Kostümfotos

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Postkarte unter Verwendung von Aufnahmen der Kostümfotoserie

1896 und 1897 ließ Karl May von sich wiederholt Kostümfotos zu Werbezwecken anfertigen (siehe auch Old-Shatterhand-Legende). Bei der Gelegenheit entstanden auch Aufnahmen, die ihn "in Civil" und in den Räumen seines Hauses zeigen.

1. Session: 1896

Anfang der Freuden und Leiden

Anfang April 1896 machte ein Amateur-Fotograf, der Student und Karl-May-Verehrer Alois Schießer, angeblich 101 Aufnahmen von Karl May. Dabei entstanden neben den eigentlichen May-Porträts auch eine Anzahl von Scherz- und Privataufnahmen, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren.

Karl May schrieb unmittelbar danach an seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld, dass die Aufnahmen "fünf Tage" dauerten und "9 Dutzend Platten" brauchten.[1]

Wie May an Fehsenfeld ebenfalls schrieb, war der Auslöser, dass der Deutsche Hausschatz eine ganze "Maynummer oder den illustrirten 'Besuch bei unserm May' in drei Nummern" bringen wollte.[2]

Tatsächlich wurden neun der Aufnahmen für die autobiografische Skizze Freuden und Leiden eines Vielgelesenen (September/Oktober 1896) verwendet.

2. Session: 1897

Max Welte, der erstmals 1897 Karl May trifft, ist ebenfalls Amateur-Fotograf und macht am 11. April 1897 noch einmal Kostümbilder von Karl May. Es entstehen Gruppen- und Einzelaufnahmen. Welte erhält von May dafür im Scherz den "1ten Preis für das VIIIte sächsische Wettphotographieren"[3] und wird zum "Haupt-, Ober- und Leibphotographen" ernannt.[4].

Vermarktung

Anzeige im "Börsenblatt" vom 4. Mai 1897

Postkarte aus dem Fehsenfeld-Verlag

Die Negativplatten der 1896er Foto-Session erhielt durch einen Vertrag der Fotograf und Atelierinhaber Adolf Nunwarz aus Linz, der Abzüge mit Karl Mays Unterschrift in seinem eigenen Verlag vertrieb. Neben Nunwarz erhält auch der Linzer Buchhändler Fidelis Steurer Vertriebsrechte.

Die Kostümfotos waren regulär über den Buchhandel zu beziehen und wurden sowohl an private als auch gewerbliche Kunden ausgeliefert. Anzeigen erschienen in verschiedenen Zeitungen und May wies auch in Briefen auf die Kaufmöglichkeit hin.

Geschäftsanzeige im Regensburger Marien-Kalender:

Friedrich Pustet in Regensburg hält stets auf Lager Photographieen des berühmten und beliebten Reiseschriftstellers Dr. Karl May, die in nachbenannten Formaten und Aufnahmen existieren. Kabinettformat (16 ½ x10 ½ cm). Preis pro Stück 1 M. Porto 20 Pf extra.
1. Dr. Karl May als Old Shatterhand. Brustbild.
2. Stehfigur mit "Silberbüchse"
3. Stehfigur mit "Silberbüchse" und Fell des "Präriewolfes".
4. - als Kara Ben Nemsi. Brustbild.
5. Stehfigur.
6. Stehfigur mit Revolver in der Hand.   Boudoirformat (13x18 cm). Preis pro Stück M 1,25. Porto 20 Pf extra.
7. Villa Shatterhand des Herrn Dr. Karl May (hoch und quer)
8. Dr. Karl May in seiner Bibliothek.
9. In seinem Arbeitszimmer am Schreibtisch (hoch).
10. In seinem Arbeitszimmer am Schreibtisch (quer).
11. In seinem Arbeitszimmer auf dem Sopha lesend mit Schreibtisch.
12. In seinem Arbeitszimmer auf dem Sopha lesend ohne Schreibtisch.
Die Aufnahmen 1-6 sind in den Original-Kostümen, die Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi auf seinen gefahrvollen Weltreisen trug, angefertigt. - Jedes Bild trägt die eigenhändische Unterschrift des allverehrten Schriftstellers.[5]

Ab 1897 übernahm Max Welte von Dresden aus den Vertrieb und ab 1898 waren die Bilder auch beim Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld bestellbar.

Die Photographien wurden auch in Werbeanzeigen für May-Bücher verwendet.

Die Fotos der Anzeige

alle bekannten Fotos

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Schicksal der Bilder

Um 1900 wurde der Verkauf dann eingestellt und May sorgte 1902 höchstselbst für die Vernichtung der Negative, indem die Glasplatten von ihm und Adolf Nunwarz in der Donau versenkt wurden.[6]

Sonstiges

Emma May in Old Shatterhands Jagdrock
Emma May als Mann verkleidet

Bei dem Shooting fielen auch einige Fotos von Mays Frau Emma in Verkleidung ab, und auch private Aufnahmen – u.a. vom gemeinsamen Skatspiel der Familien Plöhn und May samt Alois Schießer.

Für die Reihe der Werbepostkarten ließ Friedrich Ernst Fehsenfeld einige der Fotografien (vermutlich von Adolf Wald[7]) retuschieren und gemalte Hintergründe einfügen. Die Karten wurden allerdings nicht verwendet.

Anmerkungen

  1. Karl May am 9. April 1896 an Friedrich Ernst Fehsenfeld; zitiert nach Karl-May-Chronik I, S. 521.
  2. Karl May am 9. April 1896 an Friedrich Ernst Fehsenfeld; zitiert nach Karl-May-Chronik I, S. 521.
  3. KMHI Nr. 4, S. 6 und 34.
  4. Karl-May-Chronik II, S. 23.
  5. Zitiert nach KMG-Reprint Christus oder Muhammed.
  6. Claus Roxin: "Dr. Karl May, genannt Old Shatterhand". Zum Bild Karl Mays in der Epoche seiner späten Reiseerzählungen. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1974, S. 15–73 (S. 36 u. 69, Anm. 98).
  7. Sudhoff, Papageienbilder, S. 28.

Literatur