Wounded Knee Massaker

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Das Wounded Knee Massaker vom 29. Dezember 1890 gilt als letzte bedeutende kriegerische Auseinandersetzung zwischen Indianern und Soldaten in Nordamerika.[1] Das Schlachtfeld wurde 1965 in Anerkennung der historischen Bedeutung von der Regierung der USA zum National Historic Landmark erklärt und ein Jahr später in das National Register of Historic Places aufgenommen.

Hintergrund

Blick auf den Ort des Massakers

Nach der Ermordung Sitting Bulls am 15. Dezember 1890 flohen einige der nun führerlosen Hunkpapa, deren Häuptling er gewesen war. Etwa hundert von ihnen erreichten ein Lager der Minneconjou am Cherry Creek.[2] Hunkpapa und Minneconjou sind Indianerstämme der Lakota, die wiederum zu den Sioux gehören.

Als Spotted Elk (eigentlicher Name Si Tanka, von den Weißen Big Foot genannt), der Häuptling der Minneconjou, vom Tode Sittings Bull erfuhr, zogen er und 350 Indianer (in der Mehrzahl Frauen und Kinder) am 23. Dezember los, um bei Red Cloud Schutz und Unterstützung zu finden. Bereits am 17. Dezember hatte das Kriegsministerium einen Haftbefehl gegen Spotted Elk erlassen. Am 28. Dezember trafen die Indianer auf Kavalleristen unter der Führung von Major Samuel Whitside.[3] Die Soldaten eskortierten die Indianer zu einem Lager am Wounded Knee Creek. Dort übernahm am Abend Colonel James W. Forsyth das Kommando. Im Lager waren jetzt ca. 500 Soldaten. Vier Hotchkiss-Kanonen wurden aufgestellt. Bei Tagesanbruch wurde der Befehl erlassen, dass die Indianer ihre Waffen abzugeben hätten. Mit dem Ergebnis nicht zufrieden, veranlasste Colonel Forsyth eine Durchsuchung, bei der zwei versteckt gehaltene Gewehre gefunden wurden. Bei dem Gerangel um das Gewehr Black Coyotes, der es nicht hergeben wollte, löste sich ein Schuss[4] und die Soldaten eröffneten das Feuer.[5] Die flüchtenden, unbewaffneten Indianer wurden mit Hilfe der Kanonen niedergeschossen.

An diesem Tag starben am Wounded Knee 25 Soldaten (meist durch friendly fire; Schüsse aus den eigenen Reihen) und fast 300 Frauen, Kinder und Männer der Lakota.[6]

Wounded Knee Massaker bei Karl May

Das Massaker von Wounded Knee ist der wohl bekannteste Fall staatlichen Massenmordes an Indianern, keineswegs aber der einzige. Immer wieder drang die Kunde von derlei Ereignissen auch über den "großen Teich".

Durch damals aktuelle Missionszeitschriften deutscher Franziskaner und Jesuiten, deren Missionsstationen teils in unmittelbarer Nähe der Ereignisse lagen (Holy rosary, Pine ridge), fanden Berichte darüber auch Eingang in die allgemeine deutsche Presse.[7] Karl May erwähnte das Massaker oder den Ort Wounded Knee nicht, schrieb aber z.B. 1893 in der Einleitung zu Winnetou I: ... Jeder, der die Verhältnisse kennt, [muß] den Indianer als den "sterbenden Mann" bezeichnen.[8] Wiederholt prangerte May die vollständige Rassenvernichtung[9] an, zuletzt 1909 in Winnetou IV, wo er z.B. das Brausen der Niagara-Fälle als Summe der Todesschreie aller Derer, die da untergegangen sind und noch untergehen werden[10] deutet.

In seinem Artikel Karl May und die Sioux verzichtet René Grießbach darauf, auf das Massaker am Wounded Knee Bezug zu nehmen. Der Autor stellt jedoch die These auf, dass Karl May im Nachgang zu Presseberichten über die Schlacht am Little Bighorn (1876) sein ursprünglich positives Siouxbild der gängigen (negativen) Lesermeinung anpasste und dieses erst später zu korrigieren begann.

Anmerkungen

  1. National Park Service.
  2. Dee Brown, S. 421.
  3. Dee Brown, S. 421 f.
  4. Im englischsprachigen Wikipedia-Artikel wird abweichend von Dee Brown geschrieben: At the same moment Yellow Bird threw some dust into the air, and approximately five young Lakota men with concealed weapons threw aside their blankets and fired their rifles at Troop K of the 7th. Quelle dafür ist Robert Utley: The Last Days of the Sioux Nation. Yale University Press, 1963.
  5. Dee Brown, S. 424.
  6. Über die genaue Anzahl der Indianer gibt es widersprüchliche Angaben. Diese Zahlen basieren auf den Angaben von Dee Brown (vgl. S. 421 ff.), der sich jedoch zu der Zahl der Toten nicht konkret äußert. Im englischsprachigen Wikipedia-Artikel wird die Zahl von 150 toten Indianern genannt, Quelle dafür ist Jack Utter: Wounded Knee & the Ghost Dance Tragedy. National Woodlands Publishing Company 1991, S. 25.
  7. Siehe auch Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 128, S. 54–58.
  8. Karl May: Winnetou I. Freiburg i. Br. 1908, S. 1.
  9. Karl May: Im "wilden Westen" Nordamerika's. Zitiert nach Im "wilden Westen" Nordamerika's (KMW IV.27), S. 48.
  10. Karl May: Winnetou IV. Freiburg i. Br. 1910, S. 66.

Literatur

Weblinks