Sternensprache (Gedicht)

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Sternensprache ist ein Gedicht von Karl May.

Text

          Sternensprache.
Schau auf, schau auf zum Firmament,
  Und laß von ihm dir zeigen:
Von allen Sternen, die ihr kennt,
  Hat keiner Licht zu eigen.
Trotz ihrer Größe, ihrer Zahl
  Sind sie nur Lichtverbreiter;
Ein jeder nimmt des andern Strahl
  Und giebt ihn folgsam weiter.
Der einz'ge Sonnenquell des Lichts
  Ist des Allmächt'gen Liebe,
Und selbst auch diese wäre nichts,
  Wenn sie nicht leuchtend bliebe.
Sie geht im Strahlenkleide aus,
  Sich selbst der Welt zu geben,
Macht jeden Stern zu Gottes Haus
  Und küßt ihn wach zum Leben
Schau auf, schau auf zum Sternenzelt,
  Und laß von ihm dir sagen:
Die Liebe wird von einer Welt
  Der andern zugetragen.
Giebt sie ein Stern dem andern nicht,
  Weil er Gott nicht verstanden,
So ist er für sie ohne Licht
  Und also nicht vorhanden.[1]

Textgeschichte

Manuskript

Während seiner Orientreise hielt sich Karl May zusammen mit seiner Frau Emma Pollmer und dem befreundeten Ehepaar Richard und Klara Plöhn im Juni 1900 in Konstantinopel auf. Dort entstand am 29. Juni als Manuskript der Vierzeiler:

Die Liebe wird von einer Welt
Der andern zugetragen.
Das ist es, was das Himmelszelt
Den Sterblichen will sagen.

May versah ihn mit der Anmerkung

Ausarbeiten![2]

Diese Ausarbeitung führte dann zum vorliegenden Gedicht Sternensprache, wo sich der Entwurf am Anfang der letzten Strophe in variierter Form wiederfindet.

Himmelsgedanken.

Am 18. Dezember 1900 erschien ein Gedichtband Mays mit dem Titel Himmelsgedanken im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld.[3] In dieser Ausgabe ist das Gedicht auf den Seiten 24 und 25 enthalten. Der auf der gegenüberliegenden Seite abgedruckte Aphorismus lautet:

Die Liebe ist die einzige wirkliche Macht; alles Andere ist entweder Gewaltthätigkeit oder Verschlagenheit.[4]

aktuelle Ausgaben

Anmerkungen

  1. Karl May: Himmelsgedanken, S. 24 f.
  2. Ekkehard Bartsch/Hans Wollschläger: Karl Mays Orientreise 1899/1900. In: Karl May: In fernen Zonen. Karl Mays Weltreisen, S. 33–231 (S. 210). ISBN 3-7802-0082-1.
  3. Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 244.
  4. Karl May: Himmelsgedanken, S. 26.

Weblinks