Familie Lieberknecht

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Richard Lieberknecht (* 1873; † 1942), seine Frau Lucia Lieberknecht geborene Handke (* 1879; † 1972) und die gemeinsame Tochter Rut Lieberknecht (* 1904; † 1972) waren mit Sascha Schneider und mit Klara May eng befreundet.

Ansichtskarte 1920: Maschinenfabrik Karl Lieberknecht Oberlungwitz (rechts unten)

Firma "Lieberknecht" in Oberlungwitz

Gegründet wurde die Firma im sächsischen Oberlungwitz von Friedrich Wilhelm Lieberknecht, der sie an seine Söhne Theodor Cornelius und Karl Ludwig übergab. Nachdem sich Theodor 1880 zurückgezogen hatte, führte Karl Ludwig die Firma allein weiter und übergab sie seinem Sohn Richard.

Richard Lieberknecht brachte als der Inhaber der Wirkmaschinenfabrik Karl Lieberknecht KG (KALIO) zu Weltruf, da er die dortige Strumpf- und Strumpfmaschinenindustrie entscheidend veränderte. Zusammen mit seinen Mitarbeitern entwickelte Lieberknecht die Cottonmachine bis zur KALIO-Komplettmaschine. Diese ermöglichte es, den ganzen Strumpf mit Ferse, Doppelrand und voll ausgeformt in einem Arbeitsgang zu wirken.[1] Um 1929 betrug die Belegschaft rund 1.000 Personen.

Am 11. Dezember 1929 wurde Richard Lieberknecht auf Vorschlag der Abteilung für Maschinenbau der Technischen Universität Braunschweig der Titel Doktor-Ingenieur Ehrenhalber verliehen.[2]

Lieberknechts und Sascha Schneider

Durch den Mäzen Johannes Mühlberg (* 1869; † 1949) und seine Frau Margarethe (Grete) geb. Hähnel-Fuchs (* 1873; † 1950) entstand Ende 1922 der Kontakt des Ehepaars Lieberknecht zu Sascha Schneider. Bei ihrem ersten Besuch in dessen Loschwitzer Atelier sahen sie Schneiders Gemälde Tobias und Raphael, welches sie später kauften. Lucia schrieb später dazu in ihren Memoiren:

Sascha bat, uns zu Neujahr[3] den Tobias selbst nach Lungwitz[4] bringen zu dürfen, was wir gern annahmen. Es hatte sich dann eine ausserordentliche Freundschaft zu ihm ergeben.[5]

Richard und Lucia Lieberknecht setzten ihre Förderung Sascha Schneiders fort. Im Herbst 1923 verbrachte der Maler mehrere Wochen bei Lieberknechts in Oberlungwitz, wo er für sie das Wandbild Griechische Landschaft schuf.[6]

Weiterhin finanzierte das Ehepaar Schneiders Aufenthalt in Italien im Winter 1923/24.[7] Im Jahre 1925 bereisten Richard Lieberknecht und Sascha Schneider zusammen Sizilien, wie Schneider in einem Brief an Klara May ankündigte.[8].

In Hansotto Hatzigs Verzeichnis Sascha Schneiders Werke[9] sind 14 Bilder Schneiders aufgeführt, die Richard und Lucia Lieberknecht erworben hatten, darunter Ölfassungen von Judas Ischariot und Am Jenseits (beide 1922).

Die 1967 in Kiel lebende Rut Lieberknecht wird als Besitzerin der Kartons Das Gefühl der Abhängigkeit und Der Anarchist (beide von 1893) genannt. Außerdem gehörten ihr 16 Aquarelle, die Sascha Schneider 1923 oder 1924 in Italien anfertigte.[10]

Außerdem nennt Hatzig einmal Klaus Lieberknecht[11] und zweimal Lieberknecht, Pöcking[12] als Besitzer von Schneider-Bildern. Es handelt sich dabei um den Sohn von Richard und Lucia Lieberknecht.

Lieberknechts und Klara May

Klara May und Lucia Lieberknecht (l.) an den Niagara-Fällen auf ihrer Amerikareise 1930

Richard und Lucia Lieberknecht freundeten sich Mitte der 1920er Jahre durch Vermittlung Sascha Schneiders mit Karl Mays Witwe Klara an. Daraus entwickelte sich eine sehr enge Freundschaft, die bis zum Tod von Klara May 1944 andauerte. Gemeinsame Interessen waren neben gesellschaftlichen Anlässen vor allem das Erbe Karl Mays, Begegnungen mit Künstlern, Interesse an Kunst, Kultur und Gesprächen.

Klara May verkehrte regelmäßig im Hause Lieberknecht (Aufzeichnungen im Gästebuch der Familie). Als Lieberknechts 1929 eine repräsentative Villa am Weißen Hirsch in Dresden (Zeppelinstr. 7) kauften und hier ein großzügiges Haus führten, lebte Klara May immer wieder längere Zeit dort.

Da das Ehepaar Lieberknecht aus geschäftlichen Gründen mehrfach in die USA reiste, entstand die Idee der gemeinsamen Reise auf den "Spuren Karl Mays" in den USA. Diese Amerikareise fand vom 27. August bis 18. Oktober 1930 statt. Das ausführliche Tagebuch von Lucia Lieberknecht über diese Reise ist leider verloren gegangen. Klara May veröffentlichte dagegen 1931 ihren Bericht Mit Karl May durch Amerika.

Von der gemeinsamen Weltreise 1934 existieren allerdings Fotos und Filmfragmente, die sehr ausführlich in der Ausstellung Klara May als Fotografin, Radebeul 2014, wiedergegeben wurden.

Die Namen Richard und Lucia Lieberknechts finden sich auf dem Beteiligungs-Verzeichnis zur geplanten Kranzniederlegung an Karl Mays Grabmal in Radebeul am 25. Februar 1942.[13]

Anmerkungen

  1. Vgl. den Abschnitt Die Entwicklung der Cottonmaschine in Oberlungwitz im Artikel Oberlungwitz in der großen Wikipedia.
  2. Katalog des Universitätsarchivs der Technischen Universität Braunschweig Ehrendoktoren 1900–1986 alphabetisch, S. 11.
  3. Gemeint ist der 1. Januar 1923.
  4. Gemeint ist Oberlungwitz.
  5. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 451, Anm. 11.
  6. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 449, Anm. 11.
  7. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 453.
  8. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 463.
  9. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 209-218.
  10. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 217.
  11. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 215.
  12. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 217.
  13. Vgl. Hans-Dieter Steinmetz: Karl Mays Grabmal in Radebeul. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1995, S. 12–91, insb. S. 49 f. (Onlinefassung)

Literatur