Leo Hofrichter

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Leo Napoleon Gabriel Hofrichter (* 25. März 1841 in Prag; † 9. Februar 1893 in Dresden-Weißer Hirsch) war ein Heilmagnetiseur, der ab 1882 in Dresden lebte und praktizierte.

Leben und Werk

Eigenen Angaben zufolge war er »früher Professor der Agricultur und Studiendirector der höheren landwirth-sch[aftlichen] Lehranstalt Doubravic[e]«. [1]

Er war Oesterreicher, besaß eine außerordentliche magnetische Kraft, die sogar in die weiteste Ferne wirkte, und hatte mit seinen Kuren die außerordentlichsten Erfolge...[2]

Das Geschlecht der Hofrichter stammt ursprünglich aus Nordböhmen und Schlesien. Sein Vater war Dr. med. Josephus Hofrichter (* 6. August 1803; † 1883 in Prag), seine Söhne waren Zdenko Hofrichter (* 10. Januar 1870; † 15. Mai 1945), k.u.k. Obrist der Infanterie in Wien, und Leo Napoleon Oscar Hofrichter (* 21. Februar 1885; † 27. Februar 1953 in Dresden), Ingenieur-Chemiker. Seine Frau Magdalena geb. Roman ist am 18. Februar 1926 in Dresden verstorben.

Professor Hofrichter nutzte die von Franz Anton Mesmer erfundene Behandlungsmethode, bei der Kranke durch Handauflegen oder mit Hilfe von Magneten geheilt werden. Da Mesmer von einem "Fluidum" ausging, das zwischen Kranken, Gesunden und verschiedenen Gegenständen hin und her ströme, waren die Übergänge zum Spiritismus fließend.

Hofrichter jedenfalls hatte durch seine therapeutischen Erfolge mit ausführlicher Presseberichterstattung und Annoncen bald einen guten Ruf in diesen Kreisen.

 »Gestern Nachmittag wurde auf dem Trottoir vor dem Blockhause eine Dame von einem Schlaganfalle betroffen und stürzte besinnungslos auf das Trottoir hin. Zufällig war Herr Magnetiseur Prof. Hofrichter Zeuge dieses Unfalles und hob sofort die Betroffene mit Hilfe eines städtischen Beamten auf, trug sie mit dem-selben in den nahen Kaiserhof und brachte sie in kurzer Zeit wieder zur Besin-nung, so dass sie im Stande war, ihren Weg wieder fortzusetzen.«[3]

In Abständen gab Hofrichter in der Tagespresse Anzeigen auf, in denen er von ihm erfolgreich behandelte Patienten unter der Überschrift Oeffentliche Anerkennung einer heilmagnetischen Kur zu Wort kommen ließ. Desweiteren gab es vor geladenen Gästen "Vorführungen" seine Kunst und hielt Vorträge bzw. sogar Schulungen ab.

Im Oktober 1889 gründete Hofrichter in Dresden die erste biomagnetische Klinik Deutschlands. 1893 starb er 52-jährig an einem Lungenleiden.

Leo Hofrichter und Karl May

Karl May berichtet in der "Pollmer-Studie", dass seine Frau Emma zufällig Leo Hofrichters Frau Magdalena bei einem Spaziergang kennen gelernt hätte und so ein Kontakt zur Familie entstand:

Wir wurden Freunde. [...] Ich studirte ihn und er mich.[4]

Angeblich habe Hofrichter May auch vor Emmas "diabolischen" Kräften gewarnt.[5]

Im Jahr 1885 unternahm Hofrichter eine Studien- und Vortragsreise, als deren Folge er Anfang 1886 in Dresden einen practischen Lehrcursus für Fachmänner und gebildete Laien abhielt. Hans-Dieter Steinmetz nimmt an, dass auch Karl May daran teilgenommen hat.[6]

Der Kontakt zwischen den Familien brach vermutlich im Winter 1886/87 ab; nach Karl Mays Aussage dadurch, dass Emma Hofrichters Frau verleumdet habe und von diesem daher vor die Tür gesetzt wurde.[7]

Veröffentlichungen

  • Die Chemie des Landmannes. Ein Führer dem Kleinwirte in Öesterreich-Ungarn. Bistritz in Siebenbürgen (Filtsch’ Erben), 1877.

siehe auch

Anmerkungen

  1. Dresdner Journal. Beilage zu Nr. 35 (10. 2. 1884), S. 167
  2. May: Frau Pollmer, eine psychologische Studie, S. 842.
  3. Dresdner Nachrichten. 28. Jg., Nr. 185 (4. 7. 1883), S. 2; Nachdruck in: Psychische Studien. 10. Jg., H. 9 (September 1883), S. 439
  4. May: Frau Pollmer, eine psychologische Studie, S. 843.
  5. May: Frau Pollmer, eine psychologische Studie, S. 844 – wobei hier auffällig ist, dass Karl May das angebliche Hofrichter-Zitat nicht in Anführungszeichen setzt und der Duktus eher nach May (insbesondere dem der Pollmer-Studie) selbst klingt.
  6. Steinmetz: Zwischen Skepsis und Glauben, S. 42.
  7. May: Frau Pollmer, eine psychologische Studie.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks