Rafter

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Holzfäller und Flößer

Ein Raft ist die englische Bezeichnung für ein Floß, d. h. eine flache, auf dem Wasser schwimmende Konstruktion, meist aus Holz.
In der Wildnis arbeitende Holzfäller, die ihre Baumstämme den Flüssen zum Transport übergaben und sie auf Flößen begleiteten, wurden Rafter genannt.

bei Karl May

"Ein Rafter ist nichts weiter als ein Holzdieb. Er verbindet sich mit andern Rafters zu einer Bande, welche eine passende Stelle im Congreßland oder in dem Besitzthume eines Andern aufsuchen, die besten Bäume niederschlagen, zu Flössen verbinden und stromabwärts bringen, um sie zu verkaufen. Kein einziger Baum, der ihnen auf diese Weise Geld einbringt, war ihr rechtmäßiges Eigenthum. Sie sind Forstspitzbuben, Holz- und Wilddiebe, und zwar die gefährlichsten, welche es nur giebt; denn wenn der rechte Eigenthümer kommt, um ihr Treiben sich zu verbitten, so lachen sie ihn doch nur aus und schießen ihn unter Umständen gar ohne Weiteres todt. [...] Uebrigens treiben sich die Rafters nur in der Nähe der Flüsse herum. Sie brauchen ja das Wasser, um ihre Flösse zu transportiren. Kenner des Landes, Pfadfinder sind sie also nicht, und Spürnasen haben sie auch nicht. [...] Zu einem ordentlichen Scout gehört doch mehr, als ein Rafter sein kann." (Karl May: Deutsche Herzen - Deutsche Helden.)[1]
Diese Rafters sind eine ganz eigene Art der Hinterwäldler. Sie stehen zwischen den Farmern und Fallenstellern mitten inne. Während der Farmer zur Civilisation in näherer Beziehung steht und zu den seßhaften Leuten gehört, führt der Trapper, der Fallensteller ein beinahe wildes Leben, ganz ähnlich dem Indianer. Auch der Rafter ist nicht an die Scholle gebunden und führt ein freies, fast unabhängiges Dasein. Er streift aus einem Staate in den andren und aus einer County in die andre. Menschen und deren Wohnungen sucht er nicht gern auf, weil das Gewerbe, welches er treibt, eigentlich ein ungesetzliches ist. Das Land, auf welchem er Holz schlägt, ist nicht sein Eigentum. Es fällt ihm auch nur selten ein, zu fragen, wem es gehört. Findet er passende Waldung und ein zum Verflößen bequemes Wasser in der Nähe, so beginnt er seine Arbeit, ohne sich darum zu bekümmern, ob der Ort, wo er sich befindet, Kongreßland ist oder schon einem Privateigentümer gehört. Er fällt, schneidet und bearbeitet die Stämme, sucht sich dazu nur die besten Bäume aus, verbindet sie zu Flößen und schwimmt auf denselben dann abwärts, um das erbeutete Gut irgendwo zu verkaufen.
Der Rafter ist ein nicht gern gesehener Gast. Zwar ist es wahr, daß manchem neuen Ansiedler der dichte Wald, den er vorfindet, zu schaffen macht, und daß er froh wäre, denselben gelichtet vorzufinden; aber der Rafter lichtet nicht. Er nimmt, wie gesagt, nur die besten Stämme, schneidet die Kronen ab und läßt sie liegen. Unter und zwischen diesen Wipfeln sprossen dann neue Schößlinge hervor, welche durch wilde Reben und andre Schlingpflanzen zu einem festen Ganzen verbunden werden, gegen welches die Axt und oft sogar auch das Feuer nur wenig vermag.
Dennoch bleibt der Rafter meist unbelästigt, denn er ist ein kräftiger und kühner Gesell, mit welchem in der Wildnis, fern von aller Hilfe, nicht so leicht jemand anzubinden wagt. Allein kann er natürlich nicht arbeiten, sondern es thun sich stets mehrere, meist vier bis acht oder zehn zusammen. Zuweilen kommt es auch vor, daß die Gesellschaft aus noch mehr Personen besteht; dann fühlt sich der Rafter doppelt sicher, denn mit einer solchen Anzahl von Menschen, welche um den Besitz eines Baumstammes ihr Leben auf das Spiel setzen würden, wird kein Farmer oder sonstiger Besitzer einen Streit beginnen.
Freilich führen sie ein sehr hartes, anstrengungs- und entbehrungsreiches Leben, doch ist am Ende ihr Lohn kein geringer. Der Rafter verdient, da ihm das Material nichts kostet, ein schönes Stück Geld. Während die andren arbeiten, sorgt ein Kamerad oder sorgen zwei oder mehrere, je nach der Größe der Gesellschaft, für die Ernährung derselben. Das sind die Jäger, welche tagsüber und oft auch während der Nacht umherstreifen, um "Fleisch zu machen". In wildreichen Gegenden ist das nicht schwer. Mangelt es aber an Wild, so gibt es viel zu thun; der Jäger hat keine Zeit übrig, Honig und andre Delikatessen zu suchen, und die Rafters müssen auch diejenigen Fleischstücke essen, welche der Hinterwäldler sonst verschmäht, sogar die Eingeweide. (Karl May: Der Schatz im Silbersee.)[2]

Sonstiges

Die Beschreibung der Rafters aus Der Schatz im Silbersee hat May offenkundig von Friedrich Gerstäcker übernommen, der sie in seiner Erzählung Rafters (1846) ganz ähnlich darstellt.

Anmerkungen

  1. Karl May: Deutsche Herzen, deutsche Helden. In: Karl Mays Werke, S. 26513 f. (vgl. KMW-II.22, S. 1417).
  2. Karl May: Der Schatz im Silbersee. In: Karl Mays Werke, S. 38121–38124 (vgl. KMW-III.4, S. 82 f.).

Literatur

Weblinks