Zirkus Sarrasani

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hans Stosch-Sarrasani sen.

Sarrasani war bis 1945 als Zirkus-Imperium für menschlichen Wagemut und tierische Einzigartigkeit weltberühmt. Der Zirkus mit großem steinernen Haus in der heutigen Sarrasanistraße des Dresdner Regierungsviertels wurde bei den Luftangriffen auf Dresden 1945 zerstört. 1956 erfolgte die Neugründung durch Fritz Mey-Sarrasani, den Vater des heutigen Circuschefs André Sarrasani.

Geschichte

Der Zirkus in Dresden

Die Familie Sarrasani trat schon vor 1900 mit Dresden in Beziehung, man trat mit einem Minizirkus, bestehend aus Hunden, Affen, einem Bär und einem Schwein in Dresden-Strehlen auf. Als es dann mit dem "größten und elegantesten Zelt-Circus Europas" (aus einer Sarrasani-Anzeige von 1902) auf Reisen ging, führte ihn der Weg regelmäßig in die Residenzstadt, die durch Ernst Jakob Renz' (* 18. Mai 1815 in Böckingen bei Heilbronn; † 3. April 1892 in Berlin) Gastspiele als "gute Zirkusstadt" bekannt war. Sarrasani spielte mit Vorliebe auf dem freien Platz neben dem Jägerhof in der Neustadt, wo bereits 1746 ein Hetz-Amphitheater gestanden hatte.

Nachdem Stoschs Versuche einen stationären Zirkus zu errichten in anderen Städten wie Berlin fehlgeschlagen waren, orientierte er sich auf dieses Gelände und fand bei den Stadtvätern größtes Entgegenkommen. Am 27. Mai 1910 verkaufte die Stadtgemeinde Dresden diesen inzwischen erweiterten "ungefähr 5.632 m² großen Baublock zum Preise von 80 (achtzig) Mark - Pf für das m²" (aus dem Kaufvertrag) an Hans Stosch-Sarrasani mit der Auflage "binnen ein und demselben Jahre von der Übergabe des Landes an einen massiven Zirkus zu errichten, der im Innern allen Ansprüchen der Neuzeit und in seiner äußeren Gestaltung höheren stadttypischen architektonischen Ansprüchen entspricht" (aus dem Kaufvertrag).

Im Mai 1911 begannen die Bauarbeiten, an denen über 20 Firmen beteiligt waren und obwohl einige Quengeleien zwischen den beiden Kontrahenten Stosch und Renz die Arbeiten hinauszögerten, wurden die Bauarbeiten am Zirkus Sarrasani am 19. September 1912 erfolgreich beendet.

Am 22. Dezember 1912 wurde das "Circus-Theater 5000", in welchem nach polizeilichen Unterlagen 3.860 Menschen einen Platz fanden, mit einer grandiosen Wohltätigkeitsveranstaltung unter Anwesenheit der Königsfamilie eingeweiht. "Die Eröffnung des Zirkus Sarrasani war die Sensation dieses vierten Advents für die hiesigen Gesellschaftskreise. Was Sarrasani der Stadt Dresden gegeben hat, erlebten wir gestern; die kommenden Wochen werden zeigen, was die Stadt Dresden Sarrasani zu geben hat." (Dresdner Neueste Nachrichten, 1912)

Plakat zur Wildwestschau

Im Oktober 2004 kehrte Sarrasani mit der Dinner-Varieté-Show "Trocadero" nach Dresden zurück. Betreiber ist der 32-jährige André Sarrasani, Urenkel des Zirkusgründers Hans Stosch-Sarrasani.

Sarrasani und Karl May

Auch Tiger lesen Karl May... Werbepostkarte des KMV

Am 14. März 1913 trifft eine erste Gruppe von Sioux-Indianern, die von Sarrasani verpflichtet worden waren, mit ihrem Häuptling Edward Two-Two in Dresden ein. Im Radebeuler Tageblatt wurde kritisiert, dass die Indianer Karl Mays Witwe Klara nicht besucht haben.

1926/27 kam Häuptling Black Corn oder Black Horn[1] nach Radebeul. Er besuchte nicht nur das Grab seines in Deutschland verstorbenen Vorgängers Edward Two-Two, sondern auch das Grabmal Karl Mays, wo er eine Rede in der Sprache der Sioux hielt.[2] Er wurde auch vom Dresdner Oberbürgermeister empfangen.[3]


Am 17. Januar 1928 fand in Radebeul am Grabmal Karl Mays die so genannte "Indianerehrung" von beim Zirkus Sarrasani unter Vertrag stehenden Indianern statt.

Am 18. Juni 1929 legt der bei Sarrasani präsentierte Osage-Indianer Big Chief White Horse Eagle Tail an Mays Grab einen Kranz nieder.

1940 veranstaltete Sarrasani "Wild-West-Spiele nach Karl May" auf der Felsenbühne Rathen.

Anmerkungen

  1. Der Name wird unterschiedlich übermittelt. Im Buch von Hans Stosch-Sarrasani wird er "Black Corn" geschrieben und "Schwarzes Horn" übersetzt. Auf der Seite des Karl-May-Museums steht "Black Horn".
  2. Hans Stosch-Sarrasani, Durch die Welt..., S. 62 f.
  3. Der Sioux-Häuptling beim Oberbürgermeister, Dresdner Anzeiger vom 12. Februar 1926 (Nachdruck in M-KMG Nr. 127, S. 67).

Literatur

  • Hans Stosch-Sarrasani: Durch die Welt im Zirkuszelt, Schützen-Verlag, Berlin 1940.
  • Ernst Günther: Sarrasani, wie er wirklich war. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1984.
  • Michael Petzel: Hans Stosch-Sarrasani. In: Karl-May-Stars, Karl-May-Verlag 2002.

Weblinks