Mein Himmel (Gedicht)

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Mein Himmel ist ein Gedicht von Karl May.

Text

          Mein Himmel.
Wie ist der Himmel doch so weit
  Entfernt von mir mit seinen Sternen!
Er baut zur Grenzenlosigkeit
  Sich auf durch unmeßbare Fernen.
Es reicht mein schwacher Blick nicht hin,
  Mir nur die nächste Welt zu zeigen;
Ich fühle, daß ich Erde bin,
  Nicht wert, zu ihr empor zu steigen.
Wie ist der Himmel doch so nah!
  Er strahlt in mir mit tausend Sternen.
Fühl ich ihn nicht, er ist doch da;
  Ich muß ihn nur erfassen lernen.
Die ganze Unermeßlichkeit
  Der Liebe darf ich in mir tragen;
Es hemmt sie weder Raum noch Zeit,
  Mich auf zu Gott, dem Herrn zu tragen.
Unendlich und doch endlich ist
  Der Himmel um die kleine Erde,
Doch du in meinem Herzen bist
  Der, den ich ewig haben werde.
Was andern Himmeln drohen mag,
  Dir hat es nicht und nie zu gelten:
Für dich giebts keinen letzten Tag
  Und keinen Untergang der Welten.
Wie ist der Himmel doch so weit,
  Und wie so nahe kann er liegen,
Wenn über unsre Blödigkeit
  Der Glaube und die Liebe siegen.
Ich blick empor; ich schau in mich;
  Dort darf ich nichts, hier Alles hoffen.
Mein Gott und Herr, ich bitte dich,
  Erhalt mir diesen Himmel offen![1]

Textgeschichte

Am 18. Dezember 1900 erschien ein Gedichtband Mays mit dem Titel Himmelsgedanken im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld.[2] In dieser Ausgabe ist das Gedicht auf den Seiten 21 und 22 enthalten. Der auf der gegenüberliegenden Seite abgedruckte Aphorismus lautet:

Der Himmel klopft öfterer bei uns an als wir bei ihm.[3]

aktuelle Ausgaben

Anmerkungen

  1. Karl May: Himmelsgedanken, S. 21 f.
  2. Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 244.
  3. Karl May: Himmelsgedanken, S. 23.

Weblinks