Vereitelte Bemühung

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Vereitelte Bemühung ist ein 1995 entdecktes Drama, das im ersten Eifer Karl May zugeschrieben wurde, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von ihm stammt.

Druck

Das gedruckte Manuskript wurde 1995 von Elisabeth Kolb in der österreichischen Nationalbibliothek in einer Sammlung von Bühnenstücken aus dem Archiv des Wiener Burgtheaters entdeckt. Es handelt sich dabei um eine Komödie in zwei Aufzügen von Aristarko (Pseudonym). Unmittelbar unter dem Namen "Aristarko" steht in Klammern "Clara May". Unten auf der Titelseite folgt der Vermerk "Dresden 1869". Ein Verlag ist nicht angegeben. Die Druckerei war "Ernst & Porteger"[1]. In den einschlägigen Buchhandelsverzeichnissen taucht das Werk nicht auf. Weitere Exemplare sind nicht bekannt.[2] Wilhelm Brauneder nimmt daher einen Privatdruck an.[3]

Inhalt

Inhaltlich geht es um einen Mann namens Jeronimus, der für seinen Stiefsohn Valentin um die Hand der Fabrikantentochter Leonore werben will – und plötzlich die reiche Erbin für sich selbst will. Leonores Eltern sind einverstanden, Leonore und Valentin nicht. Valentins Diener Heinrich inszeniert nun eine große Intrige, die dem Bräutigam und den Brauteltern einredet, dass Leonore und ihre Zofe Dorothea als Babys vertauscht wurden und also Dorothea die wahre Tochter (und Erbin) ist. Eltern und Schwiegersohn in spe schwenken sofort auf die "neue Tochter" um. Als sich die Sache aufklärt, sind die Eltern beschämt und der Schwiegersohn in Lauerstellung blamiert. Valentin bekommt Leonore und Dorothea den Heinrich.

Das Stück ist routiniert geschrieben und der Autor/die Autorin hat offensichtlich Bühnenerfahrung. Dr. Rosemarie Zimmermann vermutete – wegen verschiedener örtlicher Bezüge – als Adressaten eine Laienbühne. Das Stück spielt in der Provinz, aber nicht auf dem Lande. Aufgrund verschiedener Hinweise (Druckort Dresden, eine erwähnte Forstakademie, Dorfnamen, Fabriken, Bauräte, ...) vermutet sie Freiberg als Wohnort der Autorin oder wenigstens als Standort der Laienbühne.[4]

Verbindung zu Karl May

Eine deutschsprachige Schriftstellerin namens "Clara May" war bisher nicht nachweisbar. Mays Ehefrau Klara war 1869 gerade fünf Jahre alt und kommt als Autorin nicht in Betracht. Die Vermutung Peter Krassas ging nun in die Richtung, dass Klara May das Stück – warum auch immer – an das k. u. k. Wiener Hoftheater geschickt hat. Sie soll auch den Druck veranlasst haben, wodurch ihr Name auf das Titelblatt geriet. 1869 wäre also das ursprüngliche Entstehungsjahr, womit May das Stück während seiner Haft auf Schloss Osterstein oder unmittelbar danach geschrieben haben müsste.

Eine Autorenschaft Mays wird – sowohl biografisch als auch stilistisch – von den meisten Untersuchern allerdings ausgeschlossen.

Anmerkung

  1. Nach Wilhelm Brauneder existierte die Druckerei nur bis 1867.
  2. Brauneder erhielt negative Auskünfte auch aus mehreren Bühnenarchiven.
  3. Brauneder, Vereitelte Bemühung?, S. 15 f.
  4. Zimmermann: Eine journalistische Seifenblase.

Literatur

Weblinks