Wahrhaftige, schöne und traurige Schilderung und Aria von einer unglücklich liebenden Jungfrauen Selbst-Erstechung

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Wahrhaftige, schöne und traurige Schilderung und Aria von einer unglücklich liebenden Jungfrauen Selbst-Erstechung ist ein Gedicht aus der Rubrik Allerlei der von Karl May redaktionell betreuten Zeitschrift Schacht und Hütte. Es wurde in Heft 45 abgedruckt.

Text

Wahrhaftige, schöne und traurige Schilderung und Aria von einer unglücklich liebenden Jungfrauen Selbst-Erstechung.

Durch Liebesanlaß und galant
Gekleidet, selbst ermorden
Ein Mädchen schön, mit eigner Hand,
Gefunden ist geworden.
Spicknadel, schön poliret blank,
Zum Stechen fein gespitzet,
Wohl zum gebrochnen Herzen lang
Hindurch gestochen sitzet
Das helle Karmosinenblut
Geflossen aus der Wunde,
Am Busen weiß in rother Fluth
Sanft angemalen stunde.
Schön todt liegt sie auf ihrem Bett
Und auf dem Tisch, so drüben
Im Winkel am Kamine steht,
Ein Brieflein liegt geschrieben:
Herzliebster mein, im Regiment
Prinz Ferdinand gefechtet.
Durch sein‘ Bravour wohl anerkennt,
Zum Offizier ermä[c]htet;
Du nahmst allhie Quartier, Soldat,
Wohl als der schönsten Einer,
Wie Dich mein Blick getroffen hat,
Da warst Du noch Gemeiner.
Mit mir spazieren gingest Du
In einem stillen Orte,
Da riefst Du meinem Herzen zu:
Ich liebe Dich, Scharlorte!
Ich sank an Deine Kriegerbrust,
Blau uniformisiret,
Bis uns’rer Herzen Schlag mit Lust
Zusammen sich mengliret.
Wir hatten uns den Abschiedskuß
Noch vor dem Marsch gegeben,
Ich bliebe hier mit schwer‘ Verdruß,
Du zogest fort, mein Leben!
Allewig treu zu bleiben mir,
Hat mir Dein Wort verhissen,
Und doch thust Du als Offizier
Jetzt eine Andre küssen.
So fahr‘ denn hin, treuloser Mensch,
Ich zahl‘ Dein’n Lohn Dir eben,
Dein‘ Untreu, wölfisch und hyänsch,
Zernichtet mir das Leben!
Auf meinen jungen Leib sodann,
Gebadet in der Pleiße,
Zieh‘ ich ein schwarzes Kleid wohl an,
Mit Band umgürtelt weiße;
Die Spickenadel auf dem Stein
Gewetzet und geschloffen,
Die stoß‘ ich mir in’s Herz hinein –
Gottlob, ich hab’s getroffen.
Ich sitze nun im Himmelsthron
Hedwig Charlotte Drunke,
Gedenke d’ran – das kommt davon,
Sebastian Halunke!

Herkunft

Das Gedicht stammt nicht von Karl May. Es wurde bereits um 1860 im zweiten Band von Museum komischer Vorträge für das Haus - und die ganze Welt abgedruckt.