Philipp Rauer

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Philipp Johann Maximilian Rauer (* 18. August 1855[1] in Teplitz; † 25. November 1914) war der Chefredakteur der katholischen Sächsischen Volkszeitung in Dresden.

Leben

Zunächst arbeitete Rauer als Redakteur im böhmischen Bilin (heute: Bílina) und in Innsbruck.

Nach 1901 wurde er Chefredakteur der Sächsischen Volkszeitung (SVZ) in Dresden.

Philipp Rauer war verheiratet mit Marie geb. Genge und hatte drei Kinder: Philipp jun. (* 1886; † ?)[2], Maximilian Karl Maria "Max" (* 1889; † 1971) und Mariechen Rauer.

Philipp Rauer und Karl May

Artikel für May

Der erste bekannte Artikel Philipp Rauers zu Karl May erschien am 29. September 1907 in der SVZ. Er trug den Titel Die Verteidigung Karl Mays und war gegen Hermann Cardauns gerichtet. Rauer lobte darin den Wiedereintritt Karl Mays in die Reihe der Mitarbeiter des Deutschen Hausschatz als glänzende Rehabilitierung.[3]

Knapp drei Wochen später, am 18. Oktober, berichtete Philipp Rauer in der SVZ unter der Überschrift Der Erfolg Karl Mays über den gewonnenen Münchmeyer-Prozess.[4]

Am 8. März 1908 erschien Rauers lobende Rezension der ersten beiden Bände der Reihe Karl Mays Illustrierte Reiseerzählungen in der SVZ.[5] Drei Tage später besprach der Chefredakteur im gleichen Blatt Mays Erzgebirgische Dorfgeschichten, in denen der Autor tief in das Seelenleben des deutschen Volkes eingedrungen sei.[6]

in Radebeul

Zu Karl Mays 66. Geburtstag hatte Philipp Rauer vermutlich persönlich seine Glückwünsche ausgesprochen, wofür sich May am 12. März 1908, auch im Namen seiner Frau Klara, bedankte:

Nur soviel will ich sagen, daß Sie uns beiden alten, einsamen Leuten recht herzlich liebgeworden sind.[7]

Am 24. April lud Karl May Philipp Rauer und seine Frau Marie zu einem Abendessen in die Villa "Shatterhand" ein. Dieses Essen fand vermutlich noch im April 1908 – möglicherweise ohne Marie Rauer – statt.[8]

Ein weiterer Besuch des Ehepaars Rauer bei Mays, zu dem auch die drei Kinder der Rauers anwesend waren, fand wohl Anfang August 1908 statt. Am 10. August bedankte sich Karl May brieflich bei Philipp Rauer für den Besuch:

Es hat uns große Freude gemacht, Ihre liebe gute Frau Gemahlin und Ihre so wohlerzogenen Kinder kennenzulernen.

Außerdem sandte May ihm das Manuskript seiner Reiseerzählung Abdahn Effendi für einen Nachdruck in der SVZ und empfahl als "Lektürehilfe" einen Artikel Amand von Ozoróczys in der Augsburger Postzeitung.[9]

vor und auf der Amerikareise

Eine Woche später, am 17. August, bat Philipp Rauer Karl May brieflich um einen Kredit von 300 Mark für eine Sommerfrische. Marie Rauer, seine Gattin, erfuhr nichts von den Geldproblemen ihres Mannes.[10] Klara May antwortete in einem undatierten Brief darauf:

Soeben heimgekehrt, finde ich Ihre Briefe. Mein guter Herzensmann hatte sich soeben aufrichtig über den Artickel [sic] in Ihrem geschätzten Blatte gefreut. Ich möchte ihm diese Freude nicht trüben und werde ihm aus diesem Grunde den Inhalt Ihres Briefes nicht gleich mittheilen, zumal er auch Sorgen pekuniärer Art hat. [...] Es würde auch ihm, grad jetzt vor der Reise, nicht leicht fallen, 300 M[ar]k herzugeben. Diese Gründe bewogen mich, zu schweigen und Ihnen das Gewünschte lieber von meinem Wirthschaftsgelde zu geben.

Am 23. August bestätigte er (mit Datum des 21.) Klara May den Empfang eines Darlehens.[11]

Karl May, der davon offenbar wirklich nichts wusste, schrieb Rauer am 25. August einen Dankesbrief:

[...] es ist ein wahrer Gottestrost, daß sich im schönen Lande Sachsen, dem Schauplatze meiner Hinrichtung, nach einer zehn Jahre langen Marterung endlich eine Dresdener Zeitung findet, die das nicht länger ansehen kann und edel und menschlich genug denkt, sich des Gepeinigten anzunehmen.[12]

Vom 30. August bis 15. November erschien in der Unterhaltungsbeilage der SVZ ein Nachdruck von Karl Mays Abdahn Effendi.[13]

Während der Überfahrt von Bremerhaven nach New York auf dem "Großen Kurfürsten", also zu Beginn der Amerikareise, sandte Karl May, auch im Namen seiner Frau, am 6. September 1908 die herzlichsten Grüße an Philipp Rauer.[14]

gegen Ansgar Pöllmann

Der nächste bekannte Brief Philipp Rauers stammt vom 14. April 1910 und ging – vermutlich im Auftrag Karl Mays – an Pater Ansgar Pöllmann. Darin bat Rauer Pöllmann, ihm seine Veröffentlichungen gegen Karl May zu schicken.[15]

Offenbar hat Pater Pöllmann diesen Wunsch erfüllt, denn schon am 18. April schrieb Herr cand. ing. Philipp Rauer jun. (der älteste Sohn des Chefredakteurs Rauer) einen darauf bezogenen erzürnten Brief an ihn:

Die gegen May gerichteten Artikel entbehren nicht nur jenen Geist [der Nächstenliebe], sondern geben Hass und Missgunst, wobei auch Bosheit nicht fehlt, freies Feld. Widerlich mutet der Ton an [...] Es steht einem Priester nicht an, sich in die Reihe derjenigen zu stellen, die sich durch Neid zu Lieblosigkeit und blindem Hass bringen zu lassen.[16]

letzte Grüße

Nach seinem gerichtlichen Sieg gegen Rudolf Lebius im Dezember 1911 sandte Karl May im Januar 1912 einen Brief an den Chefredakteur Philipp Rauer:

Ja, es geht von jetzt an vorwärts, Hieb auf Hieb; passen Sie auf! Nächstens wieder Verhandlung. Das war jetzt nur die Einleitung.

Dem Brief legte May das Flugblatt Ein fachmännisches Urteil über Karl May bei, das einen Brief Hans-Erich Tzschirner-Beys an Erich Sello beinhaltet.[17]

Ein Neujahrsgruß Karl Mays ging am 1. Januar 1912 an Philipp Rauers jüngeren Sohn Max Rauer, der am Priesterseminar in Paderborn studierte.[18]

Für das Berufungsverfahren im Prozess gegen Pauline Münchmeyer wurde Karl May vermutlich durch Philipp Rauer der Dresdner Rechtsanwalt Dr. Erich Ebert empfohlen. Rauer wohnte seinerzeit im Erdgeschoss des Kanzleigebäudes des Kanzlei Dr. Erich Ebert und Dr. Leo von Hartleben-Sarkhaza in der Pillnitzer Straße 65.[19]

Vermutlich das letzte Mal im Leben trafen sich Karl May und Philipp Rauer bei der Feier von Mays 70. Geburtstag am 25. Februar 1912 in der Villa "Shatterhand".[20]

Anmerkungen

  1. Geburtsdatum nach Geburtsurkunde; in der Sekundärliteratur abweichend 1851
  2. Philipp Rauer jun. wanderte 1914 nach Amerika aus und lebte in New York. Klara May besuchte ihn 1930, während ihrer Amerikareise.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 284.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 298.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 361.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 362.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 363.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 384.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 418.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 420.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 421 f.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 422.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 423.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 425.
  15. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 96.
  16. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 102.
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 523.
  18. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 531.
  19. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 548.
  20. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 559.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.