Weihnacht (Schneider)

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Deckelbild Weihnacht

Weihnacht ist das Deckelbild Sascha Schneiders zu Karl Mays gleichnamiger Reiseerzählung.

Entstehung

Das Bild entstand 1905 für die Sascha-Schneider-Ausgabe des Fehsenfeld-Verlags.

Am 14. Juli schrieb Sascha Schneider in einem Brief an Karl May, dass er mit dem Bild bald beginnen will:

Nun kommt noch Satan & Ischarioth und Weihnachten. Dann haben wir alles beisammen.[1]

Sechs Tage später heißt es in einem weiteren Brief Schneiders an May:

Eben habe ich "Weihnacht" beendigt & fange morgen "Judas & Satan" an. Das ist dann das letzte Blatt.[2]

Am 23. Juli meldete Sascha Schneider die Vollendung des Bildes in einem Brief an Karl May:

Gleichzeitig übersende ich Ihnen die beiden letzten Zeichnungen: Weihnacht & Satan & Ischarioth [...][3]

Ende Juli informierte May seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld über die Fertigstellung der Schneiderschen Deckelbilder:

Soeben sind die letzten beiden Kartons fertig geworden. Schneider hat also seine Aufgabe gelöst. Nun bitte, frisch und fleißig ans Werk! Weihnacht muß die Mappe sehen!!![4]

Am 23. November 1906 wurde die fünfte Auflage von Karl Mays "Weihnacht!" als "soeben erschienen" gemeldet.[5] Diese wurde als erste auch in der Sascha-Schneider-Ausgabe mit dem hier betrachteten Titelbild herausgegeben.

Kritiken

In der Einleitung zur Sascha-Schneider-Mappe ordnet Johannes Werner das Bild der vierten Gruppe zu, die er mit folgenden Worten kommentiert:

Das Ziel allen Kampfes ist bei May wie Schneider: Vernichtung des Bösen, Sieg des Lichts, Frieden auf Erden. Diese Ideen gelangen in einer Anzahl von einzelnen Blättern zum Ausdruck, die zum Teil ganz an die Art der ersten Zeichnungen Schneider's erinnern, zugleich aber seine künstlerische Vertiefung und Vervollkommnung offenbaren.

Zu Weihnacht selbst (Blatt 19) heißt es da:

Der Baum des Friedens und der Liebe erwächst aus dem Boden von Greueln und Opfern; flüchtend züngelt die Schlange des Verderbens nach ihm empor: der Triumph des Christentums.[6]

Die erste Nummer der Schriftenreihe des Karl-May-Museums beschäftigt sich mit Sascha Schneider. Klaus Hoffmann äußert sich darin zu dieser Titelzeichnung:

Auf dem Humus von Krieg, Greuel und Verrat wächst der Baum des Lichts, der Hoffnung, der Liebe und des Friedens empor [...][7]

Annelotte Range schreibt in ihrer Dissertation über Sascha Schneider zum Bild Weihnacht:

Sascha Schneiders Illustration verarbeitet die Begebenheiten des Schlußkapitels in enger Anlehnung an den Text. Unter den Zweigen des Tannenbaumes, der das Blatt dominiert, werden die Auswirkungen des "Gottesurteils" sichtbar: auf der einen Seite Tierungeheuer, die ihren Opfern die Schädel zermalmen [...], auf der anderen der Ungläubige und Verstockte [...], der nach langen Irrwegen und in äußerster Todesnot zu Gott zurückgefunden hat, wie sein himmelwärts gerichteter Blick dokumentiert.

Die Autorin sieht in Ludwig Richters Weihnachten (1854) Parallelen zu Sascha Schneiders Zeichnung.[8]

Hans-Gerd Röder und seine Tochter Christiane Starck schreiben in ihrer Jubiläumsausgabe zu diesem Bild:

Weihnacht ist besonders herausragend, da die Konfrontation des Weihnachtsbaumes mit menschenfressenden Bären und Schlangen Irritation und damit Aufrüttelung des Betrachters bewirkt und somit eine Sichtweise und Krassheit vorwegnimmt, die erst in den Kriegsjahren von Künstlern wie Otto Dix und George Grosz aufgenommen werden sollte.[9]

Anmerkungen

  1. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 158.
  2. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 161.
  3. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 162.
  4. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz (Hrsg.): Karl May. Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld. Erster Band 1891-1906. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 2007, S. 476. ISBN 978-3-7802-0091-4
  5. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Lizenzausgabe bei K. G. Saur München 1989, S. 227, Nr. 300.5. ISBN 3-5980-7258-9.
  6. Steinmetz/Vollmer (Hrsg.): Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 502.
  7. Klaus Hoffmann: Karl May und Sascha Schneider – eine Künstlerfreundschaft. In: Rolf Günther/Dr. Klaus Hoffmann: Sascha Schneider & Karl May — Eine Künstlerfreundschaft. Karl-May-Stiftung Radebeul 1989, S. 52. ISBN 3-910035-03-5
  8. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 86 f.
  9. Starck/Roeder: Sascha Schneider und Karl May, S. 9.

Literatur