Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf

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Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (* 26. Mai 1700 in Dresden; † 9. Mai 1760 in Herrnhut) war ein lutherisch-pietistischer Theologe, Gründer und Bischof der Herrnhuter Brüdergemeine ("Brüder-Unität") und Dichter zahlreicher Kirchenlieder.

Zinzendorf und Karl May

Erwähnungen in Karl Mays Werk

Christi Blut und Gerechtigkeit (1739)

Das vollständige Lied bei Gesangbuch.org.

Er faßte den Knaben und holte dann mit der Peitsche zum fürchterlichen Schlage aus. Dieser Hieb konnte tödtlich werden. Das Kind hatte viel, o, viel Schläge erhalten, aber so einen fürchterlichen Hieb noch nicht. Es sah und fühlte ihn bereits kommen, und da, da that es vor entsetzlicher Angst gerade das, was es früher bei den Eltern gethan hatte, wenn es in Furcht gerathen war. Der Kleine faltete nämlich die Hände und schrie zeternd:
"Christi Blut und Gerechtigkeit ist mein Schmuck und Ehrenkleid. Damit will ich bei Gott bestehn, wenn ich in den Himmel werd' eingehn. Amen!"
Was war es, was bei diesen Gebetsworten über den riesigen Mann kam? Der Arm mit der Peitsche blieb erhoben; seine Augen starrten in das angstvoll verzogene Antlitz des Kindes hernieder. War es eine Erinnerung aus seiner eigenen Kinderzeit, welche ihn ebenso plötzlich wie gewaltig überkam, so daß er zögerte, mit der dem armen, unglücklichen Kinde zu gedachten unmenschlichen Züchtigung zu beginnen? (Karl May: Der verlorne Sohn)[1]

Nach einigen Augenblicken vernahm ich ein leises Flüstern und dann die helle, klare Stimme des kleinen Mädchens. Langsam und deutlich erklang es:
"Tis – ti – tut – te – täch – tig – teit – tis – tei – tuk – tun – te – ten – teit – – –"
Was war das?! Hatte ich richtig gehört, oder ließ meine Phantasie mir diesen kindlichen Stammellauten eine falsche Bedeutung geben? Kurdisch war das nicht, persisch, arabisch, türkisch auch nicht. Hatte ich nicht selbst ganz ähnliche Laute gestammelt, in den Armen der alten lieben Großmama, wenn sie mich zu Bette legte, als ich noch nicht reden konnte? Ich lauschte weiter. Mir wurde ganz eigentümlich zu Mute; der Atem und der Puls wollte mir stillstehen.
"Was thut das Kind?" fragte ich leise.
"Es betet," antwortete Hamsa Mertal, "denn es geht schlafen."
"Was betet es?"
"Das Gebet des Vaters meines Weibes."
"Wo ist er? Wo lebt er?"
"Er ist tot."
"War er ein Moslem?"
"Ich weiß es nicht. Ich habe ihn nicht gekannt."
"Verzeihe mir! Wo nahmst du dein Weib?"
"Ich nahm sie mit, als wir bei den Abu Salman-Arabern einfielen."
"Darf ich sie fragen?" bat ich, als in diesem Augenblicke Schefaka wieder hinter dem Schirme hervortrat.
"Frage sie!"
"Sage mir, Morgenröte, was dein Liebling jetzt gebetet hat!"
"Das Gebet, welches mein Vater mich lehrte," antwortete sie errötend.
"Wie lautet es?"
"Es ist eine fremde Sprache, welche ich nicht kenne. Du wirst sie auch nicht verstehen."
"O, sage nur das Gebet! schnell, schnell!"
Sie faltete die Hände, senkte verwirrt die Augen und rezitierte, wenn auch mit fremder Betonung und fehlerhaft, aber für einen Deutschen immerhin verständlich:
"Christi Blut und Gerechtigkeit
Ist mein Schmuck und Ehrenkleid.
Damit will ich vor Gott bestehn,
Wann ich in den Himmel werd' eingehn.
Amen!"
Ich war aufgesprungen und hatte, ebenso wie sie, die Hände gefaltet. Ich schäme mich nicht, es zu gestehen, daß mir die Thränen über die Wangen liefen und in großen Tropfen vom Barte fielen. Hier in den wilden Bergen Kurdistans, mitten in einer fanatisch-moslemischen Bevölkerung vernahm ich das erste Gebet meiner Kindheit, und zwar in meiner Muttersprache! (Karl May: Christi Blut und Gerechtigkeit/Orangen und Datteln)[2]

"Als ich in dieses Land berufen worden war," fuhr er fort, "kam ich hier an, als man sich anschickte, den Grundstein zur Kapelle da zu legen. Ich wurde gebeten, mich mit einer kurzen Rede hieran zu beteiligen, und bereitete mich also rasch auf diese vor. Aber als ich kam und die beiden Tafeln sah, welche Sir John und Fu gewidmet hatten, damit sie unter den Grundstein versenkt würden, da verzichtete ich auf alle diese erst aufgeschriebenen und dann einstudierten Sätze und ließ nur ganz allein die Stimme meines Herzens sprechen. Es waren zwei kleine, nur vierzeilige Strophen, die ich auf diesen Tafeln las. Sir John hatte ein altes, christliches Gebetlein meißeln lassen, Fu aber eine eigene Antwort dazu. Ihr wißt wohl, daß er sich im Besitze der höchsten literarischen Ehren befindet und also gar wohl zu dichten versteht. Auf der ersten Tafel stand:
"Christi Blut und Gerechtigkeit
Ist mein Schmuck und Ehrenkleid;
Damit will ich bei Gott bestehn,
Wenn ich in den Himmel werd' eingehn. Amen!" (Karl May: Et in terra pax/Und Friede auf Erden!)[3]

Anmerkungen

  1. Karl May: Der verlorne Sohn. In: Karl Mays Werke, S. 20625 f. (vgl. KMW-II.15, S. 806 f.).
  2. Karl May: Orangen und Datteln. In: Karl Mays Werke, S. 61191–61193 (vgl. KMW-IV.25, S. 540 f.).
  3. Karl May: Und Friede auf Erden! In: Karl Mays Werke, S. 64759 f. (vgl. KMW-V.2, S. 589 f.).

Literatur

Weblinks