Paul Langenscheidt

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Dr. phil. Paul Langenscheidt, Pseudonym Erwin Rex (* 25. November 1860 in Berlin; † 30. September 1925 in Berlin), war Verlagsbuchhändler und Schriftsteller in Groß-Lichterfelde bei Berlin.

Leben und Werk

Langenscheidt war der Sohn des Sprachlehrers und Verlagsgründers Gustav Langenscheidt und studierte in Berlin, Münster und London. Nach seiner Promotion gründete er in Groß-Lichterfelde-Ost seinen eigenen Verlag.

Im Jahre 1900 wurde er zum Rittmeister ernannt. Zu seinen schriftstellerischen Werken gehören:

  • Gärung. (1895)
  • Lieder des Glücks. Dichtungen. (1898)
  • Kaufmännisches Miniatur-Lexikon. (1901)
  • Arme kleine Eva. (1907)
  • Eine dumme Geschichte. (1908)
  • Mutter, hilf mir! Ein Knabenleben. (1913)
  • Taumel. (1914)
  • Die weiße Nacht. (1914)
  • Soldatenherzen. Geschehenes und Gesehenes. (1915)
  • Du bist mein. (1916)
  • Beate. (1919)
  • Im Blütenschnee. Dichtungen. (1920)
  • Diplomatie der Ehe. Ein Buch für gute und böse Tage. (1920)
  • Der Sprung ins Dunkle. (1920)
  • Kanaillen. (1921)
  • Heute ist heut. (1922)
  • Der Bräutereigen. (1925)
  • Seine Freundin. (1926)
  • Lebenskunst – Aus drei Jahrtausenden Weltweisheit. (1927)

Paul Langenscheidt und Karl May

Ein Fürst der Diebe

Am 14. Januar 1907 antwortete Karl May auf eine Anfrage Paul Langenscheidts:

Verträge binden mich nicht; aber ich habe mir Zwecke und Ziele vorgeschrieben, deren Verwirklichung resp. Erwähnung meine ganze Zeit in Anspruch nimmt. Stimmt das, was Sie wünschen, mit diesen meinen Aufgaben überein, so ist es mir nicht verboten, mit Ihnen in Unterhandlung zu treten, und ich bitte Sie, mir gütigst und genau mitzutheilen, um was es sich handelt. [...] Da ich beabsichtige, nächstens wieder eine längere Studienreise um die Erde anzutreten, so ist mir nur dann möglich, mich Ihrem hochgeschätzten Verlage zu verbinden, wenn Ihre Antwort sich nicht allzulange verzögert.[1]

Langenscheidt antwortete vermutlich tatsächlich sofort, denn bereits am 17. Januar formulierte May für seine Frau Klara einen Brief an den Verleger:

Mein Mann ist verreist, wird aber Ihren Brief sofort nach seiner Rückkehr vorgelegt erhalten. Sie schreiben, daß Sie 10 % Honorar zahlen, sagen aber nicht, wovon. Da mein Mann diese Frage aussprechen wird, formuliere ich sie im Voraus.[2]

In Paul Langenscheidts Verlag war 1906 das Buch Ein Fürst der Diebe erschienen, das die fiktiven Memoiren des rumänischen Hochstaplers und Meisterdiebs Georges Manolescu (* 1871; † 1908) enthielt. Langenscheidt hatte Karl May aufgefordert, eine Fortsetzung dazu zu verfassen. In Mays Antwortbrief vom 16. Februar 1907 heißt es dazu:

Die Ehre mit Ihnen in Geschäftsverbindung zu treten, winkt mir für dieses Mal leider vergeblich. Die Wahrheit zwingt mich, Ihnen zu gestehen, daß mir alle die literarischen und intellectuellen Vorzüge fehlen, die zu der mir von Ihnen vorgeschlagenen Arbeit erforderlich sind. Es liegt das meinen Zwecken und Zielen und meiner ganzen Weltanschauung so unendlich fern, daß ich mich unfähig fühle, ein solches Sujet zu bearbeiten. Insonderheit fehlt mir die große hierzu gehörige Phantasie. Meine Reiseerzählungen beruhen, wie überhaupt alles was ich schreibe, auf unfechtbaren Beobachtungen und Erfahrungen, die ich der strengsten Wirklichkeit entnehme und dann für meine tiefer liegenden Zwecke idealisire. Der geistig Kurzsichtige hält dieses Idealisiren fälschlicher Weise für Phantasie [...][3]

Auch in seiner Prozessschrift An die 4. Strafkammer des Königl. Landgerichts III in Berlin erwähnte May Paul Langenscheidts Angebot:

Langenscheidt, den ich gar nicht kannte, schickte mir den von ihm herausgegebenen Band Manolescu. Er fragte mich, ob ich gesonnen sei, ihm einen zweiten Band dazu zu schreiben. Ich war erstaunt über diese mehr als sonderbare Zumutung und schickte ihm sein Buch zurück.[4]

Erich Wulffens Bücher

Nach Mays Niederlage im Prozess Karl May ./. Rudolf Lebius schrieb Paul Langenscheidt einen Brief an Lebius' Rechtsanwalt Paul Bredereck und wies für den Fall, dass Kläger Revision einlegen sollte, auf das in seinem Verlag erschienene Buch Psychologie des Verbrechers von Erich Wulffen hin, in dem auch Mays Leben beschrieben ist. Bredereck schickte eine Kopie des Briefs an seinen Mandanten.[5]

Auch in seinem Buch Gauner- und Verbrecher-Typen, das 1910 ebenfalls bei Paul Langenscheidt erschienen war, erwähnte Erich Wulffen Karl Mays Jugenddelikte. In seinem Schriftsatz An die 4. Strafkammer ... schrieb May dazu:

Die Lebiussche Behauptung, daß ich von Wulffen eine sträfliche Abfuhr erlitten habe, ist eine Erfindung. Eine "Abfuhr" auf meine höfliche Anfrage wäre allerdings "sträflich" gewesen, und ich hätte es mir auch nicht gefallen lassen; aber er schrieb mir ganz selbstverständlich ebenso höflich wie ich ihm, daß die Entfernung der betreffenden Zeilen aus den gebundenen Bänden eine Unmöglichkeit sei; er wolle sich jedoch mit dem Verleger hierüber verständigen.[6]

Am 3. Mai 1910 schrieb Pauline Münchmeyers Anwalt Oskar Gerlach an Rudolf Lebius' Anwalt Paul Bredereck:

Auf Dr. Wulffen's Werk "Psychologie des Verbrechers" hat mich Ihr Herr Auftraggeber zur kriminell-psychologischen Beurteilung des Herrn May gütigst aufmerksam gemacht. Der Verleger Dr. Langenscheidt erwähnt in seinem [...] Schreiben vom 13. IV. 10 auch Mays "beifolgende Briefe, die von Lügen strotzen". Wenn es sich hier nicht nur um die Frage der May'schen Reisen handelt, ersuche ich Sie um Mitteilung dieser Briefe [...][7]

Weitere Beziehungen zwischen Paul Langenscheidt und Karl May sind nicht bekannt.

Sonstiges

Der zweite Teil zu Manolescus Memoiren erschien – ohne Mays Zutun – unter dem Titel Gescheitert. Aus dem Seelenleben eines Verbrechers bei Paul Langenscheidt. Außerdem verfasste Erich Wulffen um 1910 ein Werk mit dem Titel Georges Manolescu und seine Memoiren. Kriminalpsychologische Studie, das ebenfalls von diesem Verlag veröffentlicht wurde.

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 135 f.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 138.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 160.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 160.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 90.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 121.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 126.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks