Robert Müller

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Robert Müller (* 29. Oktober 1887 in Wien; † 27. August 1924 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller, Journalist und Verleger.

Leben

Robert Müller studierte an der Universität Wien Germanistik und Philologie, ehe er nach Amerika ging und dort bis 1911 als Cowboy, Matrose, Zeitungsverkäufer und Reporter lebte. Er schrieb seit 1912 für verschiedene expressionistische Zeitschriften (Saturn, Der Friede u. a.). Von 1912 bis 1914 war er der literarische Leiter des Akademischen Verbandes für Literatur und Musik in Wien.

Den Ersten Weltkrieg erlebte Müller als Kriegsfreiwilliger.

Er arbeitete für die Prager Presse und übernahm 1922 die Leitung der Muskete. Das publizistische Werk des mit Kurt Hiller, Egon Schiele, Otto Flake und Robert Musil befreundeten Autors umfasst neben journalistischen Arbeiten Essays, Romane und Novellen, die ihn schon bald über Österreich hinaus bekannt machten.

Insbesondere seine politische und kulturkritische Essayistik weist Müller als herausragenden österreichischen Propagandisten des sogenannten literarischen Aktivismus aus. Müller starb an den Folgen eines selbst zugefügten Lungenschusses.

Robert Müller und Karl May

Das Drama Karl Mays

Am 19. Januar 1912 sandte Robert Müller an Ludwig von Ficker, den Herausgeber der Zeitschrift Der Brenner in Innsbruck das Manuskript seines Aufsatzes Das Drama Karl Mays.[1] Von Ficker nahm den Artikel an, wofür sich Müller am 27. Januar beim ihm bedankte:

Und nun, ich werde sehr glücklich sein, wenn ich meinem "Karl May" künftig im Brenner begegnen werde; es war und ist eine Angelegenheit des Herzens und der Überzeugung für mich.[2]

In der am 1. Februar erschienen Ausgabe des Brenner ist der Essay Robert Müllers enthalten.[3]

Müller bat Ludwig von Ficker am 17. Februar brieflich, Karl May die Brenner-Ausgabe mit dem Artikel Das Drama Karl Mays zu schicken und ergänzte:

Unabhängig davon werde ich in den nächsten Tagen Herrn May einladen, als Gast des Akad[emischen] Verbandes hier in Wien zu lesen. Er wird einen vollen Saal haben. Und da ist mir nun eingefallen, ob May nicht auch in Innsbruck lesen könnte?[4]

Vortrag in Wien

Tatsächlich erhielt Karl May noch im Februar 1912 eine Einladung von Robert Müller im Namen des Akademischen Verbandes für Literatur und Musik zu Vorträgen in Wien und Innsbruck. Am 24. Februar zeigte er sich auf seiner letzten bekannten Postkarte an seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld entschlossen, an beiden Orten zu lesen:

Nächstens zwei große Vorträge, einer in Innsbruck und einer in Wien, erbeten von der hochangesehenen akademischen Vereinigung für Literatur und Musik in Wien.[5]

Karl Mays Informationen über den hochangesehenen Verband waren offenbar dürftig, denn am 1. März schrieb er an den befreundeten Leser Oskar Neumann in Wien:

[...] der "Akademische Verband für Literatur und Musik" in Wien [...] wünscht, daß ich nach Wien komme und einen öffentlichen Vortrag dort halte. In Innsbruck auch einen. Ein Herr Robert Müller, der in Wien VII Florianigasse 75 wohnt, hat den Brief geschrieben, doch ohne mir zu sagen, wer und was er ist. Nun kenne ich leider weder diesen Herrn noch diesen Verband. [...] In dieser Noth wende ich mich an Sie. Ist es Ihnen vielleicht möglich, mir über diesen Verein [...] Auskunft zu ertheilen, und zwar möglichst umgehend, damit ich weiß, wie ich mich zu verhalten habe? [...] bitte aber um allerstrengste Discretion![6]

Neumann konnte vermutlich keine Auskunft geben, denn noch am 22. Mai schrieb Karl Mays Witwe Klara May an Oskar Neumann:

Es ist doch ein guter Verein, wie kam es, daß Sie ihn nicht kannten?[7]

Trotzdem gab Karl May Robert Müller seine Zusage zu dem Wiener Vortrag, die dieser am 1. März an Ludwig von Ficker weitersandte.[8] Nach einer Rückfrage in Radebeul schrieb Müller am 4. März an von Ficker, dass Karl May erst im Herbst den Vortrag in Innsbruck halten will, weshalb Müller darauf lieber verzichtet. Für Wien hatte er folgende Pläne:

Ich habe im Sinn, einen ethical clubevening[9] im amerik[anischen] Sinne daraus zu machen: Er bekommt einen 2000er Saal, billige Preise. Da hat er seine Kirche. Und dann, ich bin hier Kultur-Unternehmer, verfahren wir über May zu [Oskar] Kokoschka, [Karl] Kraus, [Adolf] Loos und [George Bernard] Shaw, wenn wir das Vertrauen einer breiteren Masse gewonnen haben. Um einen Mann durchzusetzen, muß man die Statisten, die Mitläufer drillen. Das ist die Dialektik, mittels der ich jetzt eine vielleicht, nein sicherlich künstlerisch nicht einwandfreie und meiner Empfindung nach unorganische Idee zu stützen suche. Ein bißchen kitschig wird die Geschichte wohl werden; aber ich bin überzeugt, daß wir keinerlei Unheil anstiften – eine Gefahr, die von der Innsbrucker Vorlesung sicherlich schwerer würde abzuwenden sein.[10]

Weiterhin äußerte er sich recht abwertend zu Karl May:

Es ist alles recht anfängerhaft und trotz furchtbarer Anstrengungen zurückgeblieben, infantil. Ist er nicht der Typ des "moralischen Parvenüs"? Des Menschen, der sich von Haus mit seinen Tugenden schlecht und billig stand, aber durch Arbeit zu einer gewissen moralischen Position gelangte. Ein solcher Mann bezieht alles in seinen kleinen beschränkten Kreis, versimpelt [...] die Probleme, glaubt alles gelöst zu haben und stellt keine Fragen mehr an sein Selbstgefühl [...] Ist es z. B. nicht einfältig, an den Erfolg seiner Thesen inmitten großstädtischer Bewegtheit zu glauben? Es   i s t   einfältig und kennzeichnet das geistig Provinzlerische seines Ingeniums [...][11]

Karl und Klara May reisten am 20. März nach Wien, wo für den 22. der Vortrag geplant war. Am 21. März schrieb Robert Müller in einem Brief an Ludwig von Ficker:

Tatsache ist: Germanisten, Professoren und andere öde Kerle sind dagegen [nämlich gegen Karl May bzw. seinen Vortrag]. Und alles Frischere und Buntere weiß ein Wörtchen pro zu sagen. May selbst kenne ich nun. Eindruck: sehr sehr sympathisch, Größe nebst Einfalt und Kindereien, ohne Zweifel etwas genialisches und vor Allem: ein Humor, der auch vor dem eigenen Selbst nicht kehrt macht. Alles in Allem eine angenehme Enttäuschung. Ganz Temperament bei 70 Jahren. Haltung: Papa, Weltweiser, Witzbold, jovialer alter Herr ect ect [sic] in dieser Richtung. Das Vortragsthema ist keineswegs glücklich gewählt, aber die Energie und das Feuer des Sprechenden werden hoffentlich nachhelfen![12]

Am 22. März 1912 hielt Karl May seinen letzten Vortrag Empor ins Reich der Edelmenschen! von 2.000 Zuhörern im Wiener Sofiensaal.[13]

Verteidigung des toten Karl May

Schon bald nach Karl Mays Ableben (30. März 1912) veröffentlichte Robert Müller im Wiener Fremden-Blatt am 3. April einen Nachruf, in dem es heißt:

Karl May ist tot, er hat ausgerungen, und man kann es kaum von einem zweiten mit soviel Sinnigkeit wie von ihm sagen, daß er ausgerungen hat. Denn sein Leben war wirklich jener ungeheure und absurde Riesenkampf, dessen konkretes und verweltlichtes Symbol seine Bücher reflektieren, war wirklich jener für den Skeptiker und Mittelmäßigen märchenhafte Old-Shatterhandsieg des Guten über das Böse. Und sein Leben war ein Abenteuer, gerade dort am abenteuerlichsten und exotischsten, wo wiederum der oberflächliche Sinnenmensch mit all seinem psychologischen Spürsinn nicht hindringt.[14]

Nach einem Artikel Stefan Hocks in der Wiener Zeitschrift Der Strom vom Mai 1912, in dem Karl May scharf angegriffen wurde, veröffentlichte Robert Müller am 15. Mai im bekannten Brenner seinen verteidigenden Aufsatz Totenstarre der Fantasie. Darin heißt es:

Seit Karl May tot ist, lassen die Neidhammel die Zungen hängen. Diese Enttäuschung war zu groß. Im Grunde ihres Herzens hatten gerade sie an ihn geglaubt und ihre Antagonistenkarriere von seiner Unsterblichkeit abhängig gemacht. Nachdem sich die eine als dichterisch erwiesen hatte, juckte es sie, ihm auch die andere zu nehmen. Sie, die Illusionisten des eigenen Fortkommens, handeln aus Ranküne. Weil sich der Prügelknabe aus purer Bosheit ihrem Dreschflegel entzog und das Geschäft verdarb, werden sie ernstlich böse und prügeln lustig weiter.[15]

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 544.
  2. Cornaro: Robert Müllers Stellung, S. 237.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 549.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 553.
  5. Karl May: Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld. Zweiter Band 1907-1912, S. 329.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 562.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 562.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 562 f.
  9. Englisch: ethischer Klub-Abend.
  10. Cornaro: Robert Müllers Stellung, S. 238.
  11. Cornaro: Robert Müllers Stellung, S. 239
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 582.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 583-592.
  14. Müller: Nachruf, S. 106.
  15. Müller: Totenstarre, S. 221.

Werke

  • Irmelin Rose. Die Mythe der großen Stadt. 1914.
  • Karl Kraus oder Dalai Lama, der dunkle Priester. Eine Nervenabtötung. 1914.
  • Macht. Psychopolitische Grundlagen des gegenwärtigen Atlantischen Krieges. 1915.
  • Tropen. Der Mythos der Reise. Urkunden eines deutschen Ingenieurs. 1915.
  • Was erwartet Österreich von seinem jungen Thronfolger? 1915.
  • Österreich und der Mensch. Eine Mystik des Donau-Alpenmenschen. 1916.
  • Europäische Wege. Im Kampf um den Typus. Essays. 1917.
  • Die Politiker des Geistes. Sieben Situationen. 1917.
  • Das Inselmädchen. Novelle. 1919.
  • Der Barbar. Roman. 1920.
  • Bolschewik und Gentleman. 1920.
  • Camera obscura. 1921.
  • Flibustier. Ein Kulturbild. 1922.
  • Rassen, Städte, Physiognomien. Kulturhistorische Aspekte. 1923.

Veröffentlichungen zu Karl May

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks