mit 16 Jahre an. Da er keine Möglichkeit sah, legal auf ein Schiff zu kommen, begann er eine Lehre als Stauermann (sic !) bei der Speditionsfirma Schenker & Co im Freihafen von Hamburg, eine Schwerstarbeit beim Be- und Entladen von Schiffen. An den Samstagabenden lernte er im Hippodrom (Pferderennbahn) auf der Reeperbahn das Reiten. Nach einigen Wochen kamen ihm die Eltern auf die Spur und ließen ihn polizeilich suchen. Gewarnt von einer Prostituierten aus seinem Wohnheim und von seinen Arbeitskollegen, tauchte er in Hamburg unter. Er vergaß es diesen Leuten nie, dass sie auch noch Geld für seine Flucht gespendet haben. Seine Ausweispapiere verbrannte er. Aber ohne Papiere konnte man, noch dazu in seinem Alter, nirgendwo anheuern. Sein erklärtes Ziel war Südamerika. Auf der Börsplain, die dieses Ziel anpeilte, versteckte sich Heinrich, um als blinder Passagier mitzufahren. Drei Tage nach der Abfahrt verließ er sein Versteck und wurde dem Kapitän vorgeführt. Da er seine Identität nicht gleich preisgab, schlug ihn der gefühllose Kapitän zusammen. Für den Rest der Reise musste Heinrich als Heizermoses täglich von 6.00 bis 24.00 die niedrigsten Tätigkeiten verrichten. Als Sündenbock bekamm er die ganze Brutalität der Mannschaft, insbesondere der Heizer, zu spüren und wurde aus den geringsten Anlässen geschlagen. Der Matrose Karl Bold, ein ehemaliger Berufsboxer zeigte Mitgefühl und gab Heinrich Boxunterricht, damit er lernte, sich im Leben zu wehren. In Pernambuco (heute Refice) in Brasilien konnte der inzwischen dreizehnjährige Heinrich die Börsplain verlassen. Auf dem Marktplatz überredete er einen farbigen Polizisten, ihn für eine Packung Zigaretten einige Male auf dessen Dienstpferd um den Marktplatz reiten zu lassen. Er nützte diese Gelegenheit aus, um das Weite zu suchen und mit dem gestohlenen Dienstpferd innerhalb von drei Wochen in das 600 km südlich gelegene Bahia (heute Salvador) zu fliehen. Nach dem Verkauf des Reittiers begannen nun die 20 Jahre Abenteuer in Amerika, die ihm später den Stoff für seine Romane liefern sollten.

Zunächst suchte er die Bekanntschaft und Freudschaft von älteren Tramps, von denen er etwas lernen konnte. Er wurde u. a. Freund des damals "größten Revolverhelden" Sam Kelly, genannt Slim, der ihn zu einem hervorragenden Schützen ausbildete. Ihm setzte Heinrich im Roman 76 Kilo Gold später ein Denkmal. In verschiedenen südamerikanischen Ländern war Heinrich dann als Goldwäscher, Speckjäger, Fallensteller, Tramp, Perlenfischer, Minenvorarbeiter, Gaucho (berittener Rinderhirte in Argentinien), Waldläufer und Tierfänger für einen U.S.-Zirkus tätig. Er arbeitete zeitweise auch für die Standard Oil am Fluss Magdalena. In der Stadt Bogota trat er als Kunstschütze in einer Zirkusnummer auf. Gelegentlich musste er in Zeiten der Not seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten als Mechaniker, Tischler oder Dachdecker verdienen. Den Kontakt zur Mutter in Österreich hat er über die Jahre aufrechterhalten; er erwähnt, dass er ihr lange Briefe geschrieben hat. In Mexiko nahm er in den Revolutionswirren in der Mitte der 1920er Jahre, vom Hunger getrieben, eine Stelle als Hauptmann in der Armee des General Murgilla - leider auf der Verliererseite - an. Der zum Erschiessen verurteilte Peskoller wurde am Richtplatz aufgrund des Grossmutes des Kriegsministers General Serano begnadigt. Als er wieder hungerte, bat er Serano um eine Anstellung. Nach einer Vorführung seiner atemberaubenden Schiesskünste nahm ihn Serano als Übersetzer im Rang eines Majors in seine Dienste. Da Serano wusste, dass es Heinrich nie lange an einem Ort aushält, lobte er ihm die Summe von 10.000 Dollar aus, falls er es zum Ruhme Mexikos fertigbrächte,die Strecke von Mexiko-Stadt bis Rio de Janeiro auf dem Pferderücken zu bewältigen. Tatsächlich schafft Heinrich diese Aufgabe innerhalb von etwas mehr als zweieinhalb Jahren von etwa 1926 bis 1928. Zwar wurde in der Zwischenzeit Serano 1927 ermordet; da er aber die Prämie noch zu Lebzeiten bei der Kanada-Bank in Rio hatte hinterlegen lassen, kam Peskoller zu seinem verdienten Lohn. In den USA arbeitete er in den Staaten Texas und Arizona als Cowboy.

1931 beschloss Heinrich Peskoller, wieder nach Europa zurückzukehren. Er scheint nicht unvermögend gewesen zu sein, da er es sich leisten konnte, seine Jagdtrophäen über die Dienste der Speditionsfirma Schenker & Co mit nach Deutschland zu nehmen.

In den folgenden neun Jahren erscheinen seine fünf Bücher bei zwei Berliner Verlagen. Über sein Privatleben nach 1931 ist derzeit so gut wie nichts bekannt.


Werke

Verschollen. Auf den Spuren des Obersten Fawcett, Berlin 1933, Ullstein-Verlag

In diesem Roman schildert der Autor in der Ich-Erzählform, wie der Romanheld in den Wirren der Mexikanischen Revolution in der Mitte der 1920er Jahre knapp dem Tod durch Erschiessen entkommt und sich dann später mit dem Piloten und Sohn reicher US-Bürger, Jimmy Burnes, in Brasilien mit Hilfe eines Flugzeugs im Urwald auf die Suche nach dem verschollenen englischen Forscher Oberst Fawcett macht.

Die Insel des Nachtmärchens. Ein abenteuerlicher Roman aus den Tropen, Berlin 1934, Ullstein-Verlag

Der Roman in der Ich-Erzählform beginnt mit der Ankunft eines deutschen Abenteurers, der als blinder Passagier auf einem Schiff reiste, in Guyaquil in Ecuador. Dort lernt er zwei Matrosen kennen, einen Iren und einen Kalifornier. Der Ire weiss angeblich von einem Schatz auf den Galapagosinseln. Wohlhabende Geschäftsleute unterstützen die drei Freunde bei der Bergung einer herrenlosen Segeljacht aus dem Hafenbecken und deren Renovierung. Zu ihnen gesellt sich noch Loa aus Tahiti. Auf den Galapagos finden sie zwar nicht den gesuchten Schatz, jedoch viele Perlen beim Tauchen. Der Tahitianer und der Kalifornier kommen dabei durch Raubfische ums Leben. Der Ire stirbt bei der Rückfahrt an einer Blinddarmentzündung und der Held und Erzähler überlebt den Schiffbruch bei einem Sturm nur mit dem nackten Leben.

76 Kilo Gold / Abenteuer zweier Tramps in Südamerika, Berlin 1935, Ullstein-Verlag

In diesem Roman erzählt der Autor in der Ich-Form, wie sich die Hauptperson Tex von seiner Geliebten, der Gattin eines reichen Minenbesitzers, trennt, um mit dem Freund Slim - es ist der Revolverheld Sam Kelly - im bolivianischen Urwald nach Gold zu suchen. Schliesslich gelingt es ihnen nach unglaublichen Strapazen insgesamt 76 Kilo Gold zu finden. Doch wie gewonnen, so zerronnen : Slim verjubelt sein Vermögen mit einer zwielichtigen Frau und Tex geht bei der vermeintlich sicheren Geldanlage einem Betrüger auf den Leim. Am Ende bleibt beiden nicht anderes übrig, als nochmals auf Goldsuche zu gehen.

Menschen die gejagt werden / Aus meinem Leben, Berlin 1938, Verlag Erich Zander

Dieses Buch, ein Erlebnisbericht (also kein Roman) in der Ich-Erzählform, berichtet von der Zeit um 1916, als sich der Autor in Kolumbiens Hauptstadt Bogota aufhält. Er lernt dort das Barmädchen Margarita, seine erste grosse Liebe, kennen. Als sie eines Abends belästigt wird, ergreift er mit dem Revolver in der Hand ihre Partei und löscht mit Schüssen alle Lampen. Daraufhin verwüsten die Gäste in der Dunkelheit die Bar. Im Polizeigewahrsam wird zufällig Coronel Reyes auf Heinrich aufmerksam. Reyes, beeindruckt von Heinrichs Schiesskünsten, bietet ihm wider Erwarten eine Stelle bei seinem Sonderkommando zur Verbrecherbekämpfung an. Das Buch schildert die Jagd nach dem Verbrecher Manuel Zoro, der sich oft als Pater verkleidet, und dessen Ende. Zwischendurch erzählt der Autor Heinrich Peskoller seinen eigenen bisherigen Lebenslauf in Rückblicken.

Diamantenrausch / Diamantensucher in den Bergen Brasiliens, Berlin 1939, Verlag Erich Zander

In diesem Roman ist der brasilianische Edelmann und Unternehmer Rey Nobles die Hauptfigur. Bei einem Autounfall mit einem Tramp, der dabei ums Leben kommt, gelangen dessen Aufzeichnungen und Pläne über Diamantenfunde im brasilianischen Dschungel in Nobles Hand. Wir erfahren, wie es ihm gelingt, eine Abbaugenehmigung zu erlangen und wie er die Abenteuerer zur Diamantensuche anlockt; sie müssen ihm für seine Dienste 20 Prozent ihres Fundes abgeben. Mit in das Geschehen einbezogen werden die aus München geflohene 21jährige Alve Bernt, ihr zwielichtiger Ehemann Donald Webster und der aus dem Gefängnis Plötzensee getürmte Verbrecher Walter Sigerski. Am Ende, nach allerlei Rebellionen im Diamantensuchercamp und den Schwierigkeiten mit den eingeborenen Indios, kann Rey Nobles die verwitwete Alve in seine Arme schliessen.

Verschollen. Auf den Spuren des Obersten Fawcett, Teil I und II, Neue Abenteuer Nr. 116 und 115 (2 geklammerte Hefte), Berlin 1957, Verlag Neues Leben

Dschungelgold (erschienen in der Buchreihe Welt der Abenteuer), Bamberg 1967, Karl May-Verlag

Im Prinzip handelt es sich um eine Neuauflage des Romans 76 Kilo Gold. Neu ist jedoch das an den Anfang gestellte Kapitel In den Minen. Darin wird das Leben des Helden (Spitzname "Viena" ; für die Untergebenen ist er Don Enrique) als Vorarbeiter von Minenarbeitern geschildert. Wir lesen, wie er mit der schönen jungen Frau des Minenbesitzers eine Liebesbeziehung beginnt und in seiner Freizeit als erfolgreicher Boxer auftritt. Erst der Hauptteil des Buches, die Suche nach Gold zusammen mit Slim, ist fast idendisch mit 76 Kilo Gold. Die textlichen Abweichungen bei etlichen Formulierungen gehen vielleicht auf den Herausgeber der Reihe Welt der Abenteuer / Meisterwerke der Spannung, Roland Schmid, zurück. Dass die Auflage von 1967 umfangreicher ist, als die Ursprungsausgabe von 1935, lässt vermuten, dass der Karl May-Verlag diese längere Alternativfassung des Romans direkt in Manuskriptform vom Autor Heinrich Peskoller bekommen haben könnte.

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