Maatepockeninsel

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Maatepockeninsel
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Der Ehri
Tui Fanua

Maatepockeninsel oder Maatepockennarbeninsel ist bei Karl May der Fantasiename einer kleinen Insel des Archipels von Französisch-Polynesien im Stillen Ozean.

Aussehen

Vor uns lag der niedrige Strand, von drei scharfen, gefährlichen Korallenringen umgeben, außerhalb deren die See ihre weiten, glänzenden Wogen wälzte, während zwischen ihnen und der Küste das Wasser so unbewegt lag, als habe nie ein Sturm in diesen sonnendurchglühten Breiten getobt. Hinter uns stieg das Land zur Höhe, hier und da von grünen Eucalyptussträuchern, dichten Melaleuceen (Theebäumen) und Gruppen von Callitrisconiferen bestanden, unter und zwischen denen zahlreiche Akazia- und andere feinstielige Leguminosen-Arten eine dichte Bodenbekleidung bildeten.[1]

Namensgebung

Die Insel in der Südsee wird von einem schiffbrüchigen Steuermann (eigentl. Steuermannsmaat, Anrede bei May: Maat und Maate) in Anspielung auf die unzähligen Pockennarben in seinem Gesicht so getauft.

"Habe noch nie daran gedacht, meine ehrliche Physiognomie zu benamsen, Kapt'n. Aber wenn dieses unglückselige Stück Koralle hier noch keinen Namen hat, so sind wir wahrhaftig gezwungen, ihm einen zu geben. Ich schlage vor, wir heißen das Eiland Maatepockeninsel!"[2]

Lage der Insel

Französisch-Polynesien

in Die Rache des Ehri (1878)

In der frühesten Fassung Die Rache des Ehri wird die Vorgeschichte auf der Maatepockeninsel noch nicht erzählt; der Hauptheld ist der Häuptling Anui.

in Der Ehri (1879/80)

Der gerettete Inselfürst (Ehri) heißt hier Potomba; Kapitän Roberts von der "Poseidon" nennt das Ergebnis seiner Berechnung:

"Wir sitzen anderthalb Grad nördlich vom Steinbock auf dem zweihundertneununddreißigsten Grad östlich von Ferro." [...]
"Ich denke, wir befinden uns so zwischen Holt und Miloradowitsch auf einem weit nach West vorgeschobenen Platze. Was meint Ihr, Master Charley?" [...]
"Meine Berechnung vorhin stimmt ganz mit der Eurigen, Sir," antwortete ich.[3]

Sie gehört zu den Pomatu-Inseln, zwei Tagesreisen von Tahiti entfernt.

in Tui Fanua (1880)

Das Schiff heißt hier "Jonathan" und der Kapitän Hammer, der gerettete Häuptling Tui Fanua; der Steuermann schlägt den Namen Maatepockennarbeninsel vor.

"Wir sitzen elf Grad nördlich vom Steinbock und hundertfünfzig westlich von Ferro, und zwar wie es scheint auf einem kleinen Eilande, welches noch keinen Namen hat." [...]
"Ich glaube, daß wir uns so ziemlich in der Mitte der Samoa- und der Tongagruppe befinden und gleich weit nach Tutuila und Bavao haben. Was meint Ihr dazu, Sir?"
"Meine Berechnung stimmt ganz mit der Eurigen, Sir," antwortete ich ihm.[4]
Tahiti und Tuamotus

Positionsberechnungen von Lieblang

Helmut Lieblang hat in den Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft (M-KMG) versucht, nach den Angaben in den zwei jüngeren Variationen der Erzählung die Position der "Maatepockeninsel" und damit auch ihr reales Vorbild zu errechnen.[5]

Mururoa-Atoll

Im Ehri sind 239° östlich von Ferro umgerechnet auf Greenwich 221°20'14" Ost oder 138°20'14" West; 1,5° nördlich vom Steinbock(-Wendekreis) sind 22° südliche Breite. Das wäre das Mururoa-Atoll, ungefähr 1.200 km von Tahiti entfernt. Diese Distanz würde zu den später angeführten Reisezeiten passen.

Tuamotus

Die zweite Angabe zwischen Holt und Miloradowitsch (Taenga und Faaite) beträfe die Raeffsky-Inseln im Tuamotu-Archipel. Die könnte eventuell eines der Atolle Tuanake, Makemo, Hiti oder Katiu sein. Die Distanz nach Tahiti ist hier allerdings zu kurz und auch sonst sind die beiden Angaben nicht kompatibel.

Manuae-Atoll

In Tui Fanua wird die Position mit 150° westlich von Ferro (167°39'46" westlich von Greenwich) und 11° nördlich vom Steinbock (12°30' südliche Breite) angegeben. Das wäre bei den samoanischen Manuae-Inseln, südwestlich von Puka-Puka und Nassau (Cook-Inseln) und südöstlich von Tokelau – hier ist nirgendwo Land zu finden.

Niuatoputapu

Die zweite Angabe in der Mitte der Samoa- und der Tongagruppe träfe auf die Niuatoputapu-Inseln der Tonga-Gruppe zu. Hier gibt es allerdings keine Korallen-Atolle, wie sie Karl May beschreibt.

Literatur

  • Helmut Lieblang: "... so zwischen Holt und Miloradowitsch ..." Zur Lage der "Maatepockeninsel" Geographische Angaben bei K.M. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 101/1994, S. 23–26. (Onlinefassung)

Weblinks

Anmerkungen

  1. Karl May: Der Ehri. In: Deutscher Hausschatz. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1879/80, 1. Kapitel: Potomba, S. 3.
  2. Karl May: Der Ehri, S. 5.
  3. Karl May: Der Ehri, S. 5 f.
  4. Prinz Muhamêl Latréaumont (Pseudonym von Karl May): Tui Fanua. In: Für alle Welt! Verlag Göltz & Rühling Stuttgart 1880, 1. Kapitel: Unter Menschenfressern, S. 203 f.
  5. M-KMG Nr. 101, S. 23 ff.