Tigerbrücke

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Tigerbrücke
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

An der Tigerbrücke
in Am Stillen Ocean

Die Tigerbrücke bei Padang

In der extra für den Band Am Stillen Ocean von Karl May geschriebenen Erzählung An der Tigerbrücke ist dieses Gebäude das Hauptquartier einer Piratengruppe in der Nähe des Hafens Padang auf Sumatra. Der Ich-Erzähler und Sir John Raffley suchen dieses Versteck chinesischer Seeräuber, um den dort gefangen gehaltenen Mijnheer Bontwerker zu befreien. Sein Diener Quimbo, den der Erzähler von früher kennt ("Der Boer van het Roer (DH)/(GR)"), weist ihnen den Weg zuerst nach Tillangdschong und dann dorthin:

Schon wollte mir die Zeit zu lang werden, da sah ich eine Insel mitten im Flusse liegen. Der Strom zwischen ihr und dem rechten Ufer war frei, nicht aber auf der andern Seite, denn dort war sie durch eine Brücke mit dem linken Ufer verbunden. Ob es eine steinerne oder hölzerne Brücke war, das konnte ich nicht sehen, denn sie war ganz mit grüner, üppiger Vegetation bedeckt. Dieser Pflanzenwuchs war auf chinesische Weise beschnitten und bildete zwei mächtige Tigergestalten, welche einander mit den Köpfen gegenüber lagen. Quimbo streckte beide Hände aus und rief erregt:
»Hier, hier bin Tigerbrücke! Hier bin Wohnung von Räuber, wo 'fangen bin Quimbo und wo --- « 
»Leise, leise, still!« unterbrach ich ihn. »Kein Mensch darf hören, was wir miteinander sprechen. Bist du auf der Insel gewesen?« 
»Ja, Quimbo hinwesen. [...] Von Insel geh Weg über Brück' nach Haus.« 
Wir waren jetzt nämlich der Insel nahe gekommen. Ich wollte und mußte das Haus sehen und also an der Insel vorüber. Ich fuhr nicht unter der Brücke hindurch, sondern wählte die andere Seite, wo der Fluß offen war. Als ich dort an der Insel vorüberruderte, sah ich eine lichte Stelle im Inselgestrüpp mit einigen in das Wasser führenden Stufen, dort war ein Boot angebunden. Das war der Landeplatz für die Bewohner dieses Ortes; sie landeten nicht am Ufer, sondern an der Insel und gingen von dieser über die Brücke nach ihrem Hause; warum, das konnte ich nicht wissen.
[...] Jenseits stand ein ziemlich großes, nur aus Bambus errichtetes Haus, neben dem es drei kleinere Gebäude gab. Links erblickte ich eine palissadenartige, runde Umzäunung, welche aus sehr starken und wohl aus sechs Ellen hohen Bambuspfählen bestand, die eng nebeneinander in die Erde gerammt waren.[1]

Der Erzähler kann die Tiger in der Palisade unschädlich machen und den Gefangenen aus der Gewalt des Piraten Ling-tao befreien. Es stellt sich heraus, dass auch der Lotse von Padang und der Schreiber des Hafenkapitäns Mitwisser und Helfer der Piraten waren.

Anmerkungen

  1. Karl May: An der Tigerbrücke. In: Am Stillen Ocean, Band 11 der Gesammelten Reiseerzählungen, Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1894, 3. Kap., S. 591.