Tomahawk

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Der Tomahawk ist eine axtähnliche Waffe verschiedener indianischer Stämme. Er wurde jedoch auch von den Siedlern und Westmännern gerne verwendet. Der Name wurde im 17. Jahrhundert als Transliteration aus dem Algonkin ins Englische übernommen.

Pfeifen-Tomahawk aus Metall, frühes 19. Jahrhundert

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Material und Verwendung

Traditionell hat der Tomahawk einen kurzen hölzernen Schaft, ähnlich einem Beil. Der Kopf bestand ursprünglich aus Stein, später wurde er auch aus Eisen und Messing gefertigt. Obwohl man beim Tomahawk von einem Allzweck-Werkzeug sprechen kann, wird er oft als reine Handwaffe zum Werfen und Schlagen angesehen. Auch die zeremonielle Bedeutung war wichtig, er diente als Zeichen für Krieg oder Frieden, je nachdem, wie er überreicht wurde.

[Bearbeiten] Tomahawk-Formen

Gewehrschaft-Keule,
Karl-May-Museum in Radebeul
Kugel-Keule
Haida-Seehundkeule
Cayuga-Tanzkeule

Es gibt eine sehr große Zahl von unterschiedlich geformten Tomahawks, vor allem, bevor die Indianer zur Herstellung Metall benutzen konnten. Vier Formen sollen hier als Beispiele genannt werden:

Die Gewehrschaft-Keule (engl. Gunstock club) ist ähnlich einem Gewehrschaft gearbeitet, daher der Name. Auf der nach außen gebogenen Seite des Schaftes ist eine einfach gearbeitete, zweischneidige Dolch- oder Hiebklinge befestigt. Sie wird von Ethnien in den südlichen bis zu den östlichen Prärien benutzt (u. a. von den Sioux). Die Indianer der nördlichen Plains bevorzugten dickere und schwerere Exemplare, während die Indianer im mittleren Westen längere und dünnere wählten. Die Schaftform wird auf das Erscheinen der ersten Feuerwaffen im 16. und 17. Jahrhundert zurückgeführt.[1]

Die Kugel-Keule (engl. Ball club) hat einen Schlagkopf, der als Kugel ausgearbeitet ist. Der gesamte Schaft der Keule ist mit traditionellen und verzierenden Schnitzereien versehen. Die Verzierung stellt häufig ein Tier dar, das die Kugel hält, beispielsweise die Krallen eines Adlers oder das Gebiss eines Raubtiers. Diese Darstellungen haben einen religiösen Hintergrund bei den verschiedenen Ethnien. Die Kugel-Keule wurde u. a. von den Ute benutzt.[2]

Die Haida-Seehundkeule ist eine Jagdwaffe der amerikanischen Ureinwohner des Haida-Volkes. Sie besteht komplett aus Holz und ist eine Schlagwaffe für Jagd und Fischerei. Die Keule ist in Form eines Seehundes geschnitzt.[3]

Die Cajuga-Kriegskeule wird von der Ethnie der Cajuga im Gebiet der Six Nations als Tanzkeule benutzt. Sie besteht aus Hartholz. Die Oberfläche dieser Keule ist mit traditionellen Schnitzereien überzogen, die aus Dreiecken, fischhaut- und wellenförmigen Mustern bestehen.[4]

[Bearbeiten] bei Karl May

Der Tomahawk ist eine in allen Indianer-Romanen Karl Mays zitierte Hieb- und Wurfwaffe. Auch als das magische Kriegsbeil, das vor dem Kampf ausgegraben, danach wieder vergraben wird, kommt es vor. So spricht Winnetou:

Das Kriegsbeil soll vergraben sein und das Calumet der Versöhnung geraucht werden von Ort zu Ort, von Stamm zu Stamm.[5]

Immer wieder muss der Ich-Erzähler bzw. spätere Old Shatterhand im (Zwei-)Kampf seine Fertigkeit damit beweisen. Er bereitet sich auf einen solchen Zweikampf mit Übungswürfen vor:

»Und nun paß auf! Diese Lichtung ist hier gegen siebzig Schritte breit; drüben stehen zwei Ahorne fünf Schritte weit nebeneinander. Ich will sie beide treffen, und zwar in der Höhe, wie Petehs Schultern liegen. Jetzt!«
Als der Häuptling vom »im krummen Bogen werfen« sprach, meinte er den Effektwurf, welcher große Übung und Geschicklichkeit erfordert. Man giebt dem Tomahawk durch Drehung mit der Hand den betreffenden Effekt, wie man beim Kegelschieben eine Bogenkugel dreht; er bekommt dadurch eine doppelte Bewegung, eine Vorwärts- und eine Seitenbewegung, welche beide genau nach dem Ziele abzupassen sind. Wie man es fertig bringt, daß er sich unterwegs nach Belieben hebt und wieder senkt oder gar nach Bumerangart eine retrograde Richtung nimmt, das kann man nur zeigen, aber leider nicht beschreiben.
Die beiden Tomahawks flogen schnell nacheinander aus meiner Hand und blieben drüben in den Ahornen stecken.[6]

Und sogar bei den Skipetaren kann Kara Ben Nemsi seine Kenntnisse im Kampf mit dem Miriditen, der eine Blutrache gegen ihn hat, verwenden.

Er wirbelte die Axt um den Kopf und schleuderte sie dann nach meinem theuren Haupte. Aus so geringer Entfernung mußte sie mir den Schädel spalten, wenn ich nur um ein Haar breit falsch parierte.[7]

Die Fähigkeiten Old Shatterhands im Wilden Westen lassen ihn jedoch den Tschakan abwehren und den Gegner besiegen.

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Bild und Beschreibung auf der Website des Pitt Rivers Museum sowie auf der Website des Britischen Museums.
  2. Bild und Beschreibung auf der Website des Pitt Rivers Museum.
  3. Bild und Beschreibung auf der Website des Pitt Rivers Museum.
  4. Cajuga-Kriegskeule auf der Website des Smithonian National Museum of the American Indian.
  5. Karl May: Der Sohn des Bärenjägers. In: Der Gute Kamerad, Verlag Wilhelm Spemann, Stuttgart 1887, S. 555.
  6. Karl May: "Weihnacht!" Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1897, S. 495.
  7. Karl May: Durch das Land der Skipetaren. Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892, S. 423.

[Bearbeiten] siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Glenn Markoe/Robert Hull Fleming/Raymond J. DeMallie/Royal B. Hassrick: Vestiges of a proud nation: the Ogden B. Read Northern Plains Indian collection, Verlag Robert Hull Fleming Museum, 1986. ISBN 978-0-934658-01-0
  • Lar Hothem: American Indian axes and related stone artifacts, Verlag Collector Books, 1989. ISBN 978-0-89145-394-9
  • Jonathan C. H. King/Christian F. Feest: Three centuries of Woodlands Indian art: a collection of essays, Band 3 von European review of Native American studies monographs, Verlag ZKF Publishers, 2007. ISBN 978-3-9811620-0-4

[Bearbeiten] Weblinks

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