Leserbriefe

Aus Karl-May-Wiki
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Um der Leserbriefberge Herr zu werden, ließ Karl May folgenden Zettel drucken, der ihm Bearbeitung und Beantwortung derselben erleichtern sollte:


»Bei den vielen Tausenden von Zuschriften, mit denen ich seitens der Leserinnen und Leser förmlich überschwemmt werde und deren grössere Hälfte Bitten enthält, welche ich erfüllen soll, ist es mir unmöglich, die an mich gestellten Wünsche zu befriedigen, wenn nicht folgende Bedingungen berücksichtigt werden:

1. Man frankire richtig! Die jährliche Summe der Strafporti, welche ich für ungenügend frankirte Zusendungen bezahlte, hat nachgerade eine solche Höhe erreicht, dass ich von jetzt an die Annahme verweigern muss.

2. Man unterschreibe deutlich. Ist es schon höchst ärgerlich, wenn ich gezwungen werde, meine kostbare und mir karg bemessene Zeit an einen langen schlechtgeschriebenen Brief zu verschwenden, so muss es doppelt peinlich für mich sein, Jemandem antworten zu sollen, der gerade die Hauptsache, seinen Namen, so unleserlich hingeworfen hat, dass ich ihn nicht entziffern kann. Schon die einfachste Rücksicht verbietet, die Zeit des Adressaten durch schlechte Schrift unnütz zu verkürzen. Ich thue das auch nicht, obwohl ich der Beantwortung der fast zahllos zu nennenden Eingänge sogar meine Nächte opfern muss

3. Man gebe den Stand an. Es ist doch selbstverständlich, dass ich wissen will, was Derjenige ist, der an mich schreibt. Man sollte es nicht für möglich halten, dass man sehr häufig die Erfüllung höchst anspruchsvoller Bitten (meist um Geld, Stellenbesorgung etc.) ohne Angabe des Namens und Standes unter postlagernder Chiffre von mir verlangt!

4. Man gebe die Adresse auf jedem folgenden Briefe wieder an, weil ich keine Zeit habe, um Monate nach einer alten Adresse zurückzuschlagen.

5. Damen werden höflichst ersucht, nicht in Unklarheit darüber zu lassen, ob ich >Frau< oder >Fräulein< zu adressiren habe.

6. Manuscripte zum Durchlesen und Zeugnisse als Unterlagen zu Bittschriften schicke man mir nicht, weil ich keine Zeit für die Arbeiten angehender Schriftsteller habe und die umgehende Rücksendung von Dokumenten nicht garantiren kann.

7. Man melde sich bei beabsichtigten persönlichen Besuchen einige Tage vorher an, damit ich Zeit zu der Benachrichtigung habe, ob und wann ich zu sprechen bin.

Radebeul-Dresden Villa "Shatterhand" Dr. Karl May


(Quelle: Dokumente und Bilder, S. 155)