Friedrich Wilhelm Schütze: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 1. Dezember 2019, 16:47 Uhr

Friedrich Wilhelm Schütze (* 19. April 1807 in Döcklitz; † 12. Februar 1888 in Gohlis bei Leipzig) war Seminardirektor des Waldenburger Lehrerseminars und Autor auf dem Gebiet des Seminar- und Volksschulwesens.

Leben

Schütze wurde am Weißenfelser Seminar von 1824 bis 1827 zum Lehrer ausgebildet und trat 1827 seinen Beruf am Freiherrlich von Fletscher'schen Schullehrerseminar zu Dresden an. Von 1830 bis 1832 war er zudem nebenher an der Kgl. Blindenanstalt beschäftigt. 1842 nahm er in Leipzig das Studium der Theologie auf. 1844 wurde er Direktor des Seminars in Waldenburg. 1877 erhielt Schütze aus Anlass seines 50-jährigen Lehrerjubiläums den K. Sächsischen Verdienst-Orden 1. Klasse sowie Titel und Rang eines Schulrates verliehen. Seine Emeritierung erfolgte 1885, dabei erhielt er Titel und Rang eines Oberschulrats verliehen.[1]

Die Chemnitzer pädagogischen Blätter (2. Jg., Nr. 14, 3. Juli 1869) urteilten über ihn:

[Schütze war ein] Director, über dessen Gereiztheit, Heftigkeit und Launenhaftigkeit sogar den Seminarlehrern häufig Klagen zu Ohren gekommen sind. Das Ehrgefühl der jungen Leute wurde oft auf das Empfindlichste durch Dir. Schütze verletzt. Kleinigkeiten, wie z. B. Lachen, mit den Fingern schnappen, um die Bänke jagen, in den Freistunden ein Glas Bier im Wirthshause trinken, Billard spielen etc. zogen zuweilen eine oder auch mehrere folgender Strafen nach sich: Großer Solo-Rüffel vor dem Director; Rüge vor dem Cötus; Betrachtungen über ungerathene Schüler, eingeflochten in die Abendandacht unter Benutzung von Bibelstellen wie Hesekiel 37,1-14; Minderung der Sittencensur um 2-3 Grad; Androhung der Entlassung des Schülers; sonntäglicher Hausarrest oft auf viele Wochen; ja sogar, was wir nur mit Betrübniß constatiren, in einzelnen Fällen Schläge. In Folge dieser harten Behandlung wurde der Director Schütze von allen Zöglingen gefürchtet.[2]

Veröffentlichungen

  • Praktisch-theoretische Anweisung für den Unterricht in der Harmonielehre. 1835, ²1841 (als Praktisch-theoretisches Lehrbuch der musikalischen Composition.), ³1848, 6. Auflage 1883
  • Kleine Compositionslehre. Hand- und Wiederholungsbüchlein. Dresden und Leipzig 1836, ²1844
  • Generalbaß für Dilettanten. Dresden und Leipzig 1837, 4. Auflage 1872
  • Handbuch zur praktischen Orgelschule. 1838, 6. Auflage 1877
  • Praktische Orgelschule. Dresden und Leipzig, 7. Auflage 1884
  • Kleine Orgelschule.
  • Praktischer Lehrgang für den Gesangsunterricht in Volksschulen. Leipzig, 1843
  • Beispielbuch zur dritten Auflage des "praktisch-tehoretischen Lehrbuchs der musikalischen Composition" sowie zur zweiten Auflage der "kleinen Compositionslehre."
  • Schullehrerbibel. Erster Theil: das Evangelium Matthäi. Dresden und Leipzig 1846
  • Schullehrerbibel. Zweiter Theil: die Evangelien des Marcus, Lucas und St. Johannes
  • Evangelisches Kirchenpräludienbuch nebst Commentar. (Mit Johann Schneider) Dresden und Leipzig, 1849
  • Die Seminarnoth und ihre Abhülfe. 1851
  • Entwürfe und Katechesen über D. Martin Luthers kleinen Katechismus. 3 Bände, 1865 bis 1868
  • Praktische Katechetik für evangelische Seminare und Lehrer. Leipzig, 1879, ²1883
  • Leitfaden für den Unterricht in der Erziehungs- und Unterrichtslehre. Leipzig 1879, ³1885
  • Evangelische Schulkunde. 6. Auflage 1884
  • Pädagogisches Repetitorium.

Friedrich Wilhelm Schütze und Karl May

Am 17. September 1856 erhält Karl May von Schütze die Ladung zum Waldenburger Aufnahme-Examen für den 25. September.

Am 23. Oktober 1858 bittet Schütze den Grafen Otto Viktor von Schönburg-Waldenburg um weitere Unterstützung für den hintergräflich-Schönburgschen Unterthan Karl May.

Mays Kerzendiebstahl im Advent 1859 wird durch zwei Mitschüler dem Direktor gemeldet. Eine außerordentliche Lehrerkonferenz wird einberufen. Dazu Hainer Plaul:

Die Waldenburger Lehrerschaft, indes selbst nicht sicher, wie die Angelegenheit bereinigt werden könnte, überließ die Entscheidung darüber – ohne eigene Vorschläge zu unterbreiten – ganz dem Ermessen des zuständigen Ministeriums. Nachdem sich das Gesamtkonsistorium als Zwischeninstanz für die Entlassung Mays ausgesprochen hatte, stimmte das Ministerium unter Berücksichtigung des gesamten, bisherigen Verhaltens Mays diesem Vorschlag zu. Da diese Einschätzung des Gesamtverhaltens auf einen Bericht des Seminardirektors Friedrich Wilhelm Schütze (1807-1888) zurückging, in welchem auch einige schon länger zurückliegende Disziplinarverstöße Mays dargelegt wurden, hat freilich auf diese Weise letztlich auch er zu dieser kultusministeriellen Enstscheidung beigetragen.[3]

Vom heimischen Pastor Carl Hermann Schmidt unterstützt, richtet May am 6. März 1860 ein Gnadengesuch an das sächsische Kultusministerium. Wenig später schließt sich Pastor Schmidt dem Gesuch an. Selbst der Waldenburger Seminardirektor Schütze betätigt sich jetzt als Fürsprecher. Ihm ist es wohl nicht zuletzt zu verdanken, dass Karl May an der Aufnahmeprüfung am 2. Juni 1860 in Plauen teilnehmen durfte.

Das von Friedrich Wilhelm Schütze verfasste Werk Praktische Orgelschule wurde als Lehrbuch am Seminar in Plauen eingesetzt.[4]

Anmerkungen

  1. Georg Müller: Schütze: Friedrich Wilhelm S. In: Allgemeine deutsche Biographie. Band 33, S. 140 ff. (Onlinefassung)
  2. Gerhard Klußmeier/Hainer Plaul: Karl May und seine Zeit, S. 42.
  3. Hainer Plaul: Anhang. In: Karl May: Mein Leben und Streben. Reprint Hildesheim-New York ³1997, Anm. 101.
  4. Hans-Dieter Steinmetz: "Plauen ist mir nämlich ans Herz gewachsen". In: Karl-May-Haus Information Nummer 17/2003, S. 42.

Literatur