Raffley Castle

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Raffley Castle
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Der Girl-Robber
Und Friede auf Erden!

Raffley Castle ist das Stammschloss der englischen Adelsfamilie Raffley.

Das Schloss in England

Mit Sir John Raffley trifft der Ich-Erzähler erstmals auf Ceylon in Karl Mays Erzählung "Der Girl-Robber" zusammen. Sir John ist der klassische Engländer.

Was ist das weiter! Etwas Sehenswertes oder gar Wunderbares gewiß nicht! Was ist Point de Galle gegen Hull, Plymouth, Portsmouth, Southampton oder gar London; was ist der Gouverneur zu Colombo gegen die Königin Viktoria von Altengland, Irland und Schottland; was ist Ceylon gegen Großbritannien und seine Kolonien; was ist überhaupt die ganze Welt gegen Raffley-Castle, wo Sir John geboren worden ist?![1]

Das neue Raffley Castle

Das alte Schloss in England dient Sir John als Vorlage für seinen neuen Sitz in Ocama, dem Land der Shen, den er mit seiner Gattin Yin bewohnt. Er zeigt es Karl May im Band Und Friede auf Erden!:

(Yins) ... Heimat ist ja unser Raffley-Castle.« - »Raffley-Castle?« fragte ich, indem wir miteinander weitergingen, der Treppe nach dem Garten zu. »So gibt es hier eine Kopie dieses Stammsitzes Eures Geschlechtes?« - »Das Wort Kopie ist eigentlich falsch, denn mein neues, hiesiges Schloß ist jedenfalls originaler als das alte drüben in der Heimat.«[2]

Beim Gang zum Hafen mit dem Pu-Schang sieht der Erzähler das Schloss aus der Ferne:

Da stieß (der Pu-Schang) einen lauten Ruf aus, der mich veranlaßte, aufzuschauen. Ich stimmte sofort und ganz erstaunt in diesen seinen Ruf ein, denn auf dem dunkeln Grunde der dort im West und Nordwest von uns liegenden Berge flammte jetzt ganz plötzlich das Zeichen eines Kreuzes auf, welches aus lauter strahlenden Diamanten zu bestehen schien und, wenn ich die Entfernung in Erwägung zog, von ganz außerordentlichen Dimensionen war. [...] Es entstand eine Pause, während welcher ich den Anblick der ganz eigenartigen Erscheinung versunken war. [...] »Und das ist Raffley-Castle, wirklich Raffley-Castle?« fragte ich, ohne eigentlich eine Antwort zu erwarten.
»Ja, das ist es,« sagte er. »Der alte, drüben in der Heimat aufragende Burg- und Schloßbau der Raffleys wurde aus Quadern von allerschwerstem Grampiangranit errichtet. Er ist der Leib, dessen Seele Sir John herüberholte, um sie hier in leuchtenden Pai-tang-schi-tou (Weißzuckerstein = Marmor) zu kleiden. Der Urbau dort hatte nur dem Interesse der Familie, des Klan zu dienen. Er war der aufwärts ragende Stamm, der sich von diesen Interessen nicht zu lösen vermochte. Sir John und seine Yin aber machten die Seele hier von diesem Zwange frei [...] Dieser Bau ist allerdings noch nicht ganz vollendet, weil Raffley so lange Zeit abwesend war. Aber vorbereitet ist Alles, und was dort jetzt noch fehlt, das ist in Shen-Fu angelegt, um später nach dem Schloß versetzt zu werden, besonders auch die Schule, der ich es verdanke, daß ich in dieser Weise mit Euch reden kann.[3]

Die wichtigsten Räume sind das Atelier und der Ahnensaal:

»Das ist außerordentlich: Ihr sprecht auch von einem Atelier. Gibt es denn dort einen Künstler, einen Maler oder Bildhauer?« - »Nicht einen Künstler, sondern eine Künstlerin, nämlich unsere Yin.« [...] »Auch das noch! Aber trotz dieser ihrer Beihilfe war ein Architekt nötig, wie es selten einen gibt, und der kann kein Chinese gewesen sein, sondern ist aus Europa herbeordert worden. Wahrscheinlich ein Engländer, der Raffley-Castle dort natürlich vorher studieren mußte!« - »Verzeihung, Sir; er ist doch ein Chinese. Er studierte in Leeds in London; dann ging er an die Technische Hochschule in Berlin, worauf ich ihn ein Jahr lang reisen ließ, um Studien zu machen. In Neapel traf er mit Sir John zusammen, der ihn mit nach England nahm, um ihn Raffley-Castle zeichnen zu lassen, ohne daß die Verwandten etwas davon erfuhren. [...] Es ist mein Sohn, Sir ...«[4]
»Das ist der Hauptraum unseres ganzen Schlosses, nämlich der Ahnensaal. Daheim ist er schon so voller Bilder, daß man ihn nun wird vergrößern müssen; hier aber bin ich selbst im höchsten Grade neugierig, was man an die Wände gehangen haben wird. Wir befinden uns zwar im klassischen Lande des Ahnenkultes, aber man kann in China doch unmöglich wissen, wie so ein alter, längst verstorbener Englishman, ein echter, toter Raffley auszusehen hat!«[5]

zu den Werken

Bewusst greift Karl May in Und Friede auf Erden! das Thema des alten Stammschlosses auf, um darin die Wandlung Sir Johns zu spiegeln.

Anmerkungen

  1. Der Girl-Robber. S. 387.
  2. Und Friede auf Erden! S. 497.
  3. Und Friede auf Erden! S. 514.
  4. Und Friede auf Erden! S. 525.
  5. Und Friede auf Erden! S. 570.

Literatur