Rudolf Bernstein

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Rudolf Bernstein
Bernsteins Unterschrift

Friedrich Rudolf Bernstein (* 1858; † 1932) war Rechtsanwalt (Schwerpunkt Baurecht) und vertrat zwischen 1901 und 1908 Karl May bei dem Urheberrechtsprozess gegen den Verlag H. G. Münchmeyer. Er war vormals Ratsassessor beim Baupolizeiamt. Die Kanzlei wurde May von Klara Plöhn empfohlen, die mit Bernsteins Frau Emmy befreundet war.[1]

Bernstein, von Karl May später als "lieber Rudi und wahrer Freund" angeredet, war wohl hauptsächlich an dessen Prozessierfreudigkeit beteiligt. Er bestärkte jedenfalls den Schriftsteller in seinem Bemühen, auf jedes ihm angetane Unrecht mit dem Gang vor das Gericht zu reagieren, auch da, wo ein Verzicht auf den Ruf nach dem Richter vielleicht klüger gewesen wäre. Sehr spät erst erkannte May, dass Bernstein, der wohl auch überhöhte Honorare verlangt hatte, seine eigenen Interessen vor die seines Mandanten stellte. Die Folge war, dass Karl May sich 1908 von diesem Rechtsbeistand löste.

Rudolf Bernstein und Karl May[Bearbeiten]

Ende 1901 erhielten die Dresdner Rechtsanwälte Rudolf Bernstein, Ernst Hugo Klotz und Dr. Johannes Clemens Langenhan Post von Karl May, der sie bat, Abschriften von Leserbriefen zu beglaubigen. Das taten sie. Anfang 1902 wandte sich May dann gezielt an Bernstein und betraute ihn resp. die Kanzlei damit, ihn in dem Urheberrechtsprozess gegen Pauline Münchmeyer (Verlag H. G. Münchmeyer) und den neuen Inhaber des Verlags, Adalbert Fischer, zu vertreten. Dadurch, dass sich gerade dieses Verfahren lange hinzog, wurde der Kontakt zwischen Anwalt und Klient enger.

Am 6. April besuchte Karl May mit Emma und Klara das Ehepaar Bernstein in der Grunauer Straße 1B III. [2] Als sich May 1902 scheiden lassen will, ist Rudolf Bernstein abwesend und May wendet sich an einen anderen Anwalt, Andreas Merkel. [3] Bernstein übernimmt aber teilweise Korrespondenzen mit Emma Pollmers Anwälten.

In der Münchmeyer-Sache schreibt May in einem undatierten Brief (vermutlich 1902):

Ich muß mich gegen ein solches berechnend unfachmannisches Verfahren energisch verwahren und bitte Sie, hochgeherter Herr Rechtsanwalt, gegen Herrn Fischer resp. seine Hintermänner diejenigen Schritte zu thun, durch welche ich so schnell wie möglich in den Besitze meines Eigenthumes zurückgelange. [4]

26. Oktober 1902 schreibt er einen langen Brief an Bernstein, in dem er seine Kindheit und Jugend sowie auch seine Ehe schildert. Sein mehrseitiger Brief endet mit:

Auch Ihnen, verehrter Herr Rechtsanwalt, bin ich durch den Einfluß dieses Weibes in einer Gestalt erschienen, die ich gar nicht besitze. Ich war ja zu keiner Stunde von diesem Einflusse frei. Ich bitte herzlich, Vergangenes auszustreichen. Der May, den Sie von nun an kennenlernen werden, wird ganz gewiß der richtige sein. Es liegt mir sehr daran, die Achtung eines Mannes zu besitzen, welcher in der meinigen so hoch und sicher steht wie Sie! [5]

Am 10. Februar 1903 schließen Adalbert Fischer und Karl May einen - für May ungünstigen - Vergleich, von dem Bernstein erst später erfährt.

Im März 1903 lud Bernstein aus Anlass der Verlobung Mays mit Klara nach einer Erinnerung von Hans Langenhan "die Brautleute, einige Kollegen [...], unsere Referendare und zahlreiche Bekannte zur Nachfeier dieses freudigen Ereignisses zu sich in seine Wohnung" [6] Hans Langenhan erwähnt in seinen Erinnerungen auch den kleinen Hund der Bernsteins, einen schwarzweißen Spitz namens Ossel.

Am 5. April 1903 unternehmen die Familien May und Bernstein (samt Spitz und Neffen) und Mays Gast Dr. Josef Weigl eine "Partie" in die sächsische Schweiz. Im Juli leidet Bernstein an einer Blinddarmentzündung, die ihn mehrere Wochen ans Bett fesselt. [7]

Im Mitte September 1903 sind sie wieder gemeinsam in der Sächsischen Schweiz und unternehmen während dieser Reise zahlreiche Ausflüge. Hier beginnt vermutlich die Duzfreundschaft und es entstehen die bekannten Atelieraufnahmen der befreundeten Paare. [8] Sie besuchen dabei am 27. September auch den Amselgrund und Rathen, wo wenige Jahrzehnte später die ersten Karl-May-Spiele entstehen werden. Nach Klara Mays Tagebuch wurden die Kosten vollständig von Karl May getragen. [9]

Als Bernstein am 17. November 1904 im Gericht die Akten zu Karl May durcharbeitet, entdeckt er einen Schriftsatz des Münchmeyer-Anwalts Gerlach über Max Dittrich. Sofort lässt er über Klara, Karl May bitten, dass dieser Max Dittrich auffordere, ihn, Bernstein, zur sofortigen Klaganstellung gegen Frau Münchmeyer u. Gerlach beauftragen solle. [10]

1905 wird Bernstein auch in die Prozesse zwischen May und Rudolf Lebius hineingezogen. Nach beleidigenden Äußerungen Lebius' im Artikel "Karl May auf dem Kriegspfad" in der "Sachsenstimme" vom 9. Juli 1905 verklagt er ihn ebenfalls.[11], worüber Lebius am 15. Juli in der Sachsenstimme berichtet.[12] Lebius wird "wegen öffentlicher Beleidigung" am 3. Oktober zu 50 Mark Strafe verurteilt und hat die Kosten zu tragen. [13]

Die persönliche Freundschaft wird weiterhin gepflegt. Am 24. Juli 1905 dankt Emmy Bernstein Klara May schriftlich aus dem Urlaub in Borkum:

Gestern habt ihr Lieben meinen Rudolf ja großartig bedacht. Die schönen Äpfel, Blumen, Chocolade, und allem voran die lieben herzlichen Worte, es war rührend. Das große Geschenk ist schon vor unserer Abreise angekommen. Rudolf ist mehrfach mit Eich zusammengewesen nach dessen Ankunft, hat aber jedesmal vergessen, es zu erwähnen. Zuletzt ist er eigens zu diesem Zwecke vor seiner Abreise zu Euch gefahren, hat es aber auch da vergessen.[14]

Am 7. April 1906 lehnte May, der gerade an Babel und Bibel arbeite eine Einladung der Bernsteins ab:

Als ich Dir in meinem letzten Briefe sagten, daß wir uns nach Euch sehnen, konnte ich also unmöglich an einen besonderen, längeren Besuch denken [...], sondern nur an das kurze Beisammensein zum Mittagessen, wie stets nach unseren Terminen. [...] Lieber Rudi, ich bin Dein Freund, Dein wirklicher und wahrer Freund. Ich danke Dir und der guten Emmy für diese Einladung, aber ihr zu folgen, jetzt, grad jetzt, wäre ein Verbrechen an Allem, was mir heilig und theuer an Dir ist. [...] Nach gethaner Arbeit wollen wir uns dann ausruhen, und so wie wir dieser Arbeit jetzt jede Minute opfern, sogar das Beisammensein, so werden wir uns dann von dieser wohlverdienten Ruhe auch keine Viertelstunde abziehen lassen, keine einzige! Also, ich weiß, Du verstehst mich, wenn ich Euch bitte, Eure Einladung zurückzunehmen. Grad Diejenige, der wir in allen Stücken zu gehorchen haben, gebietet es - - - die Liebe![15]

Mitte April 1907 wird Bernstein aus dem Münchmeyer-Lager "wegen Anstiftung zum Meineide" angezeigt. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen zogen sich 22 Monate hin und erst am 26. Januar 1909 wurde das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt. [16]

Am 23. Juli 1907 klagte der kranke und erschöpfte May Bernstein gegenüber, dass er mit seinen Kräften am Ende sei. Er skizziert in dem mehrseitigen Brief auch die ursprünglich vorgesehene Strategie, nämlich dass der "Fall May-Münchmeyer" juristisch von Bernstein und literarisch von May zu führen sei.[17]

Wir marschieren getrennt, um vereint zu schlagen, und der Erfolg war gut. [...] Beide Siege sind vom gleichen Werthe, weil sie in gleichem Grade auf einander einwirken. [18]

Er ergänzt:

Länger ertrage ich es nicht. [...] Und zieht gar mein Freund und Anwalt seine Hände von mir ab, so erkenne ich meinen Kampf als hoffnungslos und verzichte auf die ganze irdische Gerechtigkeit.[19]
Erklärung

Nach dem Tod Adalbert Fischers und seiner Frau kann May am 8. Oktober 1907 einen Vergleich mit den Erben schließen. Im Börsenblatt erscheint am 29. Oktober 1907 eine von Bernstein gezeichnete und vom 23. Oktober datierte Erklärung dazu. [20] Von dieser Erklärung lässt May 500 Sonderdrucke anfertigen.[21] Einige Zeitschriften - z.B die Augsburger Postzeitung - drucken diese nach.[22]

1907 tritt Dr. Heinrich Hoffmann als neuer Kanzleipartner ein. Da Bernstein seinerseits ja noch als Beschuldigter in einem Verfahren wegen Anstiftung zum Meineid geführt wird, vertritt Hoffmann in der Folge gelegentlich May vor Gericht.

Als May im Februar 1908 den Bücherrevisor Paul Droß mit Recherchen in den kaufmännischen Vertragsunterlagen beauftragt, kommt es zu Unstimmigkeiten. May reagiert verärgert, dass Bernstein ebenfalls Droß befragt, während Bernstein verärgert ist, dass er von Droß' Berichten an May nichts erfahren hat.[23] Am 3. April 1908 lässt Karl May offenbar überraschend sämtliche Handakten durch seine Frau von Bernstein abholen. [24]

Spätestens im Dezember 1908 erkennt May, dass es Bernstein auch um einen persönlichen finanziellen Gewinn ging und Prozesse dadurch auch künstlich in die Länge gezogen worden seien. Er trennt sich von ihm - der offene, geschäftliche Bruch erfolgt in einem neunseitigen Brief am 22. Dezember - und verlangt Abrechnung. Die Freundschaft erleidet dadurch natürlich einen irreparablen Schaden.[25] Ab Februar 1909 wird May von Franz Netcke vertreten - und zwar unter der Bedingung, dass kein Schriftsatz mehr zu Gericht gehen dürfe, den er, May, nicht zuvor genau durchgesehen und gebilligt habe.[26]

Am 29. Mai 1910 versichert Bernstein Klara May, daß trotz aller Schatten aus der Vergangenheit meine Seele in den schweren Tagen immer bei Karl gewesen ist. [...] Ich wünsche auch von Herzen, daß Karl vor weiterem Unheil bewahrt werde.[27]

Am 1. Mai 1911 schrieb Klara May in ihrem Brief an Dr. Adolf Schriefer: "Der böseste Conflikt war noch die Sache mit unserem eigenen Anwalt."[28]

Nach Mays Tod behauptet Bernstein, dieser habe sich ihm gegenüber zu einem Honorar von 20.000 Mark verpflichtet und führt heftige Auseinandersetzungen mit Klara May.

im Werk[Bearbeiten]

In Karl Mays später Dorfgeschichte Das Geldmännle gibt es eine Familie Bernstein. Die Erzählung wurde in den Band "Der Waldschwarze" aufgenommen. Dabei wurde der Name der Familie 1921 in "Burgau" geändert, was im Nachwort mit der Entfremdung des realen Bernsteins mit May begründet wurde (...was insofern nicht schwer wiegt, als gewiß [...] außer dem Namen keinerlei Verbindung besteht zwischen der literarischen Gestalt des Lehrers und dem Advokaten Bernstein).

im Film[Bearbeiten]

In der sechsteiligen TV-Serie "Karl May" von 1992 wurde Bernstein von Alfred Struwe gespielt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Während seiner Studienzeit in Leipzig war Bernstein Mitglied der Turnerschaft Istaevonia im VC (heute Turnerschaft im CC Cimbria-Istaevonia Bonn).[29]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Karl-May-Jahrbuch 1978, S. 271
  2. Karl- May-Chronik III, S. 42
  3. Karl- May-Chronik III, S. 111
  4. Karl- May-Chronik III, S. 119
  5. Karl- May-Chronik III, S. 134
  6. Karl- May-Chronik III, S. 230
  7. Karl- May-Chronik III, S. 258 ff.
  8. Karl- May-Chronik III, S. 267 ff.
  9. Karl- May-Chronik III, S. 270
  10. Karl- May-Chronik III, S. 422
  11. Karl- May-Chronik III, S. 516
  12. Karl- May-Chronik III, S. 518
  13. Karl- May-Chronik III, S. 548
  14. Karl- May-Chronik III, S. 521
  15. Karl- May-Chronik IV, S. 25 ff.
  16. Karl-May-Chronik IV, S. 185
  17. Karl-May-Chronik IV, S. 218 ff.
  18. Karl-May-Chronik IV, S. 220
  19. Karl-May-Chronik IV, S. 221
  20. Karl-May-Chronik IV, S. 300 und 303
  21. Karl-May-Chronik IV, S. 300
  22. Karl-May-Chronik IV, S. 306
  23. Karl-May-Chronik IV, S. 348 ff.
  24. Karl-May-Chronik IV, S. 372
  25. Karl-May-Chronik IV, S. 467 f.
  26. Hans Wollschläger, Das dreizehnte Jahrbuch, S. 10
  27. Karl-May-Chronik V, S. 161f.
  28. Zitiert nach Hermann Wohlgschaft: "Ich könnte eine ganze Menge meiner Gegner vernichten." Zum Brief Karl Mays an Adolf Schriefer. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 2000, S. 38. (Onlinefassung)
  29. Geschichte der Bonner Turnerschaft im CC Cimbria-Istaevonia, hrsg. zur Feier des 125. Stiftungsfestes vom 4. bis 6. Juli 1986 in Bonn, S. 11.

Literatur[Bearbeiten]

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.