Oscar Meyer

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Oscar Meyer (* um 1889; † ?) war Schüler und angehender Kaufmann in Köln sowie ein Leser, der mit Karl May in Briefkontakt stand.

Oscar Meyer und Karl May

Kontaktaufnahme

Wohl im Herbst 1904 hatte Meyer in einem Brief eine Frage an Karl May gestellt und ihn um Fotos gebeten. Karl May hatte diese Fragen beantwortet und die Bitte erfüllt, woraufhin ihm Oscar Meyer am 27. November brieflich für die gütige Antwort u[nd] die freundlichst übersandten Photographieen dankte. Außerdem lobte er Mays Verteidigung (möglicherweise ist damit Max Dittrichs Karl May und seine Schriften gemeint) und forderte ihn auf, sie an die Kölnische Volkszeitung zu schicken.[1]

Vereinsgründung

Am 29. März bat Meyer in einem Brief an Karl May um die

Genehmigung zur Gründung eines "Karl-May-Vereins", der die Aufgabe haben soll, sich eingehends mit Ihren Werken zu beschäftigen und so Ihre Sentenzen zu verbreiten.[2]

Darauf muss May sehr bald geantwortet haben, denn am 4. April schrieb Oscar Meyer, dass es ihm mit der Vereinsgründung völlig ernst nicht Spiel sei.[3]

Karl May gab daraufhin am Karfreitag, 13. April, wiederholt seine Zustimmung zum "Karl May-Verein":

Möchte dieser Ihr Verein eine der lieben, schönen, bedeutungsreichen Stellen sein, an denen das, was jetzt geboren werden soll, sich später Hütten bauen darf.

Weiterhin schloss er Bemerkungen zum Großen Traum auf seinem Buch Im Reiche des silbernen Löwen IV an.[4]

Am Ostersonntag 1906 verfasste May eine umfangreiche Erläuterung zu diesem Brief. Diese ließ er von seiner Frau Klara abschreiben und unter ihrem Namen an Oscar Meyer senden. Darin heißt es:

Richten Sie gleich Ihre Statuten auf jenes frohe Durchforschen des inneren Menschen ein, dem alle Bücher Karl May's gewidmet sind. Betonen Sie vor allen Dingen, daß er kein Jugendschriftsteller ist.

Außerdem wird in dem Brief auf die Haddedihn und die Dschamikun unter Karl Mays Lesern eingegangen sowie ein weiterer Stamm erwähnt:

Ich schreibe Ihnen das als Andeutung, wie die Werke von Karl May zu lesen und zu verstehen sind. Die "Himmelsgedanken" sind für einen dritten Stamm geschrieben, den Sie noch nicht kennen. In den Bänden "Marah Durimeh" werden Sie von ihm lesen.[5]

Der nächste Brief Oscar Meyers an Karl May datiert auf den 18. April. Darin dankte Meyer für die beiden Briefe und unterschrieb als Vorsitzender der neuen Karl-May-Verbrüderung.[6]

An die Interessenten ...

Unter dem Titel An die Interessenten Dr. Karl May's hatte Oscar Meyer einen Artikel für das Kölner Tageblatt verfasst, der Zitate aus den Briefen vom 13. und 15. April beinhaltet. Am 11. Juni schrieb Meyer an Karl May in einem Brief:

Ich möchte Sie bitten, mir bei diesem Artikel freie Hand zu lassen, und Sie werden sich überzeugen, daß er nicht schlecht ist und keineswegs auch nur in irgend einer Beziehung schädlich![7]

Offenbar hatte Karl May dem zugestimmt und seiner Sendung an Oscar Meyer ein Geschenk beigelegt, für das sich Meyer in einem am 21. Juni begonnenen Brief bedankte:

Wiederum ein Beweis, daß mein Meister seinen Schüler liebt, ja, herzlich liebt!

Außerdem bat er darum, May duzen zu dürfen:

Versage mir dies nicht und nenne mich auch Du, – mein Schüler! [...] Könnte ich Dir die Stirn, Deiner Gemahlin die Hand küßen, – küßen, wie noch nie geküßt worden ist!!!![8]

Am nächsten Tag vollendete seinen Brief und legte eine Teilabschrift des (auch später nicht gedruckten) Artikels bei.[9] Schon einen weiteren Tag später schickte Oscar Meyer ein Huldigungsgedicht an Karl May.[10]

Als Antwort auf seinen Artikel erhielt Meyer einen streng gehaltenen Brief Klara Mays, er sei noch Most, aber noch kein Wein. Außerdem verlangte sie die beiden im Artikel zitierten Briefe zurück. Oscar Meyer traf dies sehr, wie sein Brief an May vom 26. Juni zeigt:

Werde ich für einen "Schwärmer" gehalten? [...] Den Artikel verlange ich sofort zurück! [...] Leben Sie wohl! Ich kann nicht mehr! Schreiben Sie bitte, ich dürfe "Du" sagen. Bitte! Bitte!! Bitte!!! Ich schwärme nicht!

Die Briefe vom 13. und 15. April legte er bei und erhielt sie nicht wieder zurück.[11]

als Unterstützer

Der Kontakt zwischen Meyer und Mays blieb aber trotzdem erhalten, auch wenn der Schriftsteller dem Leser das "Du" nicht angeboten hatte. Wohl im Spätherbst 1906 hatte Karl May verschiedene Drucksachen an Oscar Meyer gesandt, worauf dieser am 10. Dezember antwortete:

Ja, ich bin noch Most, noch kein Wein, aber wenn Sie mich nicht verlachen, dann werde ich wohl noch Wein, und dann werde ich gerne mein Leben Ihnen und der Menschheit schenken! Also Vater, verlassen Sie mich nicht![12]

Mays hatten Oscar Meyer beauftragt, einige Artikel in der Kölnischen Zeitung oder im Kölner Stadtanzeiger unterzubringen. Er aber erkundigte sich zunächst in einem Brief vom 23. Januar 1907 bei Klara May nach einem glaubhaften Beweis, dass Karl May den und was für einen Prozeß gewonnen habe. Klara Mays Notiz auf dem Umschlag lautet:

solche Freunde schaden jedenfalls mehr als sie nützen, werde nicht antworten.[13]

Dies wurde offenbar in die Tat umgesetzt. Am 5. Februar äußerte sich Oscar Meyer brieflich von Mays Kühle enttäuscht:

Sollte ich Fehler begangen haben, nun, so ist es doch am ersten an Ihnen, einen jungen Menschen, der sich Ihnen fast ganz und gar anvertraute, darauf aufmerksam zu machen! [...] Nichts hab ich auf dieser Welt ausser mir und meinem May![14]

Das nächste und letzte bekannte Schreiben zwischen Meyer und Mays ist ein nachträglicher Geburtstagsgruß, den Oscar Meyer am 7. März 1910 aus Hamburg-Harburg an Karl May sendet.

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 428.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 24.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 25.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 28 f.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 29-31.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 31.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 38.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 39.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 40.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 41.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 43.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 118.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 144.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 152 f.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.