Indianerehrung 1928

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Die sogenannte Indianerehrung oder Indianerhuldigung fand im Januar 1928 unter großem Medienecho in Radebeul statt.

Vorgeschichte

Als sich Zirkus Sarrasani 1927 mit seinem neuen Programm vorstellte, befanden sich unter den Völkerschaften, die er präsentierte, auch Indianer aus Nordamerika. Sie kamen erneut aus der Reservation der Pine Ridge Agency in South Dakota und feierten am 3. März 1927 mit einem Umzug in Berlin ihre Deutschland-Premiere. Angeführt wurden sie vom Siouxhäuptling Big Snake (Susetscha Tanka = Große Schlange).

Zum Jahresende 1927 wollte man in Sachsen gastieren – in Leipzig, Chemnitz, Dresden. Hans Stosch-Sarrasani, der vor Jahresfrist allen Einwohnern Radebeuls eine Absage erteilen musste, entsann sich diesmal seiner Heimatstadt und schrieb Klara May am 4. Dezember 1927:

"Es wird Sie sicher interessieren, daß meine Indianer die gleiche Begeisterung für die Werke Ihres Mannes empfinden, wie die deutsche Leserschaft und die übrige Welt. Die Rothäute haben den Wunsch geäußert, das Heim Ihres Mannes kennenzulernen, der ein so glühender und leidenschaftlicher Verehrer ihrer Rasse war. Voller Dankbarkeit wollen sie dem Grab des Mannes, der ihr temperamentvollster Bewunderer gewesen ist, huldigen ..."[1]

Indianerhuldigung am 17. Januar 1928 in Radebeul

Bereits in Dresden, als die Sioux vor dem Zirkusbau "Sarrasani" mehrere Kraftwagen bestiegen, hatte sich eine unübersehbare Menschenmenge angesammelt. Unterwegs wurde der Konvoi bejubelt. In Radebeul warteten Unzählige vor dem Friedhof Radebeul-Ost. Pressevertreter hatten sich bereits im Innern des abgesperrten Friedhofes postiert, darunter auch ein Reporter der New York Times: "American Indians honor Karl May" – unter dieser Schlagzeile sollte die Zeitung tags darauf seinen Kabelbericht veröffentlichen.

Voran marschierte die argentinische Gaucho-Kapelle Sarrasanis, einen Choral anstimmend. Feierlich bewegte sich der Zug dem Grabmal Karl Mays zu. Unter den Gästen befanden sich der Dresdner Generalkonsul der Vereinigten Staaten, Arminius T. Haeberle, Zirkusdirektor Stosch-Sarrasani, Euchar Albrecht Schmid als Leiter des Karl-May-Verlages und Patty Frank.

"Wir stehen hier am Grabe eines Mannes, der der größte Freund der Indianer war", begann Patty Frank seine Begrüßungsansprache auf Englisch. "All sein Denken, all sein Tun war das eines Indianers. In mehr als dreißig Büchern, die in der ganzen Welt verbreitet sind, erzählt er, wie er seine roten Freunde verehrt. Seine Haut war weiß, sein Gesicht war weiß, aber sein Herz war rot wie jenes der roten Männer ..."[2]

Unter Trommelschlag näherten sich einige Indianer der Gruft, stimmten ein Klagelied an und legten zwei Kränze nieder. Big Snake stellte sich auf die Stufen des Grabmals und hielt eine gestenreiche Rede in der Sprache der Lakota, die Mr. Shoultz übersetzte: "Du großer toter Freund! ... Du hast unserem sterbenden Volk im Herzen der Jugend aller Nationen ein bleibendes Denkmal errichtet. Wir möchten Dir Totempfähle in jedem Indianerdorf aufstellen. In jedem Wigwam sollte Dein Bild hängen, denn nie hat der rote Mann einen besseren Freund gehabt als Dich ..."[3]

Vor der "Villa Bärenfett" begrüßte Klara May auf Englisch ihre Gäste. Mit einem Tanz dankten es ihr die Indianer. Patty Frank zeigte ihnen die im Blockhaus angehäuften Schätze indianischer Kultur.

Dass es gerade Sioux gewesen sind, die Karl May ehrten, fand dessen Witwe des Wunderns wert: "Die Sioux waren [in Mays Erzählungen] von jeher die Todfeinde der Apatschen, also auch Winnetous und Old Shatterhands. Hier scheint eine eigenartige Laune des Schicksals gewaltet zu haben. Nicht Apatschen sind es gewesen, auch nicht die befreundeten Navajo oder Schoschonen, die dem toten Freund der Indianer eine Huldigung an seinem Grab in Radebeul bereiteten, sondern seine früheren Feinde ..."[4]

Mappe aus dem KMV

Im Karl-May-Verlag erschien eine Mappe mit 12 Aufnahmen unter dem Titel "Indianer-Huldigung in Radebeul, Januar 1928". Von der Veranstaltung berichtete auch Hans Reimann.[5] Er gab allerdings an, dass sich die 22 Indianer bei dem Besuch des Indianermuseums betrunken hätten und von Sarassani durch kostümierte Weiße hätten ersetzt werden müssen.

Sonstiges

Im Wiener Karl-May-Brief Heft 2-3/2013 wurde nachgewiesen, dass Susetscha Tanka und seine Indianer auch für weitere Werbeautritte engagiert wurden. Wiedergegeben wurden u.a. Bilder von einem Auftritt auf dem Flughafen Dresden-Hellerau 1928.

Anmerkungen

  1. Die Indianerhuldigung in Radebeul.
  2. Die Indianerhuldigung in Radebeul.
  3. Die Indianerhuldigung in Radebeul.
  4. Klara May, Mit Karl May durch Amerika, Radebeul 1931, S. 22 f.
  5. Hans Reimann, Mein blaues Wunder, 1959, S. 276.

Literatur