White Horse Eagle

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White Horse Eagle (* 1822 ?[1]; † nach 1930) war ein vorgeblicher Indianerhäuptling der Osagen, der Ende der 1920er Jahre Europa bereiste. Über seine Herkunft ist – bis auf seine relativ zweifelhaften Selbstauskünfte – nichts bekannt.

Leben

Häuptling White Horse Eagle
Autograph von Big Chief White Horse Eagle und seiner Frau

Bei seiner Deutschlandtour 1929 erklärte er, dass er bereits 1887 hier gewesen sei und Otto von Bismarck die Hand geschüttelt habe.

Nach Auflösung seines Vertrags mit dem Zirkus Sarrasani und seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten starb er vermutlich in Mexiko.[2]

White Horse Eagle und Klara May

Er besuchte mit seiner weißen Frau (Queen Wa-The-Na) u. a. am 18. Juni 1929 Karl Mays Grab und auch das Karl-May-Museum in Radebeul, wo er für eine Postkartenserie posierte. Er erstellte bei seinem Besuch eine Urkunde, in der er Klara May zur indianischen Prinzessin Sha-Lu-Wa (laut damaliger Übersetzung Frau des großen, guten Mannes) ernannte, ein Titel, der von allen Stämmen anerkannt sei.

Im Gästebuch der Villa Shatterhand hinterließ er:

Hon. Big Chief White Horse Eagle. Worlds famous Chief. Born 1822, age 107.

Klaus Hoffmann schreibt:

Später geriet dieser Indianerimport aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten in Verruf. Seine Stammesbrüder monierten, daß er kein Wort ihrer Muttersprache sprechen könne, nichts von indianischer Kultur und Religion verstünde und nur dem Alkohol als Gottheit fröne. Schließlich bestätigte sich gar, daß er kein reinrassiger Indianer gewesen ist, weil Neger zu seinen Vorfahren zählten. Sein Alter hatte man ihm ohnehin nicht geglaubt.
Als sich Sha-Lu-Wa in Vorbereitung ihrer USA-Reise im Juli 1930 an den "Big Chief" wandte, um zu erfahren, wo sie den Indianerstamm finden könne, dessen "Prinzessin" sie sei, erhielt sie zwar ein Antwortschreiben, wird aber über dessen Inhalt nicht glücklich gewesen sein.[3]

weitere Ehrungen

Im August 1929 wird auch Elk Eber Ehren-Indianer.

Hans Stosch-Sarrasani vermerkte dazu:

Der Häuptling lebte im Centralhotel auf ganz großem Fuß und weigerte sich in der Manege aufzutreten. [...] Wir wurden uns einig, daß er als Gast unsere Sioux besuchen und sie inspizieren sollte. Wir schlossen unter vielen Zeremonien diesen Vertrag. Und ich kann sagen, es war wirklich eine Sensation, was wir da erworben hatten. Der Mann war eine Nummer für sich und schlug alles, als wir jemals an Auftreten erlebt hatten. Wir sperrten Mund und Nase auf. Der Atem blieb uns weg. Darauf waren wir nicht gefaßt gewesen. Weißes Pferd Adler wurde augenblicklich der Liebling des Publikums, und er wurde gefeiert wie ein Held ohnegleichen. [...] Er schlug die Bürgermeister, Stadträte, Stadtverordneten, Polizeidirektoren scharenweise zu Siouxhäuptlingen, und er unternahm und erledigte solche Feierlichkeiten mit einem (von dem neuen Häuptling zu bezahlenden) erheblichen Quantum Alkohol. [...] Es war geradezu ein literarischer Leckerbissen, mit welch genialem Tempo er für die neuen Häuptlinge Namen erfand. Sein Häuptlingkatalog umfaßte Hunderte und Hunderte von Namen und er reichte von Bismarck bis Hindenburg.[4]

Werke

deutsche Ausgabe
signierte Titelseite
  • Wir Indianer. Erinnerungen des letzten großen Häuptlings. Verlag für Kulturpolitik, 1929. (eingeleitet und bearbeitet von Edgar von Schmidt-Pauli)
  • White Horse Eagle/Hans Anton Aschenborn: Der große Häuptling der Ossaga-Indianer [White Horse Eagle] erzählt aus seinem Leben: Erinnerungen. Diesterweg, 1933.

Anmerkungen

  1. Nach eigenen Angaben. Lt. dem Tiroler Anzeiger vom 1. Okt. 1929 besaß er einen amerikanischen Pass mit der Geburtstagsangabe "1. Januar 1822".
  2. Stosch-Sarrasani: Durch die Welt, 18.-23. Tsd., S. 86.
  3. Hoffmann: Zur Geschichte des Karl-May-Museums, seiner indianischen Sammlungsobjekte und deren Präsentation. (Onlinefassung)
  4. Stosch-Sarrasani: Durch die Welt, 18.-23. Tsd., S. 83 f.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen