Räthsel (Die Kaffeetassen)
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Ein Räthsel ohne Verfasserangabe wurde im Allerlei in Nummer 47 der von Karl May redaktionell betreuten Zeitschrift Frohe Stunden veröffentlicht.
Text[Bearbeiten]
- Zwei Schwestern, einst zugleich geboren,
- Sind sich an Stoff und Farbe gleich,
- Sie haben gleichen Dienst erkoren
- In der Berufe weitem Reich.
- Doch wie verschieden ist ihr Streben!
- Die Eine nennt sich Oberin,
- Genuß und Hochmuth ist ihr Leben,
- Stolz schaut sie auf die Andre hin.
- Demüthig liegt die ihr zu Füßen,
- Demüthig harrend spät und früh;
- Doch von dem Fetten und dem Süßen
- Giebt’s Tröpfchen, Brödchen nur für sie.
- Die Erste schwelgt in heißen Gluthen,
- In jeglichem Arom und Schaum;
- Nur wenn die Wogen überfluthen,
- Denkt sie der Schwester wie im Traum.
- Auffordernd stemmt sie in die Seite
- In keckem Uebermuth den Arm,
- Und stellt sich wie ein Held zum Streite.
- Die Nied’re schaut es voller Harm.
- Man ehrt sie gar mit einer Krone,
- Wenn man ihr Köstliches vertraut;
- Da steht sie, stolz wie auf dem Trone,
- Wohl eine schöne Königsbraut.
- Doch kommt der Hochmuth leicht zu Falle,
- Es bricht der Arm, die Krone fällt,
- Ja in dem täglichen Kravalle
- Wird gar die Heldin selbst zerschellt.
- Die Schwester ist von festrer Dauer,
- Sie wandert ganz allein nun fort,
- Und nach der ersten tiefen Trauer
- Wagt sie nun auch ein eignes Wort.
- Sie nimmt und träget, deckt und speiset
- Und wirkt im Dienst der Menschheit treu;
- Wenn sie auch die Verlass’ne heißet,
- Zur Geltung kommt sie jetzt auf’s Neu.
- Doch fühlt sie immer sich allein,
- Wie sehr sie auch gesucht mag sein,
- Mir scheint es, daß sie still beweine
- Das schöne, stolze Schwesterlein.
Auflösung in Nummer 52: Die Kaffeetassen.