Paul Flascha

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Bild im Leseralbum

Paul Peter Vincenz Flascha[1] * 29. Juni 1862 in Beuthen; † 5. Dezember 1933 in Schönwald bei Gleiwitz)[2]‬‬‬‬‬‬ war ein römisch-katholischer Priester in Schlesien, dessen Bild sich im Leseralbum Karl Mays findet.

Leben und Wirken

Flascha wuchs in seiner schlesischen Geburtsstadt Beuthen auf, dem heutigen polnischen Bytom. Nach einem Studium der katholischen Theologie in Breslau und in Bayern wurde er am 26. Juni 1886 vom Breslauer Weihbischof Hermann Gleich zum Priester geweiht.[3] Bis zum Sommer des Folgejahres war er Vikar in der Breslauer Kathedrale. Ab dem 20. Juni 1887 wirkte er in Ratibor (Racibórz) als Kaplan an der Mariä-Himmelfahrt-Kirche, auch Liebfrauenkirche genannt.[4]‬ ‬

In Ratibor widmete Flascha sich neben seinen seelsorgerischen Aufgaben besonders der Entwicklung des Vereinswesens. 1891 gründete er ein katholisches Vereinshaus in der Stadt. In den Jahren 1867-1900 war er Präsident der örtlichen Jagiellonen-Gesellschaft. Nachdem sich frühere katholische Musikvereine wieder aufgelöst hatten, ist es „am 22. November 1888 [...]dem Kaplan Paul Flascha gelungen, einen neuen Cäcilienverein zu gründen, der ein Jahr später schon 237 Mitglieder zählte. Dieser Chor sang seit 1890 Werke von Moritz Brosig, Michael Haller, Joseph Hanisch, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Bruno Stein, Franz Xaver Witt u.v.a.“[5] Paul Flascha blieb auch nach seinem Studium im Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) aktiv.[6]

Durch einen Unfall geriet Flascha 1893 in die Presse: „Während der Generalversammlung des katholischen Arbeitervereins im Tivolisaale zu Ratibor, stürzte der mächtige Gaskronleuchter mit gewaltigem Krache herab. Wunderbarerweise wurde nur der Oberkaplan Flascha verletzt, obwohl der Gesammtvorstand und die Ehrengäste darunter saßen.“[7]

Das Foto, das er an Karl May schickte, ist mit "4. 11. 1898" datiert und fällt damit in die letzte Phase seiner Zeit als Kaplan in Ratibor. (Weitere Kontakte zu May sind derzeit nicht belegt.)

In den Jahren 1900-1905 war Flascha Pfarrer und Schulinspektor in Bukowiec. Danach bis zu seinem Tod 1933 wirkte er als Pfarrer in Schönwald, dem heutigen polnischen Bojków, bei Gleiwitz (Gliwice). In Schönwald trug er wesentlich zur Entwicklung der Region bei, indem er unter anderem im Bauernverband und der Katholischen Arbeiterassoziation mitwirkte. 1908 siedelte er Nonnen im Ort an, die einen von Flascha gegründeten Kindergarten, eine Dorfklinik und ab 1911 auch für Mädchenschule betreuten. Aufgrund seiner Aktivitäten wurde er 1910 er zum „Erzpriester des Archipresbyterats Gleiwitz“ befördert.[8]

Daneben fand er Zeit für vielfältige Interessen. So half er dem Breslauer Germanisten Konrad Gusinde bei der Erforschung des regionalen Dialekts.[9] Flascha wirkte auch als Lehrer am Ciepliksches Konservatorium, einer von Thomas Cieplik 1912 in Beuthen gegründeten privaten Musikhochschule.[10]

1912 erhielt Flascha vom preußischen König für seine Leistungen als Geistlicher, Aktivist im Vereins- und Musikwesen den Rote Adlerorden verliehen, einen Verdienstorden, der 1705 unter der Bezeichnung Ordre de la sincérité („Orden der Aufrichtigkeit“) gestiftet wurde.[11]

Paul Flascha verstarb 1933 nach längerer Krankheit. Sein Grab befindet sich in der Pfarrkirche „Geburt der Mutter Gottes“ von Bojków. Die Grabplatte trägt neben der Aufschrift „Geistlicher Rat Erzpriester Pfarrer Paul Flacha“ die Geburts-, Weihe- und Sterbedaten.

Werke

  • Lose Blätter aus dem Album des katholischen Gesellen-Vereins in Ratibor. Racibórz: Druck und Verlag von Rudolph Müntzberg, 1892.
  • Rede des hochwürdigen Herrn Oberkaplan Paul Flascha: gehalten aus Anlaß der 22. General-Versammlung des Oberschlesischen Bezirks-Cäcilien-Vereins in der Pfarrkirche zu Leobschütz nebst einem Anhang, welcher den Festbericht enthält. Breslau: Grosser & Comp. 1893.

Anmerkungen

  1. Vollständige Vornamen nach Walther Killy, Dietrich von Engelhardt, Rudolf Vierhaus: Deutsche biographische Enzyklopädie. Band 11, Teil 1. München: K.G. Saur 2000, S. 510
  2. Lebensdaten nach Jan Karol Maćkowski, Joachim Glensk:‬ Wspomnienia ślaskie. Instytut Ilaski 1970, S. 23, Anm. 10, und Maciej Droń: Bibliografia Bytomia 1989-1993. Bytom: Miejska Biblioteka Publiczna im. prof. Władysława Studenckiego 1997.
  3. Schlesisches Pastoralblatt, 7. Jahrgang Nr. 14, 15. Juli 1886, S. 123
  4. Konrad Hartelt: Ferdinand Piontek (1878-1963): Leben und Wirken eines schlesischen Priesters und Bischofs. Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2008,‬‬ S. 15, Anm. 50
  5. Peter Baron: Das Musikleben in Ratibor . In: Zeszyty Eichendorffa – Eichendorff-Hefte Nr. 13, 2006, S. 42-59, hier S. 44
  6. CV: Verzeichnis der in Schlesien und Posen wohnenden Alten Herren. Breslau 1909, S. 42.
  7. Wöchentliche Anzeigen für das Fürstenthum Ratzeburg 1893, Nr. 26, S. 7
  8. Schlesisches Pastoralblatt, 31. Jahrgang Nr. 4, 15. Februar 1910, S. 37
  9. Konrad Gusinde: Eine vergessene deutsche Sprachinsel im polnischen Oberschlesien (die Mundart von Schönwald bei Gleiwitz). Breslau: Marcus 1911, S. VIII
  10. Kürschners deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1917, Band 39, S. 423.
  11. Deutscher Reichsanzeiger 1912, Nr. 279.