Phantasia

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Eine Phantasia ist ein Kampfspiel, das bei Karl May in verschiedenen Gegenden angesiedelt ist, z.B. in Mexiko (im Waldröschen) oder auch im Orient (u.a. in Deutsche Herzen, Deutsche Helden, Der Krumir und Im Lande des Mahdi I). Lediglich über die Schreibweise war May sich nicht einig, mal schrieb er Phantasia, mal Fantasia.

im Waldröschen:

"Die hervorragenden Bewohner Mexiko's pflegen nämlich von Zeit zu Zeit wilde Kampfspiele zu veranstalten, bei denen oft ganz bedeutende Preise erstritten werden. Sie finden gegen Abend statt, wenn die Sonnenhitze nicht mehr so drückend ist, und dann folgt am Abend noch eine Maskerade, an welcher sich Alles betheiligen kann, was Lust und Freude an dergleichen Dingen findet. Die höchsten Sennores betheiligen sich an diesen Kampfspielen, die oft wirklich lebensgefährlich sind, und auch jeder anständige Fremde wird zur Arena gelassen, natürlich mit den Waffen, für welche er sich entscheidet. Ein solches Kampfspiel wird Phantasia genannt und heute Abend sollte eine dergleichen stattfinden."

Sowohl Karl Sternau (Lasso, Büchse, Degen und Dolch) als auch Alfred de Lautreville (Büchse, Degen und Dolch) lassen sich als Teilnehmer einer solchen Phantasia in Mexiko-Stadt registrieren.

  • Degen: Sieger ist Alfred de Lautreville, da Karl Sternau zurücktrat
  • Dolch: Sieger ist Karl Sternau
  • Lasso: Sieger ist Karl Sternau
  • Büchse: Sieger ist Karl Sternau
Künstlerische Darstellung einer «Fantasia» nach Léon Cauvy (1918)

in Deutsche Herzen - Deutsche Helden:

"Es gab ja eine Begrüßung, eine Fantasia, und da bleibt kein Beduine nur einen Augenblick zurück. Fantasia wird nämlich jedes Waffen- und Reiterspiel genannt, welches bei gewissen feierlichen oder frohen Begebenheiten unternommen wird. So reiten gewöhnlich bei Begrüßung willkommener Gäste sämmtliche verfügbaren Krieger des Stammes unter lautem, wildem Geschrei den Ankömmlingen in sausendem Galoppe entgegen, umringen sie, legen ihre Gewehre auf sie an, schießen die Letzteren ab, werfen die Speere, zücken die Messer unter drohenden Geberden und thun ganz so, als ob sie die Gäste als Feinde ansähen und vom Erdboden vertilgen wollten."

in Im Reiche des silbernen Löwen I:

"Dabei wurde geschossen und geschrieen, so laut das Pulver knallen und die Stimme schallen wollte. Der Schwarm stob bald auseinander, flog wieder zusammen, ging bald nach rechts oder links, bald gerade aus, dann wieder nach der Seite, bildete jetzt eine Linie, nun einen Kreis, nachher ein Vier- oder ein Vieleck und hierauf abermals ein wirres Durcheinander. Die Fantasia glich einer Komposition mit einer Menge verschiedener Terzquintsextakkorde, von denen jeder einzelne acht verschiedene Auflösungsarten, vier nach Dur und vier nach Moll besitzt, und so schreiend und disharmonierend jetzt, in diesem Augenblicke, die Klänge waren, im nächsten fanden sie sich zu einer Harmonie zusammen, von deren Möglichkeit man einen Moment vorher keine Ahnung gehabt hatte. Daß die Pferde dabei so häufig in die Häksen gerissen wurden, daß sie unbedingt darunter leiden mußten, versteht sich ganz von selbst, und das ist es, was ich gegen diese Fantasias und gegen diese Al'ab el Barud habe: Die besten Pferde gehen dabei zu Grunde, indem nicht nur die Sprunggelenke, sondern auch andere Teile zu sehr angegriffen werden."

in Im Lande des Mahdi I:

"Der Beduine hat eine Leidenschaft für Fantasias und läßt gewiß keine Gelegenheit zu einer solchen vorübergehen. Es wäre hart von mir gewesen, meine Genehmigung zu versagen; aber ich hatte keine Zeit, jetzt eine solche Feierlichkeit über uns ergehen zu lassen. Eine Fantasia dauert wenigstens mehrere Stunden, oft sogar einige Tage lang, und nun gar eine Frauenfantasia! Diese guten Damen brauchten wenigstens den halben Tag, nur um sich zu derselben zu schmücken."

in Der Krumir:

"Sie werden uns nach arabischer Sitte mit einer kriegerischen Fantasia empfangen; von Kampf aber ist keine Rede."